Kornwestheim Liebe kommt 26-Jährigen teuer zu stehen

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Ein junger Mann hatte sich in eine Prostituierte verliebt (Symbolbild). Foto: dpa

Kornwestheim - Ein halbes Jahr währte die Beziehung. An den finanziellen Folgen hat ein 26 Jahre alter Herrenberger erheblich länger zu knapsen. Knapp 80 000 Euro überließ er seiner Liebsten, einer 31 Jahre alten Prostituierten aus Kornwestheim. Jetzt stottert er einen Kredit über 75 000 Euro, den er für seine große Liebe aufgenommen hat, in 1000-Euro-Monatsraten wieder ab. Die Kornwestheimerin musste sich gestern vor dem Amtsgericht in Ludwigsburg wegen Betruges verantworten und wurde freigesprochen.

Über das Portal „Kauf mich“ hatte der junge Mann die 31-Jährige kennengelernt. Zunächst zahlte er für ihre Dienste, dann wurde aus dem Geschäft Liebe. Berechnende Liebe vonseiten der jungen Frau? Sie gestand auf jeden Fall ihrem Freund, dass sie erhebliche Schulden drücken würden. Zunächst war von 8000, später von 80 000 Euro die Rede. Teils habe sie Ausstände bei Online-Diensten, teils würden ihr Privatgläubiger auf die Pelle rücken, so erklärte es die 31-Jährige. Dass es der jungen Mutter eines kleinen Kindes finanziell nicht gut ging, konnte der Herrenberger mit eigenen Augen sehen. Häufig war der Kühlschrank leer, für eine neue Waschmaschine fehlte das Geld, irgendwann war der Fernseher verschwunden – gepfändet.

Er gab ihr immer wieder Geld – zunächst 100 Euro, später auch schon einmal 1000 Euro. Im Februar des vergangenen Jahres nahm er einen Kredit auf und ließ ihr 65 000 Euro zukommen. Die junge Frau habe ihm erzählt, so berichtete er es als Zeuge vor Gericht, dass sie bei der Schuldnerberatung gewesen sei und man ihr dort angeraten habe, die Schulden auf einen Schlag zurückzuzahlen. Weil es ihm bei diesem Betrag aber „etwas mulmig“zumute war, setzte er einen Leihvertrag auf, den man unterzeichnete. Allerdings vereinbarte das Paar keinen Rückzahlungsplan. Er sei davon ausgegangen, dass man eine gemeinsame Zukunft habe und zusammen den Kredit zurückzahle, so der 26-Jährige.

Im Mai ging er zur Polizei, nicht allerdings um die 31-Jährige anzuzeigen, sondern weil ihm nach einem Gespräch, das seine Geliebte mit einem Mann geführt hatte, die Sorge überkam, dass sie von einem Kredithai bedroht werde. Dafür fand die Polizei in Böblingen keine Anhaltspunkte, wohl aber für den Verdacht, dass es sich bei der Kornwestheimerin um eine Betrügerin handeln könnte und dass der 26-Jährige das Opfer sei. Denn: Ein Steuerberater aus Ditzingen hatte Strafanzeige gegen eben diese junge Frau gestellt, bei der er Liebesdienste in Anspruch genommen und der er knapp 20 000 Euro überlassen hatte. Allerdings: Später wollte er davon nichts mehr wissen, weil er sich von Mitgliedern einer türkisch-kurdischen Rockergang bedroht fühlte. Die Frage, die beim Verfahren im Amtsgericht Ludwigsburg gestern im Raum stand: Muss die 31-Jährige ihre Einnahmen an diese Rockerbande abliefern und wird sie ihrerseits bedroht? Die Antwort blieb offen, weil die Kornwestheimerin keinerlei Andeutungen machte, an wen sie die hohen Geldbeträge, die sie von dem 26-Jährigen bekommen hat, weitergereicht hat. Wie sie sich überhaupt sehr verschlossen zeigte und am Morgen zunächst gar nicht zu der Verhandlung gekommen war. Die Polizei musste sie vorführen – samt gut einjährigem Kind, für das die 31-Jährige keine Betreuungsmöglichkeit hatte.

Das Gericht schloss sich mit dem Freispruch dem Antrag von Verteidigerin Margarete Haimayer an. Dem 26-Jährigen sei zu jeder Zeit klar gewesen, dass seine Freundin mittellos gewesen sei und es mit der Rückzahlung schwierig werden würde. Dass die 31-Jährige ihre Liebe nur vorgetäuscht und ihren Freund, so formulierte es der Staatsanwalt, „wie eine Kuh gemolken“ habe, dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Eine Täuschungsabsicht sei der Angeklagten nicht nachzuweisen, und damit auch kein Betrug.

Der 26-Jährige hat seine verflossene Liebe bisher noch nicht aufgefordert, Geld an ihn zurückzuzahlen. Er wisse ja, dass sie kein Geld und ein kleines Kind habe, sagte der Herrenberger, dem der Staatsanwalt eine „gewisse Naivität“ nachsagte. Es hatte auch am gestrigen Mittwoch den Eindruck, als trauere der 26-Jährige seiner Liebe hinterher – allem Geld zum Trotze.

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