Kornwestheim Mauer touchiert: Gericht verhängt Fahrverbot

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Das Amtsgericht Ludwigsburg hat einen Kornwestheimer Rentner verurteilt. Foto: dpa/Arne Dedert

Kornwestheim - Obgleich er energisch bestritt, den Unfall verursacht zu haben, wurde ein 76-jähriger Kornwestheimer vom Ludwigsburger Amtsgericht wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verurteilt. Der Rentner darf fünf Monate lang kein Kraftfahrzeug mehr führen und muss eine saftige Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro, also 1800 Euro, berappen.

Der Angeklagte wollte vor Gericht zu dem Unfall vom 1. Juni dieses Jahres gegen 14 Uhr in der Hölderlinstraße keine Angaben machen. Sein Mandant, erklärte der Verteidiger, bestreite energisch, mit dem Auto die Grundstücksmauer touchiert zu haben. Beschädigungen am Auto, die die Polizei für kompatibel mit den Unfallspuren an der Mauer hielt, seien zum Tatzeitpunkt bereits sechs Monate alt gewesen, erläuterte der Rechtsanwalt. Diese Altschäden habe der Rentner damals in seiner Tiefgarage selber verursacht und bis heute nicht reparieren lassen. Einen platten Reifen, wie ihn Zeugen gesehen hatten, habe es an dem Wagen des 76-Jährigen nicht gegeben.

Zu den Zeugen gehörte ein 39-jähriger Ingenieur, der den Krach vernommen hatte, als er mit seinem Auto nach Hause kam und einparkte. Als „eine Art Kratzen“, beschrieb der Nachbar das Geräusch als Zeuge vor Gericht. Just in dem Moment sei einer in einem beschädigten Auto vorbeigefahren, nur so etwa zehn bis 15 Stundenkilometer schnell. Das Fahrzeug habe vorne rechts einen Platten gehabt und sei drumherum ziemlich demoliert gewesen. Die vier Buchstaben des Kennzeichens konnte sich dieser Zeuge merken. Ein zweiter Nachbar, der mit weiteren Nachbarn auf die Straße kam, wusste die zwei Ziffern dazu.

Ein 25-jähriger Polizist stellte nach dem Geschehen an besagter Grundstücksmauer schwarze Abriebspuren sicher. Auch einige Steine der Mauer hätten gewackelt, wusste er vor Gericht als Zeuge zu berichten. Das von den Nachbarn genannte Auto-Kennzeichen führte zur Wohn­anschrift des Beschuldigten, doch dort machte keiner auf. Auch das Auto konnte die Polizei erst einmal nicht finden. „Wir konnten 14 Tage lang keinen Kontakt zum Angeklagten herstellen“, schilderte der Polizeibeamte. Der Mann habe auch auf die Aufforderung, sich dringend zu melden, nicht reagiert. Also habe das Revier einfach eine Vorladung geschickt. Als der Rentner dann endlich bei der Polizei vorsprach, machte er von ­seinem Aussage­verweigerungsrecht Gebrauch und verwies auf seinen Rechts­anwalt.

Der Angeklagte war dem Polizisten nicht unbekannt, denn drei Monate vor dem Unfall in der Hölderlinstraße waren Polizei und Kornwestheimer Feuerwehr zur Wohnung des 76-Jährigen ausgerückt, weil ein Rauchmelder piepste und Nachbarn Alarm geschlagen hatten. Weil aufs Klingeln keiner öffnete, brach die Feuerwehr die Wohnungstüre schließlich auf. Der 76-Jährige war aber in seiner Wohnung, hatte wohl weder das Piepsen noch das Klingeln der Polizei gehört. Er kam den Beamten mit um den Hals hängenden Kopfhörern entgegen.

Was die Unfallflucht von der Grundstücksmauer betraf, so hatte die Staats­anwältin keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten. Der Verteidiger hingegen plädierte auf Freispruch. Richterin Wortelen-Falck war nach der Beweisaufnahme indes überzeugt davon, dass der Kornwestheimer den Schaden an der Grundstücksmauer in Höhe von über 1800 Euro verursacht habe. Dafür sprächen auch die Beweisfotos.

Als Indiz wertete die Richterin zudem, dass sich der Angeklagte nach dem Schreiben von der Kornwestheimer Polizei, in dem nicht vom Tatort die Rede gewesen sei, nicht erkundigt habe, wo überhaupt der Unfall passiert sei. Weil er das nicht getan habe, habe er sich quasi selber entlarvt, so die Richterin.

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