Kornwestheim Mit offenen Augen durch die Stadt

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Helena Möndel vor einem ihrer Werke. Foto: Peter Mann

Kornwestheim - Zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2020 konnte die Ausstellungseröffnung der Kornwestheimer Künstlerin Helena Möndel wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden. An einem Freitag war alles vorbereitet worden – und am Samstag blieben die Türen der Musikschule geschlossen. Mit blitzenden Augen und einem kleinen Lächeln sagte die Künstlerin am Wochenende, sie sei nun sehr froh ihre Werke in dieser Vernissage präsentieren zu können, habe sie doch nicht wissen können, ob sie diesen Tag noch erleben werde.

Die 1930 in Buchen im Odenwald geborene Künstlerin kam über Umwege nach Kornwestheim. Mit 19 trat sie eine Stelle als Haushälterin in Stuttgart an, arbeitete später bei Salamander und heiratete. Helena Möndel hat zwei Töchter, vier Enkel und fünf Urenkelinnen und Urenkel. 1981 entdeckte sie die Malerei und belegte Seminare und Weiterbildungen. Ihre Bilder wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und ihre Arbeiten befinden sich sowohl in Privat- als auch in öffentlichem Besitz. In der Ausstellung im Haus der Musik zu sehen sind ihre Natur­abbildungen, umgesetzt in Aquarell, Acrylgemälden und Radierungen. Helena Möndel versprüht viel Energie, die man auch in ihren Werken wiederfindet. Ihre Inspiration bekommt sie daher, dass sie nicht nur das klar Ersichtliche wahrnimmt. Mit offenen Augen geht sie durch Kornwestheim: Radierungen vom Rathaus, der Galerie und vom Bahnhof, Arbeiten, die im Jahr 1994 entstanden, beeindrucken durch filigrane Linien, ohne grafisch zu wirken. Auch die Baustelle des Kornwestheimer Bahnhofs in den Jahren 1989 und 1990 wurde in Gemälden und einem effektvollen und sehr plastischem Materialbild eingefangen. Im Jahr 2002 entstanden ihre Acrylbilder auf Sandgrund, in denen sie die Auswirkungen des Sturms Lothar festhielt. Eines der Gemälde zeigt eindringlich die trostlose Schneise abgebrochener Bäume und fast zerbrechlich zart im Hintergrund einen Strommast.

Von ihren Malreisen nach Santorin brachte Möndel Sand mit, den sie in einigen ihrer Bilder einarbeitete. Auch in die Toskana reiste sie und setzte bei der Gestaltung ihrer Werke Naturmaterialien ein. Natur und der Erhalt der Natur sind ihr sehr wichtig und das schlägt sich auch in ihren Werken nieder. Faszinierend ist auch ihr Gemälde „Schilf“, das im Jahr 1999 entstanden ist. Auch hier nutzte sie einen Sandgrund, der dem Bild eine einzigartige Struktur gibt. Beim Betrachten meint man zu sehen, wie sich die schlanken Schilfhalme im Wind wogen, soviel Bewegung hat die Künstlerin in ihrem Gemälde eingefangen.

Die Ausstellung mit Werken von Helga Möndel ist zu den Öffnungszeiten der Musikschule zu sehen. Aufgrund der Pandemie müssen sich Besucher vor Ort zuerst bei der Verwaltung der Musikschule anmelden.

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