Kornwestheim Neue Einblicke für Musiklehrer beim Videounterricht

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Sich in der Öffentlichkeit – zum Beispiel am Tag der offenen Tür – zu präsentieren, das gehört auch schon für die kleinen dazu. Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - In diesen Tagen hätte die Musikschule ihren Tag der offenen Tür ausgerichtet. Eltern und Kinder wären durchs Haus der Musik gestromert, wären den Klängen gefolgt, die aus den einzelnen Unterrichtsräumen dringen und hätten sich von den Musikschullehrern beraten lassen. Und natürlich hätten die Jungen und Mädchen auch auf den Klavieren geklimpert, in die Flöten gepustet und auf die Schlagzeuge gehämmert, um ein Gespür dafür zu bekommen, welches Instrument zu ihnen passt. Hätte, hätte, Klarinette. Den Tag der offenen Tür hat die Musikschule natürlich abgesagt. Sie hofft ihn aber am 8. Mai nachholen zu können. Um den Kontakt mit der „Außenwelt“ nicht ganz abreißen zu lassen, hat die Musikschule Interviews mit einigen Lehrern geführt. Wir veröffentlichen Ausschnitte daraus auf dieser Seite.

Andreas Kreisel

Nunmehr 30 Jahre unterrichtet er im Hauptfach Violoncello und im Nebenfach Klavier an der Musikschule. Kreisel ist auch Leiter des Sinfonieorchesters der Städtischen Orchester.

Der Unterricht findet aktuell digital statt. Wie empfinden Sie das?

Das Interesse Musik zu machen ist durch Corona nur noch weiter gestiegen. Ich habe das Gefühl, dass meine Schülerinnen und Schüler noch mehr üben und sich vor allem richtig auf die Unterrichtsstunden freuen. Musik ist zwar grundsätzlich eher etwas Persönliches, aber die digitalen Unterrichtsstunden sind besser als kein Unterricht.

Nutzen Sie die aktuelle Phase für besondere musikalische Projekte?

Ich habe festgestellt, dass vor allem die Vorbereitungen auf die Unterrichtsstunden viel Zeit in Anspruch nehmen. Für meine Schülerinnen und Schüler nehme ich auch das Begleitprogramm am Klavier auf. Dadurch habe ich gar nicht mehr Freizeit für andere Projekte. Musikalisch habe ich mit meiner Familie einen Online-Gottesdienst in der katholischen Kirche in Oberstenfeld umrahmt. Meine Frau spielt Querflöte und meine Tochter Violine.

Christiane Hajek

Die Musikschullehrerin unterrichtet Geige und Bratsche.

Was reizt Sie an der Arbeit in der Musikschule?

Durch den Unterricht gibt man den Kindern und Jugendlichen einiges mit auf den Weg. Dazu gehört natürlich in erster Linie das Musizieren auf dem Instrument, gleichzeitig eröffnet man ihnen die Welt der Musik. Darüber hinaus nehmen die Kinder etwas für ihr Leben mit. Sie lernen, sich zu konzentrieren und dass man nicht sofort aufgeben sollte, wenn etwas nicht auf Anhieb klappt. Aus dem Umgang mit der Aufregung bei Vorspielen und Konzerten schöpfen die Schülerinnen und Schüler Selbstbewusstsein. Gleichzeitig bietet das Musizieren eine gute Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, zum Beispiel in einem unserer drei Orchester.

Was fehlt Ihnen jetzt während des zweiten Lockdowns am meisten?

Mir fehlt natürlich der direkte Kontakt zu meinen Schülerinnen und Schülern, aber auch meine eigenen Konzerte vermisse ich sehr. Ich war sonst jedes Wochenende unterwegs, um Konzerte zu geben. Plötzlich habe ich sehr viel Zeit. Die nutze ich jetzt, um Yoga und Sport zu machen und zu lesen.

Nutzen Sie die aktuelle Phase für besondere musikalische Projekte?

Während des ersten Lockdowns habe ich einen Übungschallenge für meine Schülerinnen und Schüler ausgelobt. Die Kinder und Jugendlichen haben mir die Zeit mitgeteilt, in der sie geübt haben. Als Ersatz für die ausgefallenen Vorspiele habe ich Videos von den Kindern gemacht, auf denen sie Stücke spielen und diese den Eltern zur Verfügung gestellt. Für viele war das ein schönes Weihnachtsgeschenk für die Großeltern.

Ekaterine Davitashvili

Die Gitarristin unterrichtet seit 2015 an der Städtischen Musikschule.

Der Unterricht findet digital statt. Wie empfinden Sie das?

Ich sehe die ganze Situation positiv und bin dankbar, überhaupt unterrichten zu können. Die virtuellen Unterrichtsstunden können den Präsenzunterricht aber nicht ersetzen. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Schülerinnen und Schüler noch konzentrierter und aufmerksamer sind.

