Kornwestheim Mit den Kindern mindestens dreimal am Tag lachen

Von
Dr. Jan-Uwe Rogge Foto: Melanie Bürkle

Kornwestheim - Ob sich die Mütter den Abend so vorgestellt hatten? Da haben sie sich von ihren pubertierenden, schlecht gelaunten Wesen zu Hause eine Auszeit genommen, und dann das: Jan-Uwe Rogge, promovierter Verhaltenswissenschaftler, provozierte seine – überwiegend weiblichen – Zuhörer mit Sätzen wie: „Wenn ich mir die Eltern so anschaue, möchte ich hier Kind sein? Nein!“ oder „Ihr seht echt fertig und kaputt aus, und Pubertierende finden Eltern doof, die zu Erziehungsvorträgen gehen.“ Das saß. Und die herzhaften Lacher waren Rogge, der auf Einladung des Gesamtelternbeirats im K referierte, sicher.

Mit viel Humor würzte der Wissenschaftler seinen Vortrag am Montagabend. Er verglich das Kinderzimmer der Pubertierenden mit einer Hummerhöhle, erklärte, dass das Nettigkeitspunkte-Sammeln fürs Paradies den Eltern nichts bringt und stellte klar: „Erziehung hat mit Lachen zu tun.“ Dreimal am Tag solle man mit seinem Kind lachen, das habe schon der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) gesagt.

Kein Wunder, dass das Lachen bei Jan-Uwe Rogge also an oberster Stelle stand. Wer einen Power-Point-Vortrag vom „Erziehungspapst“, wie der Autor aus dem niedersächsischen Stade auch gerne genannt wird, erwartet hatte, wurde enttäuscht. Rogge präsentierte stattdessen ein gelungenes Erziehungskabarett, eine pädagogische Unterhaltungsshow mit erhobenem Zeigefinger, die den Eltern Mut machen sollte, ihnen aber auch den Spiegel vorhielt. „Früher haben die Mütter in den Büschen mit Gerhard ,was weiß ich was’ getrieben, heute würde das Louisa mit Emil auch gerne machen, doch heute sitzt in jedem Busch eine Mutter.“

Der Erziehungsberater griff gerne auf bekannte Szenen und Beispiele aus der Kindheit zurück. Mal ironisch und mal provokant verdeutlichte er seine Grundthesen. Kinder sollen so angenommen werden wie sie sind, nicht wie man sie gerne hätte. Zudem sollten Eltern ihren Erziehungsvorsprung gekonnt einsetzen. Sie sollten Vorbild sein und vor allem Halt geben. „Kinder lieben Großeltern, weil sie gelebtes Leben und nicht gelabertes Leben sind“, sagte Rogge und riet den Gästen im K, auch wieder Mann und Frau zu sein und dies den Pubertierenden vorzuleben. Natürlich würde kein Kind das wohlheißen oder sich gar hierfür bedanken, doch es sei so.

Er berichtete äußerst amüsant aus seinem Alltag als Erziehungsberater, erzählte von Wischi-Waschi-Vätern und Fünf-Sterne-Superior-Müttern. Und er machte klar, dass man mit einem Pubertier nicht Freund sein kann und VHS-Seminare zur Erziehung nichts bringen. „Ihr habt euch selbstbewusste, eigenständige, autonome und diskussionsfreudige Kinder gewünscht. Da sind sie doch“, so der Familienberater trocken. Und wieder einmal konnten die Eltern herzhaft lachen.

Der Abend verging wie im Flug und manch Elternteil trat den Heimweg sicherlich mit Bauchschmerzen an – aber dieses Mal nicht wegen des Kindes, sondern vom ausgelassenen Lachen am Abend. Einen Ratschlag gab es noch abschließend vom Erziehungs-Guru: „Seien sie Leuchttürme am Eingang des Hafens und blinken, blinken, blinken. Seien sie für ihr Kind da.“

Artikel bewerten
2
loading
 
 

Sonderthemen