Kornwestheim Neues Team: Juz soll sein Gesicht behalten

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Sozialpädagoge Jan Brandt (rechts) geht. Mit Dominik Christ und Madlen Bulan bleiben zwei Foto: Anne Fuhrmann

Kornwestheim - Schon als Teenager besuchte er das Jugendzentrum (Juz). Später wurde der Treff an der Stuttgarter Straße zu seinem Arbeitsplatz. Nun hat sich Jan Brandt von den Jugendlichen verabschiedet – und das ist nicht die einzige personelle Veränderung im Juz in diesen Tagen.

Drei Jahre lang hat Brandt dort als Vollzeitkraft gearbeitet. Er freut sich darüber, dass es ihm mit seinem Team gelungen ist, das Jugendzentrum wieder stärker zu beleben. Unterstützt wurde der 29-Jährige von einem weiteren Hauptamtlichen, wechselnden Studenten der Dualen Hochschule und jungen Leuten, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten. „Ich hatte von Anfang an ein tolles Team. Wir haben immer an einem Strang gezogen“, betont er.

Spannend sei es in den vergangenen Jahren gewesen, zu verfolgen, wie sich die Jugendlichen entwickelt haben. Für die Heranwachsenden sei er im Juz gerne ein Ansprechpartner gewesen, bei Problemen habe er geholfen. Und man habe gegenseitig viel voneinander lernen können, sagt Brandt über die jungen Besucher.

Aktionen wie der Tanzwettbewerb „Urban Village Dance Battle“ und der Konzertabend „Kornwestheims Harte Saiten“ haben ihm bei seiner Arbeit besonderen Spaß gemacht. Sehr gerne war er außerdem beim „Jugger“-Projekt dabei, weil es nicht nur die Bewegung fördere, sondern auch den Selbstwert der Jugendlichen steigere. Der persönliche Favorit waren für ihn allerdings die Pen&Paper-Rollenspiel-Abende, die der Sozialpädagoge im Juz etablierte. Dabei ging es darum, dass die Jugendlichen fiktive Rollen einnehmen und mittels gemeinsamen Erzählens ein Abenteuer erleben. „Das ist sehr spannend und es fördert die Kreativität“, erklärt er.

Jan Brandt ist in Kornwestheim aufgewachsen. Er hat an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg studiert. Seine Masterarbeit hat er bei Bosch geschrieben, weitere berufliche Erfahrung hat er bei einem sozialen Träger gesammelt, bevor er ins Juz wechselte. Künftig wird Brandt in der Wohnungslosenhilfe in Stuttgart arbeiten. „Ich gehe schweren Herzens, aber ich habe die Gewissheit, dass das Juz gut weitergeführt wird.“

Dass er beruhigt das Jugendzentrum in neue Hände geben kann, liegt auch daran, dass Jan Brandt seine Nachfolger bereits kennt. Mit Dominik Christ bleibt dem Treff nämlich ein bekanntes Gesicht erhalten. Der 26-Jährige hatte bisher eine 50-Prozent-Stelle inne und arbeitet seit Monatsbeginn als Vollzeitkraft.

Auch Christ hatte bereits in seiner Jugend die ersten Berührungspunkte mit dem Juz. „Und ab 2012 habe ich mit meiner Band hier geprobt. Damals wurde auch mein Interesse an sozialer Arbeit geweckt“, sagt der Sozialpädagoge. 2014/2015 absolvierte der Kornwestheimer sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Stuttgarter Straße, in dessen Anschluss er sein Studium aufnahm. Und für sein Praxissemester kehrte er ins Juz zurück. Seitdem hat er dort mehrere Projekte betreut.

„Ich bin jetzt zurück, wo alles angefangen hat. Damit bekomme ich die Chance, etwas zurückzugeben, denn die Zeit im Juz hat mir früher weitergeholfen und viel bedeutet“, sagt Christ.

An seiner Seite hat er Madlen Bulan, die ebenfalls seit diesem Monat hauptamtlich im Juz arbeitet. Die 24-Jährige hat erst Ende September ihr duales Studium an der Hochschule Stuttgart abgeschlossen. Auch für sie ist das Jugendzentrum nicht gänzlich neu, hat sie doch als Studentin bereits mitgearbeitet. Ursprünglich hatte die Sozialpädagogin geplant, nach dem Studium wieder in ihre Heimat, Geislingen an der Steige, zurückzukehren, wo sie ihre erste Erfahrungen in der Jugendarbeit machte. Stattdessen hat sie sich entschieden, in Kornwestheim zu bleiben. „Das Juz und seine Besucher sind mir ans Herz gewachsen“, sagt Madlen Bulan.

Neben den beiden Vollzeitkräften gibt es nach wie vor zwei weitere Mitarbeiter. Ewen Smith (29) hat gerade sein duales Studium begonnen. Tobias Hejtmann ist der neue FSJler.

„Wir sind natürlich traurig, dass Jan Brandt uns verlässt, wir einen guten Mitarbeiter verlieren“, sagt Birgit Scheurer, die Fachbereichsleiterin Kinder, Jugend und Bildung der Stadt Kornwestheim. „Aber sich zu verändern, auch das ist legitim“, betont sie und wünscht ihm alles Gute. Was Scheurer sehr freut: „Dass wir die Lücke so gut intern füllen könnten, das ist schön – es bleibt vertraut, das ist wichtig und richtig.“

Die beiden neuen Hauptamtlichen betonen, dass die Kontinuität im Jugendzentrum trotz der personellen Veränderungen erhalten bleiben soll. „Das Juz soll sein Gesicht nicht verlieren“, sagt Christ. Dennoch werde sich bei den Angeboten sicherlich das eine oder andere ändern. Der 26-Jährige könnte sich vorstellen, der Rockmusik als Subkultur mehr Raum zu geben und den sportlichen Bereich auszubauen. Madlen Bulan würde gerne die Medienarbeit ausweiten und die Einzelfallhilfe weiter stärken. Aber auch sie sagt: „Mir liegt viel daran, dass einiges beibehalten wird.“

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