Kornwestheim Mücken haben jetzt ein echtes Problem

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Blochin Cuius mit Bestandteilen der Klatsche Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Es ist eine klare Kampfansage: „Mücken, ihr habt ein Problem“, steht in dicken Lettern – und zwar versal – im Titelbild der neuen Internetseite von Blochin Cuius. Gleich darunter wird präzisiert, worin dieses Problem genau besteht: In „Mosquilla“, der elektrischen Fliegenklatsche, die, man höre und staune, „immer trifft“. Und ja, man spricht das ungefähr „Mos-Killer“ aus, ein gewisser Faktor an wortgewordener Blutrünstigkeit mag da durchaus beabsichtigt sein.

Der 44 Jahre alte Kornwestheimer Cuius kleckert ganz offenbar nicht, er klotzt. Oder besser gesagt: Er klatscht. Mit Mosquilla hat Cuius nicht weniger vor, als den Markt für Kampfmittel gegen Fluginsekten ordentlich aufzumischen. In den vergangenen Monaten hat er die elektrische Fliegenklatsche entwickelt, nun will es sie auf den Markt bringen, Entomologen, Physiker und befreundete Designer helfen ihm dabei.

Das Gerät ähnelt einem Nintendo-Tennisschläger, wie er bei Videospielen für Konsolen wie die Wii oder Switch zum Einsatz kommt. Es lässt sich per USB-Port aufladen, die Mücken-Tötungsfläche ist extra groß, ein LED-Licht hilft beim Anvisieren der Ziele. Schon so kommt das Teil ergo mit einer Ausstattung und Effizienz daher, über die sich auch die Soldaten in Robert A. Heinleins klassischem Science-Fiction-Roman „Starship Troopers“ gefreut hätten (die dort unter anderem gegen allerlei Alien-Ungeziefer antreten müssen). Was Mosquilla aber erst so richtig besonders mache, so erklärt Cuius, das sei die aerodynamische Form. Sie reduziere die Luftströmung. „Die Mücke spürt nicht, was auf sie zukommt. Und dann ist es zu spät.“

Nun muss man über Blochin Cuius wissen: Er ist eigentlich alles andere als ein hauptberuflicher Fliegenklatschen-Produzent. Bekannt ist der Betriebswirtschaftler für seine Firma „Mvmant“ (sprich: Movement, also zu deutsch „Bewegung“). Mvmant ist ein Unternehmen für Softwareentwicklung im Bereich Verkehr und Mobilität und bastelt zum Beispiel Handy-Apps, um Rufbusse zu Pendlern zu lotsen und effiziente Routen in urbanen Gebieten zu berechnen.

Dass Blochin Cuius nun außerdem Hightech-Fliegenklatschen entwickelt, hat zwei Gründe. Der erste: Weil Leben und Geschäfte in Corona-Zeiten auch bei ihm etwas langsamer laufen, hatte er endlich einmal Zeit, sich mit dem Projekt Mosquilla zu beschäftigen.

Der zweite: gleich mehrfache persönliche Betroffenheit. Cuius selbst stammt aus Sizilien, er hat ein „sehr sensibles Gehör“, wie er berichtet. Wenn er im süditalienischen Sommer in der alten Heimat war, dann verbrachte er so manche Nacht persönlich mit der Jagd nach nervigen Summse-Mücken, die ihm den Schlaf raubten. Vor allem aber kennt er sich in Zentralafrika aus. Seine Frau, weitere Verwandte und Freunde stammen aus Nigeria, einem Land, in dem Moskitos oft gefährliche Krankheiten wie Malaria übertragen und Medikamente ein teures Gut sind. „Mit guten Fliegenklatschen können sich Menschen schützen“, sagt Cuius. Dabei wolle er helfen. Nicht nur, indem er die Technik von Fliegenklatschen verbessere – er will auch zunächst für je vier verkaufte Mosquillas eine nach Nigeria oder Kenia spenden, außerdem Moskitonetze für Menschen dort zur Verfügung stellen.

Apropos Einnahmen: Mit einem Crowd-Funding, also einer Vorbesteller-Aktion im Internet, will Cuius die ersten Chargen der Elektro-Fliegenklatsche vorfinanzieren, produzieren und dann ausliefern lassen.

Und dann ist da noch die Sache mit den Taschentüchern. „Tempo“, sagt Cuius, „ist ja quasi ein Synonym für sämtliche Taschentücher geworden.“ So etwas gebe es für viele Ge- und Verbrauchsgegenstände, eine bestimmte Firma prägt das Bild einer Sache so sehr, dass ihr Markenname gleichsam stellvertretend für alle ähnlichen Produkte wird.

Die Beispiele sind zahlreich: Tempo gleich Taschentuch, Uhu gleich Klebstoff, Pampers gleich Windeln – und so fort. „So etwas gibt es für Fliegenklatschen noch nicht“, sagt Cuius. Das seien oft No-Name-Produkte, man verbinde meist keine Marke oder Firma damit, ergänzt der Unternehmer.

Auch hier will Blochin Cuius ergo ansetzen, zu dessen Stärken fraglos das Marketing gehört: Mosquilla soll als Eigenname bekannt werden, ein Qualitätssiegel sein. Und dabei auch irgendwie cool rüberkommen – die Fliegenklatsche als Lifestyle-Produkt. Gerade hat der Unternehmer ein hippes Hip-Hop-Video als Werbemaßnahme für die Klatsche produzieren lassen, Social-Media-Auftritte sind in Arbeit. „Auch eine Tik-Tok-Challenge könnte ich mit vorstellen“, sagt Cuius und meint damit einen Video-Wettbewerb in dem sozialen Netzwerk, das vor allem bei Jüngeren beliebt ist. „Kreatives Marketing eben.“ Am Ende wird es natürlich auch darauf ankommen, ob Mosqilla hält, was es verspricht und die Mücken zuverlässig killt. Blochin Cuius ist jedenfalls davon überzeugt. „Von nun an wissen lästige Insekten, wer das Sagen hat“, steht auf seiner Homepage.

Wobei dieser Satz natürlich etwas irreführend ist. Denn wenn Mosqilla jede Mücke wirklich ohne Ausnahme erledigt, dürfte sich das große Gefahrenpotenzial der aerodynamischen Elektro-Klatsche ja schließlich gar nicht erst unter den fiesen Biestern weiter verbreiten.

Man könnte auf der Internetseite also noch hinzufügen: Zerquetschte Mücken petzen nicht.

Weitere Infos: www.mosquilla.de

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