Kornwestheim Mit einer Eselsbrücke sicher über  die Straße gelangen

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Training für mehr Sicherheit im Verkehr im Martinisaal. Foto: Birgit Kiefer

Kornwestheim - Erst links, dann rechts, dann nochmal links schauen“, sagt Michael Seeger. Weiß ja jedes Kind, wie’s richtig geht, wenn eine Straße zu überqueren ist. Oder? Die Kinder vom Kindergarten Otterweg kennen die Regel auch schon, aber wo ist denn inks und wo rechts? Der Fahrlehrer, der den Kleinen im Martinisaal zeigen will, wie sie sicher über die Straße kommen, lässt die Kinder ihre Hände hochheben und mit dem Zeigefinger und dem Daumen einen Winkel anzeigen. „Wo ist das L?“, fragt er und ergänzt: „Da ist dann auch Links. Kleine Eselsbrücke für euch“. Und trotzdem: Beim simulierten Straßenqueren schlenkern die die Köpfe rechts, links, rechts, links, rechts. Aber aller Anfang ist eben schwer.

Seeger setzt auf viele Wiederholungen, bis sich der Ablauf eingeprägt hat, und auf Adacus. Das ist ein Vogel, den der Verkehrsclub ADAC für sein Verkehrssicherheitsprogramm für Kinder ab dem Kindergartenalter bis zur ersten Klasse entworfen hat. Adacus ist eine Handpuppe mit glänzend blauen Feder, der gerne mal darüber plappert, wie man sich im Straßenverkehr verhält – und der Vogel singt gerne. Zum Beispiel „Bei Rot bleib ich steh’n, bei Grün kann ich geh’n, ich schau dem Fahrer ins Gesicht, bleibt der auch wirklich steh’n?“

„Das habe ich in dieser Woche so oft mit Kindern gesungen, das werde ich die nächsten Tage nicht mehr aus dem Kopf bekommen“, fürchtet Michael Seeger, nachdem die 50 Minuten für den Otterweg rum sind. 16 Kindergartengruppen hat der Mann aus Bad Mergentheim, der eigentlich Fahrlehrer ist, von Dienstag an im Martinisaal hintereinander durchgeschleust. Ein Mammutprogramm, das der Gesamtelternbeirat Kindergärten, Kindertagesstätten und Horte einmal jährlich auf die Beine stellt. Immer dabei: Michael Seeger. Dem 39-Jährigen ist das Sicherheitstraining sichtlich ein Herzensanliegen. Er ist selbst Vater von zwei Kindern, zwölf und sieben Jahre alt.

„Das Schwierigste ist immer das mit dem Links-rechts-links“, fasst er die Problematik zusammen. Manche der Kinder waren schon im vergangenen Jahr bei ihm und Adacus, und trotzdem muss immer wieder geübt werden, wie sich die Kinder richtig verhalten. Zum Beispiel, dass sie nicht schon mit einem Fuß auf dem Zebrastreifen stehen – ein Auto könnte darüber fahren oder das Kind mit dem Seitenspiegel erwischen. Ein Junge kann nicht an sich halten und erzählt auch gleich plastisch, wie er es schon mal erlebt habe, dass ein Auto einem Mann ans Bein gefahren „und den dann mitgenommen“ habe. Spielerisch soll hier mit Adacus dafür gesorgt werden, dass das keinem der Kornwestheimer Kinder passiert.

Jedes bekommt eine Weste umgehängt, auf dem entweder ein Schulkind mit Ranzen, ein Krankenwagen oder ein Motorrad abgebildet ist – schon hat jedes Kind seine Rolle. Die motorisierten Fahrzeuge brettern immer im Kreis über einen Zebrastreifenteppich, die Fußgänger stehen davor und strecken irgendwann die Hand raus zum Zeichen, dass sie quere n wollen. Aber Autos und Co sind so in ihrem Element, dass sie gar kein Auge dafür haben, was am „Straßenrand“ geschieht. Und dann wird eine Vollbremsung eingeleitet und das Auto fährt auf das Motorrad auf. Immerhin: Sie stehen und nach einem Check, ob wirklich alles sicher ist, gehen die Kinder über den Zebrastreifen.

Manche der Kindergartengruppen haben schon den Weg zu Fuß in den Martinisaal zum Üben genutzt. Zurück geht es mit noch mehr Wissen um die Verkehrssicherheit und mit einem Lied auf den Lippen: „Bei Rot bleib ich steh’n, bei Grün kann ich geh’n“. Ein kleines Schlitzohr dichtet die Strophe abe rnatürlich sofort um, „Bei Grün bleib ich steh’n . . .“ Aber verinnerlicht ist doch die richtige Reihenfolge.

 
 

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