Kornwestheim Konzepte für die Stadt der Zukunft

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Die Güterbahnhofstraße: Für den Experten Stefan Leuninger bildet sie eine gute Achse in der Innenstadt, gestalterisch ist aber noch Luft nach oben. Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Wenn Stefan Leuninger über die Kornwestheimer Innenstadt spricht, dann erscheint da plötzlich ein Silberstreif am Horizont nahe der Bahnhofstraße, Güterbahnhofstraße, Jakobstraße. Der Stadtentwicklungsexperte benennt Möglichkeiten, dem Ladenschwund entgegenzuwirken, Areale aufzuwerten, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Er spricht sehr positiv von Kornwestheim: Das Kaufkraftniveau sei gut, fünf Prozent über Bundesschnitt, die steigende Bevölkerungszahl ein Plus, die Nahversorgung sei gut, die in der Stadt angesiedelten Ärzte „Frequenzbringer“. Es gebe bereits Parkhäuser um die Innenstadt, wie Leuninger erfreut erwähnt. Sogar für die viel gescholtene Güterbahnhofstraße vom Bahnhof hinunter zum Holzgrundplatz hat er Lob übrig. In „dieser Achse“ sieht Leuninger Potenzial, wie er zum Ausdruck bringt. Leuninger ist Leiter des Stuttgarter Büros vom „Cima“, einem Kompetenzzentrum für Stadtentwicklung und stadtplanerische Prozesse. Er kennt sich vor allem auch damit aus, Bürgerschaft, Politik und Wirtschaft in Kommunen zu verknüpfen und mit Umfragen, Workshops und Ideenwerkstätten Konzepte für lebendige Innenstädte zu ersinnen.

Die Stadt Kornwestheim, so schlägt es die Verwaltung vor, will nämlich in einen Prozess unter dem Leitmotiv „Mobilität, Aufenthaltsqualität, Innenstadtentwicklung – Perspektiven und Chancen für Kornwestheim“ eintreten. Aus diesem Grund stand Leuninger dann auch dieser Tage vor dem Gemeinderat, um einen Anstoß für einen solchen Prozess zu geben.

Ermutigende Worte

Indes: Trotz Leuningers ermutigender Worte gibt es Baustellen. Geschäfte – zuletzt etwa das traditionsreiche Schuhgeschäft Schantz – machen dicht, Händler klagen über fehlende Kundenströme. Der Holzgrundplatz muss nach Corona mit Veranstaltungen wiederbelebt werden, er bräuchte gegebenenfalls auch noch mehr Grün und vielleicht weitere Akzente. Dann sind da das Chaosparkerproblem in der Bahnhofstraße, die Weitläufigkeit und die, nun ja, gestalterischen Mängel der Güterbahnhofstraße, die Frage nach der Zukunft des Wette-Centers. Ganz generell bräuchte es Konzepte, wie man den Innenstadtbereich bis zum Salamander-Areal klammert.

Gabi Walker von den Freien Wählern mahnte an, dass die Stadt gar nicht an jeder Stelle überhaupt Gestaltungsräume habe. „Uns gehören mitunter nur die Straßen und ein Teil des Gehweges“, sagte sie, warnte davor, zu große Erwartungen in der Bürgerschaft zu wecken.

Dass aber etwas passieren soll in Sachen Innenstadt, darüber herrscht zwischen den meisten Kornwestheimer Stadträten und Stadträtinnen weitgehender Konsens. In den vergangenen Jahren gab es hierzu immer wieder konzept- und ideenreiche Vorstöße von verschiedenen Fraktionen.

Zuletzt warfen die Grünen ihre „Grünen Anstöße“ ins Rennen, um die Stadt fit für die Zukunft zu machen und neu zu denken. Die Sozialdemokraten warben in der Vergangenheit für einen Bürgerbeteiligungsprozess und schlugen wiederholt vor – was bei Gewerbetreibenden auch auf Widerstand stieß – zumindest testweise eine Fußgängerzone einzurichten. Von Seiten der CDU gab es ebenfalls bereits handfeste Debattenbeiträge. Unter dem Motto (und dem Hashtag) „Zukunftswerkstadt“ befragte sie Bürger zu Ideen für das Kornwestheim der Zukunft. „Meinungen und Wünsche wollen wir ideologiefrei in unsere Vision eines pulsierenden Herzens Kornwestheims mit einfließen lassen“, heißt es von den Christdemokraten da etwa, wenn sie auch eine geplante Podiumsdiskussion zum Thema coronabedingt ausfallen lassen mussten.

„Roter Faden für Kornwestheim“

Die Ansätze gehen dabei teils auseinander. Vor allem die Frage, ob und wie weiträumig die Innenstadt autofrei werden könnte, könnte in Zukunft noch manche Debatte nach sich ziehen. Stefan Leuninger schlägt ein Vorgehen vor, das er im ersten Schritt als „Roter Faden für Kornwestheim“ bezeichnet, der „gerne noch dicker“ werden könne. Er setzt darauf, die Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer Stadt zu stärken, über Aufenthaltsqualität, Wohlfühlräume und so fort. Als eine erste konkrete Idee stellte Leuninger in den Raum, Liegestühle auf dem Holzgrundplatz zu platzieren, um ihn zu beleben. „Kornwestheim bequem“, nennt er das. „Es wäre eine Sofortmaßnahme.“

Während der Hybridsitzung des Gemeinderates votierten die Stadträte dafür, zunächst eine Bürgerbeteiligung zu organisieren, die vielleicht schon in den nächsten Monaten starten könnte. Auch hier sind noch Fragen offen: Wie erreicht man ausreichend viele Kornwestheimer? Auch Menschen mit Migrationshintergrund und Jugendliche sollen in möglichst großer Zahl abgeholt werden. Leuninger warb für eine Onlineumfrage, einige Stadträte ergänzten, auch eine Papierform sei zumindest als Alternative notwendig. „Die Menschen sollen auch etwas in der Hand halten können, wenn sie wollen“, so etwa Hans-Joachim Schmid von der CDU.

Für die Jugenddelegation Judeko sprach während der Sitzung spontan Sprecher Mattis Schulte. Eine Umfrage, „die gleich mal eine Stunde dauert“, könne Teilnehmer abschrecken mahnte er und schlug zudem vor, direkt an den Schulen vorzusprechen, um möglichst viele junge Kornwestheimer zu erreichen. Leuninger ergänzte, auch Präsenzveranstaltungen oder Rundgänge seien möglich. „Wichtig ist, viele Gruppen, Ältere, Jüngere, Vereine abzuholen und mitzunehmen.“ Oberbürgermeisterin Ursula Keck zeigte sich zufrieden über die Anstoßdebatte. „Sie machen uns Mut, schärfen unseren Blick“, sagte sie zu Leuninger. Siehe Kommentar

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