Kornwestheim Mit Abraham Stuppenlauch geht’s los

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Eine wahre Fleißarbeit vollbracht: Barbara Geib. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Manchmal, erzählt Barbara Geib, habe sie schon mit sich ringen müssen, bevor sie sich wieder an ihren Rechner gesetzt habe, um Name für Name – von A wie Abele bis Z wie Zwing – in den alten Kirchenbüchern zu entziffern und im Computer zu erfassen. Aber sie hat durchgehalten – 13 Jahre und knapp 22 000 Namen lang. Nun liegt das Ergebnis vor, die 61-Jährige strahlt und ist – zu Recht – mächtig stolz auf ihre Fleißarbeit. Im Kornwestheimer Ortsfamilienbuch, das gedruckt 1200 Seiten umfassen würde, weshalb es nur in digitaler Form vorliegt, sind nahezu alle Personen aufgelistet, die zwischen den Jahren 1570 und 1900 im Flecken gelebt haben. Ach, nicht nur das: Barbara Geib hat auch Verbindungen zwischen den Personen hergestellt, Besonderheiten hervorgehoben, die Geburts- und Sterbeorte erfasst, und, und, und.

Seit Jahren schon erforscht Barbara Geib die Kornwestheimer Geschichte. Das alte Dorf mit seinen vielen Fachwerkhäusern hat es ihr besonders angetan. Aber sie hat festgestellt: Ohne die Informationen aus den Kirchenbüchern, in denen Taufen, Trauungen und Todefälle akribisch verzeichnet sind, kommt sie in ihrer Arbeit häufig nicht weiter. So nahm Barbara Geib vor 13 Jahren Kontakt zum Oberkirchenrat in Stuttgart-Möhringen auf, wo die Kornwestheimer Kirchenbücher lagern. Sie erwarb für 160 Euro vier CDs mit Ablichtungen der einzelnen Seiten und unterschrieb einen Vertrag, dass sie das Material in drei Jahren zurückgibt.

Drei Jahre fürs Kornwestheimer Ortsfamilienbuch? Auch ohne Rechnerabsturz und Ellebogenbruch, die Barbara Geib zeitweise ausgebremst hatten, wäre das nicht zu schaffen gewesen. 13 Jahre sind’s geworden, aber der Oberkirchenrat, den Barbara Geib über die Fortschritte ihrer Arbeit stets auf dem Laufenden hielt, zeigte sich geduldig, weil er offensichtlich das Gefühl hatte, dass die Kirchenbücher bei Barbara Geib in guten Händen sind.

Das älteste Kornwestheimer Kirchenbuch stammt aus dem Jahr 1570, und der älteste Eintrag gilt Abraham Stuppenlauch, der um 1565 eine Frau mit dem Namen Magdalena – der Geburtsname ist nicht bekannt – geheiratet hat. 1570 kamen die Zwillinge Matthäus und Maria zur Welt, rund zehn Jahre später folgte noch eine Tochter namens Catharina. Während über die Zwillinge nichts weiter bekannt ist, heiratete Catharina 1613 in Leonberg Conrad Kopp. Da aus dieser Ehe keine Kinder hervorgingen, fällt der Stammbaum der Stuppenlauchs recht bescheiden aus. Was man von dem von Hans Minner nicht behaupten kann. Sein Stammbuch würde – in lesbarer Schrift ausgedruckt – 87 Meter in der Breite messen. Minner, der wohl drei Höfe in Kornwestheim besaß, gehört für Barbara Geib zu den Urvätern Kornwestheims. Und zu denen zählt sie neben anderen auch die Herren Scheffer, Eigentümer des Schafhofes, Stahel, Teusch und Jaiser.

Das Lesen alter Dokumente beherrscht Barbara Geib – Übung macht die Meisterin – mittlerweile gut. Aber die Schriften so mancher Pfarrer, die die Kirchenbücher führten, zu entziffern, das bereitete mitunter doch Probleme. Wenn sie gar nicht mehr weiterwusste, dann konnte sie sich auf die Hilfe anderer Familienforscher verlassen, die allesamt gut vernetzt sind.

Mit dem Jahr 1900 endet das Ortsfamilienbuch Kornwestheim. Gleich zwei Gründe gibt’s dafür: Die Sperrfrist für Veröffentlichungen liegt bei 120 Jahre. Für Barbara Geib aber fast noch entscheidender. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts strömten immer mehr Menschen nach Kornwestheim. Um 1900 zählte das Dorf nur 3000 Seelen, 30 Jahre später war’s schon das Zehnfache. Und all diese Daten zu erfassen, das würde dann wirklich in anstrengender Arbeit ausarten und die Grenzen eines Hobbys sprengen.

Barbara Geib widmet sich nun der Erstellung eines Häuser- und Lagebuchs über das Alte Dorf. Grundlage dafür sind die Kornwestheimer Grundbücher, die die 61-Jährige durchforstet. Zu tun gibt’s also noch reichlich für die Heimatforscherin.

Was ist ihr eigentlich bei der Erfassung der 22 000 Namen und knapp 7000 Familien in Erinnerung geblieben? „Ergriffen hat mich die Zeit, in der die Pest wütete“, erzählt Geib. Unzählige Namen von Verstorbenen finden sich auf den eng beschriebenen Seiten (Foto links). Entsetzt war sie auch über den Fall eines Metzgers, der sich laut Eintrag des Pfarrers selbst die Gurgel durchgeschnitten hat. Manch einen prominenten Namen hat Barbara Geib auch entdeckt: So lebte wohl ein Vorfahre der Familie von Thurn und Taxis in Kornwestheim. Zur Einwohnerschaft gehörte auch eine Tochter des Arztes und Schriftstellers Justinus Kerner.

Und was hat Barbara Geib geborene Eisele über ihre eigenen Vorfahren herausgefunden? Die 61-Jährige freut sich fast diebisch: Der Familienstammbaum reicht zurück bis zum Bauernmillionär Jerg Minner.

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