Kornwestheim Krisenmodus, Kurzarbeit, Konzeptionen

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Home office Foto: dpa

Kornwestheim - Tasmin Reuter ist Qualitätsmanagerin der Kornwestheimer Firma Robos, gleichzeitig aber auch studierte Pharmazeutin. „Wir haben die Expertise im Haus“, sagt Christina Hartmann, die Marketingverantwortliche der Etikettendruckerei schmunzelnd. „Wir sind immer gut informiert, was Corona angeht“. Entsprechend hat Robos bereits seit einigen Tagen detaillierte Maßnahmen ergriffen, um die Mitarbeiter so gut es geht zu schützen und die Produktion sicherzustellen. Ein Teil der Beschäftigten aus der Verwaltung ist bereits im Homeoffice. „Alle, die zuhause arbeiten können, bleiben zuhause“, sagt Hartmann. Auch im Haus arbeite man mittels Videokonferenzen, Kunden- und Lieferantenbesuche werden derzeit abgesagt. Neuralgischer Punkt bei Robos ist natürlich darüber hinaus die Produktion an den großen Spezialdruckmaschinen. Der Bereich ist strikt von der Verwaltung getrennt und hat auch einen eigenen improvisierten Pausen- und Essensraum erhalten. Außerdem gibt es zwischen den Schichten in Produktion und Lager aktuell Pausen, damit sich die Mitarbeiter der einzelnen Schichten nicht begegnen und anstecken können. „Derzeit ist unser Krankenstand nicht höher als sonst“, sagt Hartmann. Auch die Arbeit laufe gut weiter, lediglich die Lieferzeiten für manche Materialien seien derzeit länger als gewohnt. „Wir erhalten Etiketten etwa aus Polen und Tschechien, da dauert die Abfertigung an den Grenzen zurzeit länger.“

„Die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe betreibt in Sachen Corona-Virus eine aktive Vorsorge“, heißt es im offiziellen Pressestatement des Konzerns. Pressesprecher Immo Dehnert wird konkreter: „Mehrere Hundert Mitarbeiter sind im Homeoffice, und das läuft auch stabil.“ Derzeit gebe es keine wesentlichen Einschränkungen im Geschäftsbetrieb. Das liege auch daran, dass man zusätzliche Notebooks ausgegeben und somit Möglichkeiten zur Heimarbeit geschaffen habe. Allerdings: „Angesichts der derzeitigen akuten Verwerfungen in den Kapitalmärkten sowie der noch nicht einschätzbaren weiteren Folgen der Coronakrise sind fundierte Prognosen zum Geschäftsverlauf zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich“, heißt es in der Pressemitteilung.

Das berufliche Pendeln zwischen den beiden großen Standorten in Kornwestheim und Stuttgart hat die Firma derweil komplett eingestellt. „Es läuft derzeit alles über Skype und Telefonkonferenzen“, so Dehnert. In beiden Häusern haben sich außerdem die Gegebenheiten in den Kantinen geändert. Dort stehen Tische und Stühle nun viel weiter auseinander, außerdem gibt es keine Selbstbedienung mehr beim Besteck. Insgesamt stehe die Personalabteilung im engen Kontakt mit dem Betriebsrat – auch was die Situation von Eltern angeht, die Kinder betreuen müssen und eben nicht ins Homeoffice können. „Da halten wir uns an die gesetzlichen Vorgaben und gehen stellenweise auch darüber hinaus“, betont der Pressesprecher.

Selbstredend hat W & W sämtliche Veranstaltungen abgesagt, ob diese nun auf dem Campus stattgefunden hätten oder, wie das große Bigband-Konzert Ende März, im Ludwigsburger Scala. „Wir befinden uns alle in einer komplett neuen Situation“, so Dehnert. Der betriebsärztliche Dienst stehe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rasch für Fragen zur Verfügung, heißt es außerdem in der offiziellen Pressemitteilung.

Auch bei der Stadt und ihren Beschäftigten ist der Arbeitsalltag anders als gewohnt. Es wurde allen Mitarbeitern gestattet, in Absprache mit ihren Vorgesetzten im Homeoffice zu arbeiten – vorausgesetzt, der Aufgabenbereich lässt das zu. Das betrifft vor allem die Mitarbeiter in der Verwaltung. Da mehrere städtische Einrichtungen wie die Ravensburger Kinderwelt, die Stadtbücherei und das Museum im Kleihues-Bau bis zum Ende der Osterferien geschlossen sind, gibt es dort derzeit keinen Publikumsverkehr und entsprechend weniger zu tun. Daher haben sich auch die Aufgaben der dortigen Angestellten zum Teil geändert. „Im Museum wird beispielsweise der Aufbau der neuen Ausstellung weiter vorbereitet, die Musikschule und die Kindersportschule arbeiten an Konzeptionen“, teilt Pressesprecherin Caroline Schaal mit. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen momentan vorwiegend administrative Aufgaben und kümmern sich um die Homepage und Verwaltungstätigkeiten. In einzelnen Bereichen werden auch Überstunden abgebaut, zum Beispiel bei den Veranstaltungstechnikern im K.

Zwar haben inzwischen auch alle Kindertagesstätten geschlossen. Aber: „Derzeit sind noch alle pädagogischen Fachkräfte, die nicht krank, im Urlaub oder wegen der Betreuung ihrer Kinder ausfallen, im Einsatz“, schreibt Schaal. Die Erzieher und Pädagogen müssen allgemeine Aufgaben wahrnehmen: beispielsweise Projekte ausarbeiten, Portfolios führen, Lerngeschichten schreiben, Spielmaterial reinigen und desinfizieren und konzeptionelle Aufgaben übernehmen.

Weiterhin im Einsatz sind die Teams im Bauhof und der Stadtgärtnerei. Sie arbeiten allerdings zeitversetzt in Schichten, sodass möglichst wenige Kontakte stattfinden und die Ansteckungsgefahr minimiert wird.

Auch bei der Firma Acsys aus der Leibnizstraße, die Lasersysteme für die Materialbearbeitung erstellt, ist in diesen Tagen nichts normal. „Wir sind mitten im Krisenmanagement und bereiten die Arbeitsorganisation so vor, dass wir wechselnde Teams in kleine Gruppen im Büro haben und viele Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten“, berichtet Geschäftsführer Sascha König. Er macht keinen Hehl daraus, dass das Arbeitsaufkommen wie in so vielen anderen Firmen ausgeht, weil die Geschäftspartner ihre Produktionen schließen oder im Notbetrieb sind. Der Eintritt in die Kurzarbeit könnte eine Folge sein.

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