Kornwestheim Mehr Theater am ESG

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Burkhard Kosminski (links) und Christoph Mühlthaler unterzeichnen. Foto: Jacqueline Fritsch

Kornwestheim - Der Vertrag ist unterschrieben: Das Ernst-Sigle-Gymnasium kooperiert nun offiziell mit dem Schauspiel Stuttgart. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler mindestens fünf Theatervorstellungen pro Schuljahr besuchen dürfen. Welche Klasse hingeht und zu welchem Stück, darf die Schule frei wählen. Außerdem gibt es zu jedem Theaterbesuch ein Zusatzangebot wie Vor- und Nachgespräche, Workshops oder eine Theaterrallye. „Eine Kooperation mit dem Theater ist für viele eine abstrakte Sache“, sagt Tobias Rapp, Leiter der Theatervermittlung. Deshalb bietet das Schauspiel seit der laufenden Spielzeit diese neue Form der Kooperation an, bei der klar ist, was die Schule davon hat. „Es soll ein niederschwelliger Einstieg in die Kooperation sein“, sagt Rapp.

Das Schauspiel Stuttgart arbeitet schon lange mit Schulen zusammen. Etwa acht bis zehn Bildungseinrichtungen gehören bereits zur „Theaterfamilie“. Das heißt, sie arbeiten schon lange und eng mit dem Schauspiel zusammen. Das langfristige Ziel des neuen Partnerschulprogramms ist, diese Familie zu vergrößern. Der erste Schritt dafür scheint gemacht zu sein: Gleich 30 Schulen haben bereits Interesse gezeigt. „Wir gehen davon aus, dass wir mit 50 bis 60 Schulen aus dieser Spielzeit rausgehen“, sagt Rapp. Eine davon ist das Ernst-Sigle-Gymnasium. „Wir haben ja viele Wirtschaftspartner, die den Schülern Kontakte anbieten oder bei Bewerbungen helfen, aber wir wussten nicht, wie so eine Kooperation mit dem Theater funktioniert“, sagt Schulleiter Christoph Mühlthaler.

Das Wichtigste an einer solchen Zusammenarbeit ist der Kontakt, erklärt Tobias Rapp. „Theater ist eine Beziehungs- und Begegnungskunst“, sagt er. Auch Lehrkräfte sollen profitieren, indem sie zu Hauptproben kommen und so vorab einschätzen können, ob sie das Stück mit ihrer Klasse besuchen wollen. Exklusiv für das Ernst-Sigle-Gymnasium bietet der Intendant des Schauspiels Burkhard Kosminski an, einmal selbst im Unterricht vorbeizukommen und seine Unternehmensstruktur zu erklären – Theaterkooperation funktioniert also auch im Wirtschaftsunterricht.

Christoph Mühlthaler muss zugeben, dass es für ihn und viele Kollegen nicht ganz einfach ist, mit einer Klasse ins Theater zu gehen. „Man fühlt sich ja für jeden einzelnen verantwortlich“, sagt er. Da sei es unangenehm, wenn die Kinder dem zahlenden Publikum möglicherweise den Abend kaputtmachen. Intendant Kosminski kann ihn beruhigen: „In der Regel läuft das immer gut“, sagt er. Der Theatersaal selbst würde vieles regeln und wenn es immer noch Störenfriede gebe, könnten zur Not auch die Schauspieler ermahnen. Dass das Theaterstück den Schülern nicht gefalle, komme ebenfalls selten vor. „Dafür machen wir in den Klassen eine Vor- und Nachbereitung“, sagt Tobias Rapp.

Und was hat das Schauspiel von der Kooperation? Das Theater will Rückmeldungen von jungen Menschen. Zum Beispiel gibt es sogenannte Probenklassen, die den Entstehungsprozess eines Stücks verfolgen und immer wieder Feedback geben, welcher Inhalt bereits gut transportiert wird und welches Fachwissen man noch einbauen könnte. „Sie sind Experten ihrer Generation“, sagt Tobias Rapp.

Außerdem möchte das Schauspiel das Thema Kultur an Schulen fördern. Am Ernst-Sigle-Gymnasium soll die Kooperation zum Beispiel helfen, eine Theater-AG aufzubauen, die es derzeit nicht gibt. „Oft haben Kinder in der Schule den ersten Kontakt zum Theater“, sagt Christoph Mühlthaler. Und diese erste Erfahrung soll möglichst gut sein. „Mit dem falschen Auftreten kann man die Schüler auch nachhaltig abschrecken“, sagt Burkhard Kosminski und hofft, dass das mit der Kooperation verhindert werden kann.

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