Was fehlt Ihnen jetzt während des Lockdowns am meisten?

Ich komme gerne mit Menschen zusammen, deswegen fehlt mir der Vor-Ort Unterricht ungemein. Ich lasse mich aber nicht unterkriegen. Den ersten Lockdown habe ich sogar genossen. Diese Ruhe und die Zeit für mich habe ich mir davor schon lange nicht mehr genommen. Nichtsdestotrotz haben mich die Auswirkungen der Corona-Pandemie erschüttert, ich hätte nie gedacht, dass alles so lahmgelegt werden kann.

Hans-Joachim Weiß

Er ist ein Urgestein der Musikschule. Weiß unterrichtet Kontrabass und E-Bass dort seit 1997, er bewegt sich zwischen Klassik, Jazz und Popularmusik.

Der Unterricht findet aktuell digital statt. Wie empfinden Sie das?

Ich finde es toll, dass Kinder, Jugendliche und deren Eltern dieses Angebot in Anspruch nehmen. Mit persönlich fehlt der Präsenzunterricht. Selbst getrennt durch Plexiglasscheiben und mit Mundschutz lässt sich der Unterricht besser gestalten als online. Meiner Erfahrung nach leiden vor allem die jüngeren Schülerinnen und Schüler unter dem Lockdown. Ich mache es inzwischen so, dass ich den Kindern und Jugendlichen kleine Videoclips zum Üben zuschicke, auf denen ich Stücke vorspiele. Durch den Unterricht habe ich aber auch neue Perspektiven erhalten. Ich sehe, in welchem Umfeld die Schüler leben. Je nach Kamerawinkel entdecke ich Details, zum Beispiel bei der Bogenhaltung, für die ich mich im Unterricht auf den Boden legen müsste.

Nutzen Sie diese Phase für besondere musikalische Projekte?

Ich betreue ein Blasorchester. Während des Lockdowns entwickele ich neue Konzepte für die Online-Probenarbeit. Außerdem plane ich ein gemeinsames Projekt mit Musikerkollegen. Ich bilde mich im Umgang mit meiner Hard- und Software meines Studios fort. Und ich arbeite an meinem Dirigierstil.

Thomas Reiner

Der Trompeter unterrichtet seit 1996 an der Musikschule.

Der Unterricht findet aktuell digital statt. Wie empfinden Sie das?

Ich unterrichte in den Räumen der Musikschule und schalte mich per Videoanruf in die Kinder- und Jugendzimmer meiner Schülerinnen und Schüler. Die Trompete ist ein lautes Instrument, das viel Schalldruck erzeugt. Das ist ein Problem für die Mikrofone in elektronischen Geräten, die für die menschliche Sprechstimme ausgelegt sind. Zusätzlich kommt es beim Unterricht über das Internet zu leichten Zeitverzögerungen, sodass sein genaues rhythmisches Gestalten erschwert ist. Die pädagogischen Grundpfeiler des Erlernens, nämlich Haptik, Optik und Akustik sind vor allem Dinge, die der Präsenzunterricht bietet. Da ist der Onlineunterricht natürlich limitiert, aber alle Lehrkräfte an der Musikschule geben ihr Bestes für ein optimales Ergebnis. Das gilt für die Arbeit mit dem inklusiven Studio-Orchester und der Bläserklasse ebenso wie für das Instrumenten-Karussell, bei dem kleine Kinder ganz verschiedene Instrumente kennenlernen. Die Kinder wollen die Instrumente anfassen und ausprobieren, das lässt sich nicht online vermitteln. Während des Lockdowns habe ich sehr oft mit meinen Schülerinnen und Schülern und deren Eltern telefoniert, denn ich habe gespürt, dass der Kontakt für alle wichtig ist.

Wie erleben Sie die aktuelle Zeit?

Ich bin als Orchestermusiker und Konzertsolist viel unterwegs, auch im Ausland. Das ist in den vergangenen Monaten komplett ausgefallen. In diesem Jahr feiere ich mein 30-jähriges Bühnenjubiläum und habe 30 Konzerte in ganz Deutschland, auch in Ludwigsburg und Markgröningen, geplant. Mal abwarten, ob diese stattfinden können.

Nutzen Sie diese Phase für besondere musikalische Projekte?

Ich bereite mich auf die geplanten Konzerte vor. Außerdem will ich im Sommer eine CD mit italienischer Barockmusik aufnehmen. Wie sonst auch, verbringe ich täglich rund vier Stunden mit meinem Instrument und übe vor allem abends und oft auch nachts in unserem schalldichten Keller, um meine Frau und unsere fünf Kinder nicht zu stören. Wir versuchen, trotz Corona unseren Tagesablauf wie gewohnt zu gestalten.

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