Kornwestheim Ministerin besucht Logistiker

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Eine aufmerksame Zuhörerin bei ihrem Besuch in Kornwestheim: CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, hier im Gespräch mit Timo Conrad. Foto: Horst Dömötör

Natürlich kommt das Gespräch immer wieder auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Russland-Ukraine-Krieges. Aber die Probleme der Branche sind eher grundsätzlicher Natur: die Schwierigkeiten, an Unternehmensflächen zu kommen und Nachwuchs zu generieren, der Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebsarten, das schlechte Image. Die Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hört in der zum Besprechungsraum umgebauten Lagerhalle den Vertretern des Verbandes Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL), Gastgeber und Era-Geschäftsführer Timo Conrad sowie Dachser-Manager Markus Maurer aufmerksam zu, macht sich Notizen und hat auch später noch Zeit für einen Rundgang durch den Betrieb und einen kurzen Mittagsimbiss. Ein Blick auf die wichtigsten Themen der Gesprächsrunde.

Die Flächen

Nein, willkommene Gesprächspartner sind die Logistiker in den Rathäusern des Landes in der Regel nicht – insbesondere dann nicht, wenn sie sich um ein zu verkaufendes Grundstück bewerben. Lieber veräußert man seine Flächen an Dienstleistungs- oder Industrieunternehmen. Und dabei, sagt Timo Conrad, verursache ein Logistiker nicht zwangsläufig mehr Verkehr. Im Großraum Stuttgart, erläutert Andrea Marongiu, Geschäftsführer des Verbandes Spedition und Logistik, gibt es praktisch keine Flächen mehr für die Speditionen und Logistikbetriebe. Und dabei explodiere die Nachfrage, denn immer mehr Betriebe würden wieder zu einer Vorratshaltung unterm Dach eines Logistikers übergehen. „Die Industrie rückt vom just in time ab.“

Die Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben, so die VSL-Vertreter, dürfte nie ohne Flächen für die Logistik gedacht werden. Ohne Unternehmen, die Produkte von A nach B transportierten, funktioniere die Wirtschaft nicht. Die Ministerin regt an, dass die Kommunen von der strikten Trennung Wohnen – Arbeiten abrücken, wo es möglich ist, und mehr Mischgebiete ausweisen. Und auch das Bauen in die Höhe müsse forciert werden.

Der Antrieb

Elektrobetriebene Lastwagen sind auf den Straßen nur selten zu sehen. Aber die Technik, erläutert Andrea Marongiu der Ministerin, sei gar nicht das große Problem. Das stellt eher die Infrastruktur und deren Finanzierung dar. Wer bezahlt die erforderlichen Schnellladesäulen? Wer kommt für die leistungsstarken Kabel auf, die teils über viele Kilometer bis in die Betriebe verlegt werden müssen? „Wir brauchen Unterstützung“, sagt Roland Rüdinger, VSL-Vizepräsident. Einig sind sich Logistiker und Ministerin, dass es künftig einen Mix aus unterschiedlichen Antriebsarten geben wird und dabei neben Diesel und Elektrizität auch Kraftstoffe zum Einsatz kommen, die aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Era-Geschäftsführer Timo Conrad: „Wir müssen schauen, für welchen Zweck welcher Antrieb der richtige ist.“

Der Nachwuchs

Die Betriebe tun sich außerordentlich schwer, Nachwuchs zu gewinnen. Das betont VSL-Präsident Karlhubert Dischinger. In Deutschland würden 50 000 Fahrer fehlen. Ein weiteres Problem: Ein Drittel der Fahrer sei älter 55 Jahre. Mittlerweile seien die Betriebe dazu übergegangen, im Ausland – insbesondere in Südamerika, Südostasien und in Nordafrika – Fahrer für einen Einsatz in Deutschland zu schulen. Aber nicht nur an Fahrern mangelt es den Betrieben. Auch für die Arbeit im Büro oder im Lager würden sich nur wenige Interessenten melden.

Das Image

Man tue viel für ein besseres Image der Branche, betont Roland Rüdinger. Neue Lkw seien für die Fahrer bestens ausgestattet, bei der Bezahlung gebe es Fortschritte. Unternehmen seien sogar dazu übergangen, Wohnraum für die Beschäftigten zu schaffen. Dafür, weiß Nicole Hoffmeister-Kraut zu berichten, gebe es sogar Zuschüsse vom Land. Aber noch sei es nicht überall angekommen, dass die Logistik ein entscheidender Bestandteil des Wirtschaftslebens sei, beklagen die Verbandsvertreter im Gespräch mit der Ministerin.

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