Kornwestheim Landratswahl: Wie geht es jetzt weiter?

Von
Der Kornwestheimer Dietmar Allgaier (Mitte) wurde zum neuen Landrat gewählt. Foto: factum/Simon Granville

Kornwestheim - Selbst am Montag nach dem Wahlkrimiim Landratsamt sind die Emotionen vom Freitag noch nicht verflogen. „Das war schon eine stundenlange Anspannung und ein enormes Auf und Ab“, sagt Dietmar Allgaier (CDU), noch Erster Bürgermeister in Kornwestheim und bald Landrat in Ludwigsburg. Da am Wochenende Besucher aus den Partnerstädten in Kornwestheim waren, stürzte sich der 53-Jährige in Termine und konnte sich ablenken. So erging es auch dem Vaihinger OB Gerd Maisch (Freie Wähler), der nach der Wahlniederlage ebenfalls wieder in seiner Stadt unterwegs war.

Was ist an diesem dramatischen Freitag passiert? Die Deutungen über die Zuspitzung vor dem dritten Wahlganggehen auseinander. Zur Erinnerung: Die 20 Stimmen der Grünen waren nach dem ersten Wahlgang zu Heiner Pfrommer, dem Sozialdezernenten des Landkreises, übergelaufen. Damit hatte Allgaier 46 Voten, Gerd Maisch 31 und Pfrommer 26. Es setzte eine intensive Beratungsrunde ein, die Nerven lagen blank und die Anspannung war den Gesichtern anzusehen.

„Man hat versucht, mit den Grünen ins Gespräch zu kommen“, sagt Rainer Gessler von den Freien Wählern. Mit deren Stimmen hätte es für Maisch wohl für den Sieg gereicht. Doch die Grünen standen Maisch ebenso fern wie Allgaier. „Aus der Fraktion gab es die Rückmeldung, bei Herrn Pfrommer zu bleiben“, sagt Brigitte Muras, die Fraktionschefin der Grünen. Er entspreche am ehesten dem grünen Profil in Sachen Sozial- und Verkehrspolitik.

Damit blieb auch eine Absprache in Kraft, die Freie Wähler und CDU bereits im Vorfeld getroffen hatten. „Wir hatten vereinbart, dass wir einen von beiden wählen“, sagt ein hochrangiges Mitglied der CDU im Kreistag. Das heißt: entweder Maisch oder Allgaier. Da sich beide Fraktionen inhaltlich nahestehen, wollte man einen grünen Landrat verhindern. Am Ende hielten sich die Freien Wähler an die Absprache. Ihr Kandidat Gerd Maisch gab auf und die FW-Kreisräte stimmten geschlossen für Allgaier. Die SPD hatte schon vorige Woche ihre Unterstützung für Allgaier kundgetan.

Zur Freude der CDU: Bei der Landratswahl 1995 hatte der Freie-Wähler-Kandidat Heinz Kälberer, kurioserweise auch OB von Vaihingen, in einer ähnlichen Konstellation nicht zurückgezogen. Am Ende unterlag der CDU-Mann Manfred Hollenbach mit einer Stimme.

Doch die Zeit des Taktierens ist vorbei, Gerd Maisch hat seinen Frieden mit der Entscheidung gemacht. „Ich falle weich und habe weiterhin Freude an meiner Arbeit“, sagt der Vaihinger OB. Der Haushalt der Großen Kreisstadt müsse beschlossen werden, mit Stadtentwicklung, Gartenschau und sozialem Wohnungsbau stünden wichtige Themen zur Bearbeitung an. „Die Reaktionen in der Stadt sind positiv“, sagt Maisch. „Oft sagt man mir: ,Schade für Sie, aber gut für uns.’“

Der noch amtierende Landrat Rainer Haas, der noch bis 4. Januar im Dienst ist, konzentriert sich ganz auf die letzten Sitzungen und überlässt die noch offenen Streitthemen – etwa den Marbacher Gesundheitscampus oder die Schwieberdinger Deponie – seinem Nachfolger. „Von meiner Seite aus ist dazu alles gesagt“, erklärt er. Nicht alle stimmen indes in den Allgaier-Jubel mit ein. „Es ist eine neue Situation, dass der Landrat aus einer Kreistagsfraktion stammt“, sagt die Grünen-Sprecherin Brigitte Muras, „wir hoffen, dass er sein Versprechen einhält und tatsächlich überparteilich agiert.“

Dietmar Allgaier wird voraussichtlich am 7. Januar im Landratsamt zu arbeiten beginnen und seine Ernennungsurkunde in Empfang nehmen. Am 17. Januar wird die offizielle Amtseinführung sein, am 24. Januar die erste Kreistagssitzung.

Bis dahin will er in Kornwestheim geordnete Verhältnisse hinterlassen. „Ich bin mir sicher, dass es hier gut weiterlaufen wird“, sagt der 53-Jährige. Dass er eine Lücke hinterlässt, hört man in der Stadt oft, auch als Moderator zwischen OB Ursula Keck, Gemeinderat und Mitarbeitern. „Jeder ist ersetzbar“, meint er selbst dazu. Sein wichtigstes Ziel ist es, den Doppelhaushalt für die kommenden beiden Jahre bis Weihnachten im Gemeinderat durchzubringen. „Damit hat mein Nachfolger eine gute Arbeitsgrundlage und ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus“, sagt Dietmar Allgaier.

Artikel bewerten
0
loading
 
 

Sonderthemen