Kornwestheim Kornwestheimer Wirte appellieren: „Vergesst uns nicht!“

Von
Am Marktplatz zeigten sich die Gastronomen, um die Kornwestheimer für ihre Sorgen zu sensibilisieren. Foto: Marius Venturini

Kornwestheim - Mitko Pelovski kommt eigentlich stets optimistisch-fröhlich daher. Doch dieser Tage fällt auch dem Betreiber des Irish Pubs Landlord sowie des Hirschgartens das Lachen schwer. „Wenn es noch einen Monat so weitergeht, wird es ganz ganz schwierig“, sagt er.

Wie zahlreiche weitere Gastronomen ist auch Pelovski am Sonntagnachmittag auf den Kornwestheimer Marktplatz gekommen. Dort haben sich die Wirte und Wirtinnen nach Aufruf und nach Anleitung von Marcel Demirok, FDP-Stadtrat und selbst Kneipenchef, für eine Aktion zusammengefunden, die zeitgleich Hilferuf und Solidaritätsbekundung ist. Die Wirte wollten auf ihre Situation hinweisen und gleichzeitig dafür werben, lokal einzukaufen und zu speisen, sofern das jetzt schon möglich ist, oder eben verstärkt dann nach der Corona-Krise.

Auf Stühlen sitzend, mit dem notwendigen Abstand natürlich und fast ausnahmslos mit Schutzmaske, appellierten sie an den Zusammenhalt. Viele nutzten die Gelegenheit aber auch für ein Statement. „Vergesst uns nicht!“, war fast immer der Tenor.

„Wir haben vier Monate umgebaut und hatten dann drei Monate geöffnet. Dann kam der Shutdown“, berichtet zum Beispiel Alexander Beck vom Restaurant Luna. Speisen zum Mitnehmen funktionieren in seinem Etablissement nicht. „Wir haben nur zwei Tage in der Woche geöffnet“, sagt er, gibt sich aber dennoch kämpferisch: „Wir halten durch!“ Auch Cemile Kaymanli hatte noch gar keine richtige Gelegenheit, sich in ihrem Lokal einzugrooven. Im Januar hat sie mit ihrem Mann das Restaurant Matchpoint beim TCK übernommen. „Und im März mussten wir schon wieder schließen“, sagt sie, „wir waren gerade dabei, uns einen Namen zu machen.“ Farshid Kalantari ist der Vermieter von „Wurst & Durst“ am Bahnhofsplatz, das sein Bruder Babak betreibt. Er weiß: „Momentan werden dort vielleicht ein Fünftel bis ein Viertel der normalen Umsätze erwirtschaftet.“ Von den fünf Mitarbeitern sei bislang noch keiner entlassen worden, in Kurzarbeit seien jedoch alle. Dem Lokal bleibt, wie vielen anderen auch, derzeit nur der Liefer- und Mitnahmeservice. „Wir arbeiten da auch mit Lieferando zusammen“, berichtet Farshid Kalantari.

„Wir haben zum Glück noch unsere Gästezimmer“, sagt Thomas Beck-Renninger vom Gasthof Hasen. Die seien derzeit aber auch nur zu etwa 50 Prozent belegt. „Wir haben aber das Glück, dass bei uns viele Handwerker und Arbeiter von Stuttgart 21 wohnen“, sagt er.

Die müssten sich morgens allesamt nacheinander ihr Frühstück aufs Zimmer holen und es dort verspeisen. „Es ist ja nicht nur das Geld, das fehlt, es ist der Kontakt mit den Gästen, das Soziale“, so Beck-Renninger. Und: dem Hasen fehlen dennoch zahlreiche Einnahmen, wie sie etwa dank der Kommunionen und Konfirmationen geflossen wären.

Selma Elibol von der Pizzeria Orion bietet Speisen zum Abholen an. „Die Kunden fragen mich so oft, wann sie denn wieder im Restaurant sitzen dürfen“, sagt sie. Bei den Angeboten, die sie derzeit mache, verdiene sie nur sehr wenig. „Außerdem muss ich länger geöffnet haben, von 12 Uhr an an statt von 17 Uhr“, betont sie – und fragt sich, warum Baden-Württemberg so lange zögere.

Auch Mitko Pelovski beklagt einen „elementaren Verlust“. Er habe den kompletten Mai über alles absagen müssen. „Am Schlimmsten trifft es bei mir den Hirschgarten“, sagt er.

Artikel bewerten
7
loading
 
 

Sonderthemen