Kornwestheim Kritik an Ganztags-Plänen

Von Werner Waldner
Kritik an Schulplänen Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Kornwestheim - In Pattonville war die Entscheidung eindeutig. Sämtliche Schulgremien hatten sich vor zwei Jahren dafür ausgesprochen, mit dem Umzug ins neue Gebäude die verpflichtende Ganztagsschule (Schulzeit von 8 bis 15 Uhr, freitags bis 12.30 Uhr) einzuführen. Nun baut auch Kornwestheim eine neue Grundschule. Zwei Parallelklassen soll es pro Jahrgang geben, aber nur für einen Zug ist ein Ganztagesangebot vorgesehen. „Für mich eigentlich undenkbar“, sagte die CDU-Stadträtin und langjährige Grundschulrektorin Silvia Stier, als im Verwaltungs- und Finanzausschuss das Raumprogramm für den Schulcampus Ost vorgestellt wurde. Dort sollen neben der neuen Grundschule auch eine neue Gemeinschaftsschule und zusätzliche Räume für die Theodor-Heuss-Realschule errichtet werden.

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Was ist die Kritik?

Silvia Stier hat die Befürchtung, dass die Stadt am Bedarf der Eltern, aber auch an möglichen Vorgaben aus der Politik vorbeiplant, sagte aber einschränkend: „Ich habe keine Glaskugel, in der ich die Zukunft vorhersehen kann.“ Sie war aber nicht die einzige, die Zweifel an der Richtigkeit der Pläne für die Grundschule hat. Auch Gabi Walker (Freie Wähler) fragte sich, „warum wir noch diskutieren, dass ein Zug nicht in den Ganztag geht“. Die Kindergärten, so Walker, würden schon Betreuungszeiten bis in den Nachmittag hinein anbieten. „Da ergibt es keinen Sinn, eine Grundschule oder weiterführende Schule zu planen, die unter den Kita-Zeiten bleibt.“ Walker erinnerte zudem daran, dass auch die Arbeitswelt immer mehr Flexibilität verlange. Es sei vielen Beschäftigten nicht möglich, die Kinder um 12 oder 13 Uhr aus der Schule abzuholen.

Plant Kornwestheim am Bedarf vorbei?

Nein, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. „Der Schulbau muss uns Flexibilität geben.“ Birgit Scheurer, Leiterin des Fachbereichs Kinder, Jugend und Bildung, ergänzt, dass in den Kindergärten nur die Hälfte der Eltern eine Betreuung von mehr als sieben Stunden wünschen würden. Den anderen reichten die „Verlängerten Öffnungszeiten“, bei denen die Kinder sechs Stunden in der Kita verblieben. Bei den langen Öffnungszeiten sehe sie im Kita-Bereich einen „Sättigungspunkt“ erreicht. Aber: Vielen Eltern sei es wichtig, dass die Kinder das Mittagessen noch in der Kita einnehmen würden.

Welche Auswirkungen hat die Diskussion auf den Schulneubau?

Die Grundschule soll 60 Quadratmeter mehr Fläche erhalten. Einen entsprechenden Antrag will die CDU-Fraktion in den Gemeinderat einbringen. Damit soll die Möglichkeit bewahrt werden, doch noch eine verpflichtende Ganztagsschule für zwei Züge einzuführen. Der Unterstützung zumindest von Gabi Walker dürfen sich die Christdemokraten sicher sein. Sie kritisierte, dass jetzt schon über einen An- für den Neubau nachgedacht werde. „Wenn ich jetzt schon weiß, dass ich in fünf Jahren was Neues baue: Schlechter kann man es nicht angehen.“ Gegen diese Kritik verwahrte sich die OB. Von fünf Jahren könne keine Rede sein. Es sei die Anforderung an die Stadt als Schulträger, eine gute Schule für die kommenden 20 Jahre zu bauen. „Wir gehen nicht blauäugig vor.“

Gibt es weitere Anregungen für die neue Grundschule?

Silvia Stier äußerte den Wunsch, in der Mensa Platz für alle Kinder zu schaffen – nicht nur für die, deren Eltern ein warmes Mittagessen gebucht haben. Es sollen dort auch die Jungen und Mädchen speisen können, die von daheim ein Vesper mitbringen. Und zudem legte sie der Stadt nahe, sich rechtzeitig um eine Schulleitung für die am alten Standort an der Hohenstaufenallee verbleibende Grundschule zu bemühen. Die denkt allerdings darüber nach, keine eigene Schule, sondern lediglich eine Außenstelle der Schule auf dem Campus Ost zu schaffen.