Kornwestheim Literarische Experimente tief unter der Erde

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Nun ist der neue Thriller der Kornwestheimer Autorin Regine Bott erschienen, dessen Schauplätze in und um Stuttgart zu finden sind Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Es ist ein dramatisches Szenario: Mitten im Schönbuch führt eine Pharmafirma verbotene Experimente durch. Unterirdisch gelegen sind die geheimen Laboratorien und Anlagen, durch einen verstecken Eingang in Holzgerlingen gelangt man hinein. Das Unternehmen experimentiert am sogenannten Mandelkern im Gehirn des Menschen herum, von Experten Amygdala genannt, dem Teil des limbischen Systems, der unter anderem für Gefahrenanalyse und Fluchttrieb zuständig ist. Dieses Angstempfinden wollen die Forscher ausschalten – zu militärischen Zwecken.

Diese unerfreulichen Ereignisse finden zum Glück nicht wirklich statt. Die Geschichte um die menschenverachtenden Experimente ist die Grundlage für den neuen Roman der Autorin Regine Bott. „Kern der Angst“ heißt die Mischung aus Thriller und Heimatkrimi, erst vor wenigen Tagen im Gmeiner-Verlag erschienen.

Satirische Kurzgeschichte über einen Alien

Bott, 51 Jahre jung, lebt mit Mann, Sohn und Kater in Kornwestheim und arbeitet hauptberuflich als freie Lektorin. Die studierte Literaturwissenschaftlerin, Anglistin und Kunsthistorikerin begann erst spät, selbst Romane zu schreiben, erst vor wenigen Jahren fasste sie den Entschluss dazu.

Lange Zeit hatte sie in einer Firma für Medienauswertungen auf dem Salamander-Areal gearbeitet. Als diese insolvent wurde, tat sie sich mit früheren Kollegen zusammen, denen ein Arzt geraten hatte, belastende Erlebnisse niederzuschreiben. „Ich kam zwar ganz gut klar“, sagt Bott, „aber die Idee zu schreiben gefiel mir gut.“ Herauskam als erstes Werk, an dem sie mitgewirkt hat, eine satirische Kurzgeschichte über einen Alien, der in einer Firma auf der Erde landet.

Zwar kann Bott noch längst nicht von der Schriftstellerei leben – das schaffen ohnehin nur wenige Autoren, doch läuft es gut für sie. Im vergangenen Jahr verlegte Bastei-Lübbe ihren ersten Science-Fiction-Roman „The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung“. Das unter dem Pseudonym „Kris Brynn“ veröffentlichte E-Book schaffte es prompt, den deutschen Phantastikpreis „Seraph“ in der Kategorie „Bestes Debüt“ zu gewinnen, der im März auf der Leipziger Buchmesse vergeben wurde. „The Shelter“ wird nun – auch wegen dieses Erfolgs – noch als Printausgabe und Hörbuch erscheinen. 2019 veröffentlichte Bott zudem weitere Science-Fiction-Romane: die Reihe „Out of Balance“. Und nun steht auch „Kern der Angst“ in den Läden. Im Buchhaus Wittwer liege es auf einem Stapel neben Büchern von John Grisham und Tom Clancy, sagt Bott lächelnd. Ein bisschen stolz ist sie auf die prominente Thriller-Nachbarschaft für ihr Buch schon.

Die Region als Schauplatz

In „Kern der Angst“ geht es um die Soziologin Lioba Heller, die einen Job bei der Pharmafirma annehmen muss. Die Frau braucht dringend Geld. Nach und nach erfährt sie, wie übel die Machenschaften des Unternehmens wirklich sind. Schließlich will sie den gekidnappten Angstkranken helfen, die teils tödlichen Versuchen unterzogen werden. „Ein Wettrennen gegen die Zeit beginnt“, wirbt der Verlag in der Beschreibung des Buches. Neben dem Schönbuch geht es für die verschiedenen Protagonisten auch beispielsweise nach Stuttgart zum Mailänder Platz und in die Hochhausgruppe Romeo und Julia nach Rot.

Doch warum spielt es in der Region? Regine Bott ist heimatverbunden, in dritter Generation in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Die Gegend eigne sich gut für ihr Szenario, berichtet sie. Noch dazu sei es ein großer Vorteil für einen Thriller und Krimi, wenn die Autorin die Schauplätze vorher genau anschauen kann. „Das wirkt realistischer.“ Vor allem das Kloster Bebenhausen hat sie in den vergangenen Monaten mehrfach besucht. Auch dort spielen einige – sehr bedeutende – Szenen von „Kern der Angst“, verrät Regine Bott.

 
 

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