Kornwestheim Narren nehmen Allgaier aufs Korn

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Peter Kienzle teilte kräftig gegen den Ersten Bürgermeister Dietmar Allgaier (Mitte, dunkler Anzug) aus. Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Eigentlich wird alljährlich am 11. 11. beim Narrenempfang im Rathaus ja nur die fünfte Jahreszeit eingeläutet. Am Montagvormittag nutzten die Narren und Närrinnen Kornwestheims den Festakt um 11.11 Uhr aber auch dazu, Dietmar Allgaier schon vorab in sein neues Amt zu verabschieden. Der Erste Bürgermeister steht zwar erst an diesem Freitag als Landrat in Ludwigsburg zur Wahl, die obligatorischen politischen Giftpfeile dazu flogen aber schon jetzt in seine Richtung. „Es ehrt dich heut, lieber Erster Bürgermeister, dass du noch bist gekommen, vermutlich ist deine Amtszeit – wie man hört – hier ja bald schon verronnen“, spekulierte Peter Kienzle auf den möglichen Abgang Allgaiers, der daraufhin drohte, die Fasnet in Zukunft ganz abzuschaffen.

„Es ehrt dich heut, lieber Erster Bürgermeister, dass du noch bist gekommen“

Bei den anwesenden Bürgern sowie den Mitglieder der Freien Narrenzunft, der Fasnet-Zunft und der Narren-Ober-Liga kam die spitzzüngige Abschiedsrede Kienzles bestens an, in der der Erste Bürgermeister keineswegs geschont wurde. Dabei stürzte sich der frühere Zunftmeister der Fasnet-Zunft vor allem auf das Warum: Warum nämlich sich Allgaier aus dem Staub mache. Gibt es „Rechenfehler im neuen Haushaltsplan?“ Werden „ab 2023 alle Ziele im Sparprozess verfehlt?“ Ist etwa „die vermeintliche Fahrradstadt“ – die Kornwestheim einmal werden sollte – nur eine Einöde für Zweiräder? Kienzle legte bei zuletzt heißdiskutierten Themen gleich mehrere Finger in die Wunde und begründete so den Abgang Allgaiers.

Der Verkehr „als Graus“, bei der Innenstadtplanung gingen dem Gemeinderat die Ideen aus, doch vielleicht gäbe es mit den ganzen Studenten in der Stadt mehr Leben, aber nachts wohl mehr Saus und Braus. Gut klingend, in bester Reimform. Doch ganz nach dem Sprichwort „Was sich liebt, das neckt sich“ schickte Peter Kienzle nach den Neckereien im Namen der Kornwestheimer Narren auch Liebeleien in Richtung des Trägers der Ehren-Narrenkappe. „Für uns und Kornwestheim wäre es schon ein herber Verlust, drum gibt es in unserem Herzen – versteh es – auch etwas Frust“, reimte Kienzle.

Damit Dietmar Allgaier für die kommenden nervenaufreibenden Tage gut gerüstet ist, übergaben Peter Kienzle und Martin Türk, Präsident des Ausschusses Kornwestheimer Fasnet, ein Geschenkkörbchen für alle Lagen. Darin: Studentenfutter für die Nerven, Müsliriegel für den Kraftspeicher und zwei Teesorten – eine für die Freude und eine für die Entspannung danach. Nach einem kurzen Dankeschön griff auch Dietmar Allgaier zum Mikrofon und servierte den anwesenden Narren in seiner Antwort eine echte Schreckensnachricht, die sich dann, wen wundert es, doch nur als Fasnetscherz entpuppte. „So langsam habe ich es wirklich satt, dass ihr uns ab dem 11. 11. vom Schaffa abhaltet Jahr für Jahr.“

„An 365 Tagen keine Narren mehr“

Deshalb sei Oberbürgermeisterin Ursula Keck auch nach Eastleigh zu „Fish and Chips“ geflogen. Und für die Neckereien an ihm, der OB und dem Gemeinderat gebe es nur einen annehmbaren Kompromiss: „Ihr bleibt ab morgen bis Aschermittwoch zu Haus, keine Hexen, keine Musik, keine Bütt, kein Saus und Braus.“ Und sollte er tatsächlich gewählt werden, werde er ein Dekret aufsetzen, das besagt: „An 365 Tagen keine Narren mehr“, sagte Allgaier schmunzelnd, um dann doch umzuschwenken: „Ganz so schlecht war das ja auch nicht immer.“

Deshalb wolle er seine Pläne noch mal überdenken und wenn es mit der Wahl funktioniere, hoffe er, „dass ihr dann ins Landratsamt kommt“, sagte er. „Wir machen eine Polonaise, singen lautstark und fröhlich irgendwelche Lieder, tanzen und feiern bei Wein und bei Bier, ach wisst ihr was, ne, ich bleibe gleich hier.“ Ob er nun geht oder bleibt, entscheidet sich am Freitag. Sicher ist aber: Die Fasnet findet statt – mit dem Höhepunkt am 1. und 2. Februar. „An diesem Wochenende ist die Stadt in der Hand der Hexen und Narren“, versprach Türk.

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