Kornwestheim Kornwestheimer klagen über Brummton

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Kopfhörer sind keine Lösung: Der Brummton stört immer mehr Menschen. Foto: fotolia

Kornwestheim - Stefanie und Tobias K. (Namen von der Redaktion geändert) konnten ihr Glück kaum fassen, als sie vor ziemlich genau einem Jahr ihr neues Haus im Kornwestheimer Starenweg bezogen: Nach der Dauerbeschallung im Stuttgarter Süden am Marienplatz vernahmen beide in ihrem neuen Domizil nur noch das Singen der Vögel und ein sanftes Rauschen von der Bundesstraße 27 aus der Ferne. Doch der Schock kam an einem Wochenende im Dezember 2014: Ein lauter Brummton drängte sich in ihre Ohren und wollte nicht wieder verschwinden. „Zunächst dachten wir, es ist die Heizung unserer Nachbarn, die neu eingezogen waren“, erzählt die 46-jährige Frau über die Anfänge ihrer Erfahrungen mit dem Brummton.

Eine Schallquelle in einem der Häuser konnte bald ausgeschlossen werden: Auch als alle elektrischen Geräte ausgeschaltet und die „Häuser für kurze Zeit versorgungstechnisch komplett lahm gelegt waren“ (Stefanie K.), war das Brummen weiterhin zu hören. „Es war teilweise so unbeschreiblich laut, dass wir keine Nacht mehr schlafen konnten“, erinnert sich Stefanie K. mit Grausen. Nach zwei Wochen war das Paar so zermürbt, dass sie nacheinander den Stadtwerken, der EnBW und der TransnetBW als Betreiberin des Umschaltwerkes in Mühlhausen ihr Leid klagten. „Alle waren sehr freundlich und haben versucht, uns zu helfen“, erzählt Stefanie K. Vertreter der Stadtwerke untersuchten die Dachträger der Stromleitungen und sorgten durch Rütteln daran, dass der Ton zumindest ein wenig leiser wurde. Auf Veranlassung der TransnetBW wurde der Strom im Starenweg komplett abgestellt. Bei Messungen wurde ein Ton auf der tiefen Frequenz von knapp 31 Hertz außerhalb des Hauses festgestellt. „Töne dieser Frequenz hören nicht alle Menschen. Daher können wir ihn wahrnehmen, Nachbarn in der Umgebung aber nicht“, berichtet Tobias K.

Irritiert hat das Paar, dass man ihnen von Seiten der Energieversorger so aufgeschlossen begegnet sei. „Es wurde uns aber gesagt, dass ein Brummton in Kornwestheim noch nie aufgetreten sei“, erklärt Stefanie K., die das nicht glaubt. Sie hat im Internet Berichte gelesen, in denen „Kornwestheim als ein Epizentrum des Brummtons“ beschrieben wurde. Zudem habe ein Vertreter der Stadtwerke eingeräumt, dass man gar nicht die technische Ausstattung habe, um solche Töne zu messen.

Der Ton sei so tief, dass man ihn mehr fühle als höre. „Im Winter konnte man die Uhr danach stellen. Pünktlich um 18.30 Uhr bekam ich eine Art Flattern im Ohr“, erinnert sich Stefanie K. Für sie nährt das den Verdacht, dass die Ursache mit dem Stromnetz zu tun hat. „Das ist die Zeit, zu der viele Menschen von der Arbeit nach Hause kommen und der Stromverbrauch massiv in die Höhe geht“, sagt sie.

„Wir haben auch schon ein Verhältnis zu diesem Brummton. Er ist für uns wie ein unheimlicher Mitbewohner“, erzählt Stefanie K. Wenn jemand zu Besuch käme, um ihn zu hören, verstecke er sich immer wieder mal. Besucher, die regelmäßig kämen wie ihre Babysitterin, würden den Ton jedoch auch wahrnehmen.

Stefanie K. hat sich beim Ohrenarzt einer gründlichen Untersuchung unterzogen, um einen Tinnitus als Ursache auszuschließen. „Es ist aber alles in Ordnung“, erzählt sie. Allerdings verfügen die Informationsarchitektin und der Elektroingenieur von Haus aus über ein gutes Gehör, das zudem durch jahrelange Mitwirkung in einer Funk- und Soulband geschult ist.

Das große Glück des Ehepaares ist es, dass der Ton jetzt im Sommer leiser geworden und häufig gar nicht mehr zu hören ist. „Wir haben uns zudem antrainiert, den Brummton als normales Umgebungsgeräusch einzustufen und sind nicht darauf fokussiert, ihn zu hören“, erzählt Tobias K.

Einig sind sich beide darin, sich von dem Brummton nicht aus ihrem neuen Zuhause vertreiben zu lassen – zumindest nicht, solange sich die sechsjährige Tochter vom „Brummsi“, wie sie ihn ihr gegenüber kindgerecht nennen, nicht gestört fühlt. Das Ehepaar sucht jedoch weitere Betroffene in Kornwestheim, um dann mit einer „kritischen Masse“ (Stefanie K.) nochmals bei der Stadt vorstellig zu werden, um nach Lösungen zu suchen – auch wenn sich beide bewusst sind, dass es fast unmöglich sein wird, die Ursache des Brummtons zu finden. „Aber wenn wir es alle nur stumm hinnehmen, wird das Problem niemals global angegangen werden“, findet Stefanie K.

 
 

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