Kornwestheim „Megaschnelles“ Internet für die Betriebe

Von
Johannes Rager, Ursula Keck und Christian Schneider (von links) sind zum Baggerbiss für das neue Glasfasernetz zusammengekommen. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Adjektive in Pressemitteilungen lesen sich selten wie die Inhaltsbeschreibungen auf Kindermagazinen. In diesem Fall hat sich die Pressestelle der Stadtwerke Luwigsburg-Kornwestheim aber doch entschlossen, das Internet als „megaschnell“ zu beschreiben, das da in nicht allzu ferner Zukunft durch das Gewerbegebiet Kornwestheim-Nord sausen und die Firmen mit Daten beliefern soll – man ist eben selbst begeistert.

Bis etwa Ende Mai 2020 sollen die neuen Glasfaserkabel verlegt sein. Den Anfang machte nun ein symbolischer erster Baggerbiss an der Ecke Maybachstraße und Steinbeisstraße, mit dem die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck und die Stadtwerke-Geschäftsführer Christian Schneider und Johannes Rager den Startschuss für den Ausbau gaben.

Apropos Rager: Er ist noch neu, und bildet offiziell ab dem 1. Januar die Geschäftsführung mit Christian Schneider, der jahrelange Chef Bodo Skaletz verlässt die Werke hingegen.

Zurück zum „megaschnellen“ Internet: Die Glasfaserleitungen werden in die Gehwege verlegt, drei Kilometer Kabel sind es insgesamt. Wenn die sogenannten „Mikrorohrverbände“ in die sechs betroffenen Straßenzüge eingebettet sind, können die Hausanschlüsse direkt in die Firmengebäude weitergeführt werden. Und dann endlich freuen sich die Unternehmen über das gigabytefähige Netz.

Hört man sich unter Kornwestheimer Betrieben um, ist dieser Schritt auch absolut notwendig. Denn Kornwestheim ist in in Sachen Internet in Teilen noch immer eine Zweiklassengesellschaft. Über weite Gebiete gehört die Stadt in Sachen Internet zu den schnellsten Kommunen deutschlandweit.

Dank eines Modellprojektes der Telekom versorgen seit dem Jahr 2011 Glasfaserkabel bereits viele Kornwestheimer mit extra schnellem Netz. Satte 95 Prozent der Gebäude können auf ein Datenvolumen von mindestens 200 Mbit zurückgreifen, viele bewegen sich in Richtung 1000 Mbit. „Das ist eines der besten Ergebnisse bundesweit“, wertet Oliver Laible, Geschäftsführer der Broadband Academy, einem Beratungsunternehmen für schnelles Internet.

Allerdings gibt es immer noch weiße Flecken – vor allem in den Kornwestheimer Gewerbegebieten. Hier will die Stadt dringend nachbessern. Das Gewerbegebiet Nord wird als ein wichtiger Schritt gesehen. In anderen Arealen ist man noch nicht ganz so weit: Mithilfe der Broadband Academy prüft die Stadt derzeit, auf welche Weise und mit welchen Partnern – die Stadtwerke sind hierbei nur eine Option – auch andernorts schnelle Glasfaserleitungen verlegt werden können. Einiges dreht sich dabei um die „Wirtschaftlichkeitslücke“. Würden die Netzbetreiber den Ausbau komplett selbst finanzieren, müssten sie drauflegen, was Unternehmen in der Regel nicht wollen.

Darum sucht die Stadt nach Konzepten, will Gelder von Bund und Land beantragen und im Zweifel auch selbst aufstocken, um die weißen Flecken auf der Kornwestheimer Internet-Landkarte Stück für Stück zu beseitigen.

Für das Gewerbegebiet Nord ist die Finanzierung indes bereits ausgeknobelt. Die Stadtwerke lassen sich den Ausbau zunächst rund 400 000 Euro kosten, wie Christian Schneider betont. Ein Teil des Geldes kommt aber dann auch bald zurück, weil die Firmen, die das Glasfasernetz „buchen“, für ihre Hausanschlüsse selbst aufkommen, weitere Euro fließen in den nächsten Jahren über die Anschlussgebühren an die Stadtwerke.

„Wir haben ja bereits 30 Anfragen von Betrieben“, sagen Schneider und Rager. Und ergänzen: „Die Stadtwerke sind nicht mehr nur wie früher für die klassische Daseinsvorsorge zuständig. Wir werden mehr und mehr der Umsorger von Bürgern und Unternehmen, sozusagen Generalunternehmer für Energie und digitale Dienstleistungen.“

Artikel bewerten
2
loading
 
 

Sonderthemen