Kornwestheim Nach Schweiz-Aufenthalt: OB Ursula Keck in Quarantäne

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Kornwestheim - Entweder oder – das haben auch Oberbürgermeisterin Ursula Keck und ihr Stellvertreter, der Erste Bürgermeister Daniel Güthler, für die kommenden Wochen vereinbart. Entweder weilt die OB im Rathaus und Güthler arbeitet von daheim, oder aber er hält in der Verwaltungszentrale die Stellung und sie macht Homeoffice. Indem sie sich aus dem Wege gehen, wollen sie vermeiden, dass sie sich anstecken. Wöchentlich sollte gewechselt werden. Doch nun darf Güthler zwei Wochen im Rathaus arbeiten. Der Grund: Oberbürgermeisterin Ursula Keck muss nach einem Schweiz-Aufenthalt in häuslicher Quarantäne bleiben. Sie hat sich aber wohl nicht mit dem Coronavirus angesteckt.

Am Samstag, 14. März, hatte Keck die Urlaubsreise ins Nachbarland angetreten. Am Abend zuvor hatte das Bundesgesundheitsministerium per Twitter empfohlen, dass sich Reisende aus Italien, Österreich und der Schweiz freiwillig für zwei Wochen in Quarantäne begeben sollten. Darüber informierten die Medien in der Breite aber erst am Samstag.

Die OB begab sich noch in der Ferienwohnung in der Schweiz in die freiwillige Quarantäne und vor den Rechner. Sie informierte das Personalamt und nahm am Montag, 16. März, die Arbeit wieder auf – in der Schweiz, quasi im Holidayoffice. „Ich war an allen Entscheidungen beteiligt, habe zur Krisenbewältigung wichtige Impulse gegeben und habe mit dem Krisenstab alle notwendigen Entscheidungen getroffen“, schreibt Keck in einer Stellungnahme. Und dazu gehörte es, eine gemeinsame Kommunikations- und Entscheidungsplattform zu schaffen, Bücherei und Museen entgegen ersten Überlegungen doch zu schließen und zum Beispiel die Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr sicherzustellen. „Ich kann unterstreichen, dass die Stadt Kornwestheim zu jeder Zeit handlungs- und entscheidungsfähig war.“ Durch eine „intakte Führungsstruktur, eine rechtzeitige Vorbereitung der absehbaren Maßnahmen, eine gute Kommunikation und enge Kooperation“ sei der Notfallplan der Stadt konsequent umgesetzt worden.

Mittlerweile ist die Oberbürgermeisterin wieder nach Kornwestheim zurückgekehrt. Hier ist sie auf Anraten des Kreisgesundheitsamtes eine weitere Woche in Quarantäne und arbeitet im Homeoffice. Die Geschäfte im Rathaus am Jakob-Sigle-Platz führt weiterhin der Erste Bürgermeister Daniel Güthler.

Bei den Stadträten kommt das Verhalten der OB dem Vernehmen nach teilweise nicht unbedingt gut an. „Bedauerlich“ sei es, so der FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Schantz, dass die OB gerade zu diesem Zeitpunkt in den Urlaub gefahren sei. „Eigentlich sollte ihr Platz in dieser schwierigen Zeit im Rathaus oder im Wohnhaus in Kornwestheim sein“, so der Liberale. Im Nachhinein betrachtet, so Thomas Ulmer, Vorsitzender der Fraktion Grüne/Linke, sei es ungeschickt gewesen – insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten im Rathaus. Aber er betont auch, dass es in digitalen Zeiten kein Problem sei, die Verwaltung auch aus großer Entfernung zu führen. Und Keck sei ja nicht „aus der Welt“ oder in Übersee gewesen, sondern nur in der Schweiz, von wo aus sie schnell in Kornwestheim hätte sein können. Auch Hans-Michael Gritz (SPD) lässt durchklingen, dass es besser gewesen wäre, die Reise zu diesem Zeitpunkt nicht anzutreten. Hans Bartholomä (CDU) lobt den Ersten Bürgermeister Daniel Güthler für das hervorragende Krisenmanagement. Diesem Lob schließen sich auch andere Stadträte an. Er habe, sagt Thomas Ulmer, von Null auf 100 starten müssen und habe das sehr gut gemacht.

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