Kornwestheim Literarischer Ausflug zu den Sternen

Von
Regine Bott Foto: z

Kornwestheim - Regine Bott ist jemand, der mit wenigen Worten Sterne und Welten erschafft und auf ein paar Seiten ganze Universen. Das neue Werk der 50 Jahre alten Wahl-Kornwestheimerin und Science-Fiction-Autorin nennt sich „Out of Balance – Kollision“ und es ist nun als E-Book und Hörbuch im Bastei-Lübbe-Verlag erschienen. „Out of Balance“ malt eine dystopische Zukunft. Weil die Erde die Menschen nicht mehr ernähren kann, züchten mächtige Biotechnologie-Konzerne auf riesigen Raumstationen im Weltall genmodifizierten Weizen und andere Nahrungsmittel. Das Perfide: Nur den Reichen soll Zugang zu den dringend benötigten Nahrungsmitteln gewährt werden. „Meine Hauptfigur wird auf eine dieser Raumstationen versetzt und beginnt, das System in Frage zu stellen“, berichtet Regine Bott von dem Plot, der in der Folge in ihrem Roman seinen Lauf nehmen wird.

Oder besser: In der Romanserie. Denn „Out of Balance“ ist auf sechs Teile angelegt, jeden Monat wird im kommenden halben Jahr einer davon erscheinen. „Die Geschichte stellt ethische Fragen in den Vordergrund und bettet sie in das Science-Fiction-Thema ein“, erläutert die Autorin. Da sei sie stark von Star Trek beeinflusst, in Gene Roddenberrys Werk geht es oft um gesellschaftliche und moralische Fragen. In „Out of Balance“ gebe es zwar auch eine Raumschlacht.

„Aber Action muss von Charakteren und Handlung getragen werden“, ist Bott überzeugt, „als Selbstzweck ist sie langweilig.“ Interessanter Fakt am Rande: Die Bücher erscheinen unter Pseudonym. „Kris Brynn“ nennt sich Regine Bott auf dem Titel in Absprache mit ihrem Verlag. In der deutschen Phantastik-Szene ist es nicht unüblich, dass Autoren unter Pseudonymen veröffentlichen, die oft amerikanisch klingen. Die Verlage erhoffen sich von den wohlklingenden und thematisch passenden Namen gute Verkäufe. Ein weiteres Beispiel: Der bekannte Fantasy-Autor Bernd Perplies, der früher in Kornwestheim lebte, veröffentlicht unter dem Namen „Wes Andrews“ seine Frontiersmen-Reihe; ein wilder Sci-Fi-Western-Genremix ist das, gerne wird er mit Joss Whedons Serenity-Reihe verglichen.

Wohlklingendes Pseudonym und bekannter Verlag hin oder her: Leben kann Regine Bott noch nicht von der Schriftstellerei. Die studierte Literaturwissenschaftlerin, Anglistin und Kunsthistorikerin arbeitet hauptberuflich als freie Lektorin. Zudem ist sie in verschiedene Projekte involviert, etwa bei der „Get Shorties“-Lesebühne und den „mörderischen Schwestern“, einem Netzwerk zur Förderung von Frauen geschriebener, deutschsprachiger Kriminalliteratur. Bott steht auf mancher Bühne und liest, oft auch Kurzgeschichten.

Manchmal, da schreibt sie im Get-Shorties-Rahmen spontan und in Echtzeit auf Auftraggeberwunsch kurze Texte auf einer alten Schreibmaschine – diesen besonderen Service wird sie beispielsweise auch auf der Bundesgartenschau in Heilbronn im kommenden Jahr anbieten.

Dabei kam Bott, die selbst gerne Autoren wie Philip K. Dick, Margaret Atwood oder John Scalzi liest, erst spät so richtig zum Schreiben. „Tagebuch habe ich nie geführt“, berichtet die 50-Jährige schmunzelnd. Nach dem Studium hat sie lange Zeit in einer Firma für Medienauswertungen auf dem Salamander-Areal gearbeitet. Als diese insolvent ging, tat sie sich mit anderen früheren Kollegen zusammen, denen ein Arzt geraten hatte, psychisch belastende Erlebnisse schreibend zu verarbeiten. „Ich kam zwar ganz gut klar“, sagt Bott, „aber die Idee, zu schreiben, gefiel mir dennoch gut.“ Heraus kam als erstes Werk, an dem sie mitgewirkt hat, eine satirische Kurzgeschichte über einen Alien, der in einer Firma auf der Erde landet.

Natürlich wäre es toll, sagt Regine Bott, von Romanen leben zu können. Der Weg dahin ist allerdings weit, selbst für Autoren, die bei großen Verlagen veröffentlichen. Immerhin: „Out of Balance – Kollision“ ist nicht Botts einziger und erster Roman. Der Krimi „Kern der Angst“ erscheint beim Gemeinder-Verlag im März. Bereits erschienen ist, ebenfalls bei Bastei-Lübbe, „The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung.“ Diese Science-Fiction-Geschichte spielt im England der nahen Zukunft, wo Menschen, die von einer als unheilbar geltenden Krankheit betroffen sind, unter einer gewaltigen Glaskuppel leben müssen.

„The Shelter“ wurde von Bastei-Lübbe nun sogar für den Seraph 2019 eingereicht – der Literaturpreis für Phantastik wird jährlich auf der Leipziger Buchmesse in den Kategorien „Bester Roman“, „Bestes Debüt“ und „Bester Independent Titel“ verliehen. „Ich trete für das beste Debüt an“, sagt Bott. „Die Einreichung hat mich natürlich sehr gefreut“, ergänzt die Autorin, die sich generell über die „gute Unterstützung“ ihres Verlags sehr freut. „Ich hoffe, ich habe eine Chance.“ Eine erste Hürde hat sie nun jedenfalls überwunden: „The Shelter“ steht seit dieser Woche auf der sogenannten „Longlist“, ist also in den Kreis der nominierten Romane aufgenommen, die eine Fachjury aus Autoren, Lektoren und Journalisten weiter bewerten wird.

Artikel bewerten
5
loading
 
 

Sonderthemen