Kornwestheim Mit Friedenscamps den Vogelhof retten?

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Der Verkauf des Vogelhofs soll bald realisiert werden. Foto: Susanne Mathes

Kornwestheim - Dass die Interessenten bei ihm Schlange stehen würden, davon war Erwin Holzbaur, der Vorsitzende des Schullandheimvereins, von Beginn an nicht ausgegangen. „Ruhe und Geduld sind angesagt“, sagt der Kornwestheimer. Mehrere Gruppierungen haben sich das Anwesen – drei Gebäude auf einem 2,5 Hektar großen Gelände im Biosphärengebiet, Kaufpreis rund 750 000 Euro – in den vergangenen Monaten angeschaut, erst jüngst hat ein Ehepaar aus Ehingen Interesse am Vogelhof bekundet. Holzbaur ist guter Dinge, dass das Schullandheim auf der Schwäbischen Alb, das in der Vergangenheit viele Kinder aus Kornwestheim besucht haben, das in den vergangenen Jahren von den Schulen aber kaum noch gebucht worden ist, in absehbarer Zeit verkauft werden kann – so wie es der Vorstand des Trägervereins auch beschlossen hat. Vom Verein für indianische Lebensweise wollen sich die Kornwestheimer dabei keinen Strich durch die Rechnung machen lassen.

Der war im vergangenen Jahr, wie es der Vorsitzende Stephan Bergmann jetzt öffentlich gemacht hat, an Erwin Holzbaur herangetreten und hatte eine Liste mit 30 Personen – Erwachsene und Kinder – vorgelegt, die sich alle willens gezeigt haben sollen, Mitglied im Schullandheimverein zu werden. Man wolle, so schrieb Bergmann an Holzbaur, „den Verein wiederbeleben und fortführen“. Mehrfach hatte der Verein für indianische Lebensweise in den vergangenen Jahren den Vogelhof angemietet – übrigens nicht immer zur Freude eines Nachbarn, der über das morgendliche Trommeln wenig erfreut war und deshalb auch das Ehinger Ordnungsamt eingeschaltet hatte.

Wiederbelebung nicht erwünscht

Abgesehen davon, dass laut Satzung Personen, die Mitglied im Schullandheim werden wollen, sich direkt an den Vorstand wenden müssen, so zeigten die Kornwestheimer auch kein Interesse daran „wiederbelebt“ zu werden. Nicht ohne Grund habe sich der Verein dazu durchgerungen sich aufzulösen, so Holzbaur. Nur mithilfe eines Betriebsmittelzuschusses der Stadt Kornwestheim sei das Überleben überhaupt möglich gewesen. „Der Zeitgeist hat sich gewandelt“, sagt Holzbaur über die Probleme, den Vogelhof zu belegen. Das „Übernahmeangebot“ des indianischen Vereins aus Gaildorf habe er auch juristisch prüfen lassen, sagt Holzbaur. Der Vorstand sieht sich danach auf der sicheren Seite, keine neuen Mitglieder mehr aufzunehmen und den eingeschlagenen Weg – den Verkauf des Vogelhofs und die Auflösung des Vereins – fortzusetzen. Das verbleibende Vermögen fällt an die Stadt Kornwestheim, die den Verein schon beim Kauf des Schullandheims vor 64 Jahren und auch danach immer wieder finanziell unterstützt hat. Sie muss das Geld zweckgebunden für die Jugendförderung in Kornwestheim ausgeben.

An die Möglichkeit, selbst das Anwesen zu kaufen, habe man natürlich auch schon gedacht, sagt Stephan Bergmann vom Verein für indianische Lebensweise im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber: Es mangelt am Geld. Er ist davon überzeugt, dass sich der Vogelhof wirtschaftlich trägt – auch ohne finanzielle Unterstützung der Stadt. Dem Vorstand des Schullandheims wirft Bergmann vor, keine Visionen und kein Zukunftskonzept entwickelt und den Vogelhof nicht zeitgemäß vermarktet zu haben. Bergmann geht davon aus, dass der Schullandheimverein unter indianischer Führung ohne den Zuschuss der Stadt auskommt. Die Bildungscamps seines Vereins seien ein „Riesenerfolgskonzept“. Die indianische Sicht auf Klima, Natur und Erde stoße auf großes Interesse. Der Friedensbaum, den der Verein bei einer seiner Veranstaltungen im Vogelhof gepflanzt habe, sei zu einem „kleinen Pilgerort“ geworden. Immer wieder würden Menschen „den Baum besuchen, um Friedensimpulse aufzunehmen“. Bergmann: „Wir sind sicher, dass wir den Vogelhof zu einer ganzjährigen, zumindest annähernden Vollbelegung führen können.“

Erholung muss vorrangig sein

Holzbaur ist indes überzeugt davon, dass die Stadt Ehingen bei einer anderen Nutzung als der eines Schullandheims nicht mitspielen würde. Das hat die Kommune auch in einem Merkblatt festgehalten, das sie eigens für die Interessenten erstellt hat. Für „die Erholung wesentlich störende Nutzungen (zum Beispiel Veranstaltungsräume)“ könne sie keine Genehmigungen in Aussicht stellen, heißt es dort. Deshalb will Holzbaur, der viel Herzblut in die Arbeit gesteckt hat, seine Bemühungen auch fortsetzen, einen Käufer für den Vogelhof zu finden. Ist es für den 80-Jährigen denn keine Alternative, den „Indianern“ das Feld zu überlassen und sich aus der Vereinsarbeit zurückzuziehen? „Das glauben Sie ja selbst nicht, dass der alte Holzbaur sich so vom Acker macht.“ Das sei er auch der Stadt Kornwestheim schuldig, die sich stets fürs Schullandheim eingesetzt habe.

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