Kornwestheim Kommunalwahl: Liberale wollen Debatten anstoßen

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Marcel Demirok (links) und Ender Engin sitzen vor der alten Stadtbücherei in der Kantstraße. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Ender Engin und Marcel Demirok spazieren durch Kornwestheim. Hier und da halten sie an, sprechen ein paar Worte. Regelmäßig kreuzt ein Bekannter ihren Weg, dann gibt es ein kurzes „Hallo“ oder einen Händedruck. „Wir haben den Ortsverband neu aufgestellt“, sagt Demirok. Als hätten sie es geplant, passieren die zwei jungen Männer – Demirok ist 28, Engin 30 Jahre alt – in diesem Moment in der Güterbahnhofstraße ein Wahlplakat. „Es ist Zeit für eine neue Generation“, ist darauf zu lesen, vor strahlend gelbem Hintergrund die beiden und als dritter im Bunde Andrey Belkin.

Ender Engin, bekannt als Junior-Chef der gleichnamigen Elektrotechnik- und Lichtdesignfirma, ist Spitzenkandidat der Kornwestheimer FDP für die anstehenden Gemeinderatswahlen. Der Produktionsleiter Demirok folgt auf Platz zwei der Liste, Chemiestudent Belkin auf drei. Erst auf Listenplatz vier steht Andreas Schantz, der wohl bekannteste Kornwestheimer Liberale und einziger amtierender Gemeinderat. Schantz ist seit Jahren das Gesicht der FDP in der Stadt, und er will natürlich auch weiterhin präsent bleiben im politischen Geschehen der Stadt. Doch nun sollen Junge nachrücken – die Liberalen stellen die im Schnitt jüngste Liste und sie sind stolz darauf, alle 26 Listenplätze besetzt zu haben.

Den Stadtspaziergang haben Engin und Demirok gewählt, um für unsere Kommunalwahlserie „90 Minuten“ einige Orte in der Stadt anzusteuern, die ihnen am Herzen liegen – und für die sie politische Ideen beisteuern wollen. Die Belebung der Bahnhofstraße ist etwa ein Thema für sie. Der Holzgrundplatz in seiner jetzigen Form gefällt ihnen nicht. Wie könnte man ihn schöner gestalten? Das Thema noch einmal anzugehen, das könnten sie sich in Zukunft vorstellen. Auch die Frage, wie es mit dem Wette-Center in Zukunft weitergeht – in rund vier Jahren läuft der Mietvertrag der Ravensburger Kinderwelt aus – schneiden sie während des Rundgangs an. Warum nicht mit attraktiven Bekleidungsläden und -ketten Gespräche aufnehmen, um mittelfristig mehr Leben in die Innenstadt zu bekommen, stellt Ender Engin in den Raum.

Marcel Demirok betrachtet die Kinderwelt noch aus einer anderen Perspektive, wie sie mancher Kornwestheimer teilt: „Jahr für Jahr schießt die Stadt einem solchen Eigenbetrieb viel Geld zu, während die Sportvereine stärker gefördert werden müssten mit ihrer wichtigen Arbeit“, sagt er. Das sei den Menschen nicht immer zu vermitteln.

Am Awo-Heim, wo gerade neu gebaut wird, führt der Spaziergang vorbei, weiter zur alten Stadtbücherei in der Kantstraße. Hier machen Engin und Demirok eine Pause und lassen sich auf den Stufen nieder. Die jungen Liberalen haben die Jugendinitiative Kant 10 mit angestoßen. Sie fordert, das Jugendzentrum von der Stuttgarter Straße in die alte Stadtbücherei zu verlegen – dem Gemeinderatsbeschluss, der festlegt, dort die stadthistorische Sammlung zu lagern, zum Trotz.

Beliebt hat sich die FDP mit dem Vorstoß nicht überall gemacht. Andere Parteien in der Stadt warfen ihr vor, den Jugendlichen nicht erfüllbare Versprechungen zu machen und sie für den Wahlkampf zu instrumentalisieren. Auch die Einladung zu einer Podiumsdiskussion zum Thema unter dem Parteilogo der FDP kam nur bei wenigen Politikern anderer Fraktionen gut an. „Aber wir haben eine Debatte angestoßen“, ist Engin überzeugt. Es werde über das Thema geredet, sagt der Jungunternehmer. „Manchmal braucht es erst eine Schlagzeile, damit reagiert wird.“ Ihm sei wichtig, die jungen Kornwestheimer mit ins Boot zu holen.

Ender Engin und Marcel Demirok setzen den Spaziergang fort. Sie bringen noch weitere Themen an. Die Städtische Wohnbau solle sich stark auf wirklichen sozialen Wohnungsbau konzentrieren, finden sie. Die Natur in der Innenstadt, wo noch vorhanden, wollen sie trotz Wohnungsnot erhalten. Den Salamander-Stadtpark verschönern, etwa durch bessere Illumination, auch das sei eine Möglichkeit. „Dann würden sich die Menschen hier auch sicherer fühlen“, sagt Ender Engin. Eine Bürgerapp könnten sie sich gut vorstellen, mehr digitale Möglichkeiten für die Bürger, Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen – Stichwort eGovernment – und Liveübertragungen der Gemeinderatssitzungen ins Internet.

Am Ende entscheiden die Wähler, ob ihr Weg der richtige sei, bestätigen Engin und Demirok am Ende ihres Rundgangs. Sie hoffen, dass drei ihrer Kandidaten, egal wer, es ins Gremium schaffen.

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