Kornwestheim Notfalls wird das „Brückle“ geöffnet

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Intensive Diskussion über die Verkehrsführung: SPD-Stadträte haben mit den Anwohnern gesprochen. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Mit sechs bis acht Einwohnern hatte SPD-Stadtrat Robert Müller gerechnet, als er sich für Montagabend zu einem Ortstermin im Haldenrain verabredete. Und dann kamen immer mehr Menschen zusammen. Am Ende waren es rund 40 Nachbarn, die wild durcheinander redeten und die vier SPD-Stadträte davon zu überzeugen versuchten, dass es keine gute Idee ist, den Umleitungsverkehr nach Schließung des Klingelbrunnens durch den Haldenrain zu leiten. Die Anwohner ließen ihrem Frust freien Lauf – über die Zukunftspläne, aber auch über die gegenwärtigen Zustände.

Und die sind nach Ansicht der Anwohner schon jetzt katastrophal. Weil sich in der Aldinger Straße in den Morgenstunden und am späten Nachmittag lange Staus bilden, ist die Aus- und Zufahrt trotz Ampelschaltung erschwert. Zwei, drei, vier Ampelphasen müsse man morgens abwarten, bevor man den Haldenrain verlassen könne, schimpfen die Anwohner. Und nachmittags ist’s kaum leichter, wieder die heimatlichen Gefilde zu erreichen. Und dann soll künftig der gesamte Verkehr aus dem Klingelbrunnen auch noch durch den Haldenrain geleitet werden?

Ja, so sehen es die Pläne der Stadt Kornwestheim vor. Eine neue Verbindungsstraße ist schon im Entstehen. Wenn im Herbst der Klingelbrunnen wegen des Neubaus der Gumpenbachbrücke geschlossen wird, wird der Verkehr durch den Haldenrain rollen. Die Anwohner haben durchaus Alternativvorschläge – zum Beispiel den, eine Schranke am Oberen Klingelbrunnen zu öffnen und den Verkehr über den Wethau- oder Rippachweg abfließen zu lassen. Dort sei es zwar etwas schmal, aber man könne ja ein Einbahnstraßensystem einrichten – Ausfahrt aus dem Klingelbrunnen Richtung Wohnpark Neckarstraße, Zufahrt über den Haldenrain beispielsweise. Ein möglicher Nachteil: Dann könnten auch die „Haldenrainer“ durch den Wohnpark Neckarstraße fahren, um das Nadelöhr Aldinger Straße zu umgehen. Der Vorschlag, den Fuß- und Radweg zur Enzstraße zu öffnen, kam bei den Anwohnern nicht gut an, deren Garten an das kleine Sträßlein grenzt. Sie wandten ein, dass es sich um einen beliebten Weg für Spaziergänger – gerne auch mit Hund – und Radfahrer handele, der zu schmal sei für zusätzlichen Pkw-Verkehr.

Ein ungewöhnlicher Vorschlag: Die Stadt soll einen Parkplatz an der Mühlhäuser Straße auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks ausweisen, damit die Autofahrer aus dem Klingelbrunnen oder Haldenrain gar nicht mehr über die Aldinger Straße fahren müssen. Die Pkw könnten über den Fuß- und Radweg zwischen Brückle und Haldenrain erreicht werden, der trotz Neubau der Gumpenbachbrücke geöffnet bleiben soll.

Bürgermeister Daniel Güthler will, gestern von unserer Zeitung auf die Kritik aus dem Haldenrain angesprochen, an dem ursprünglichen Plan festhalten, die Situation aber im Blick behalten. Es handele sich um eine Stufenkonzept, erläuterte er. Die Verbindungsstraße zwischen Klingelbrunnen und Haldenrain werde nicht eher freigegeben, bevor die Ampelschaltung in der Aldinger Straße optimiert worden sei, versprach er. Ziel sei es, den Verkehr so zu steuern, dass es in der Aldinger Straße Platz geben solle, wenn die Autofahrer aus dem Haldenrain abbiegen. Die Pufferfunktion der Ampelanlagen am Haldenrain und am Moldengraben sei verloren gegangen. Sollte sich erweisen, dass die Einmündung Haldenrain den zusätzlichen Verkehr dann trotzdem nicht aufnehmen könne, müsse man eine andere Straße freigeben, kündigte Güthler an. Und für diesen Fall nennt er die Straße „Am Brückle“, die schon jetzt über einen Fuß- und Radweg mit dem Haldenrain verbunden ist. Der müsste dann allerdings verbreitert werden. Güthler betont aber: Die Verbindung wird erst dann hergestellt, wenn die Einmündung Haldenrain/Aldinger Straße quasi kollabiert. Und es werde sich um eine Einbahnstraße vermutlich Richtung Westen handeln.

Von einer Öffnung des Klingelbrunnens zum Wohnpark Neckarstraße hin hält Güthler nichts. Die Radien der Kurven zum Rippach- oder Wethauweg seien zu eng, als dass sie fließenden Verkehr aufnehmen könnten. Es handele sich dabei um reine Erschließungsstraßen, so der Baubürgermeister.

Weil sie die Stadträte schon einmal vor Ort hatten, wiesen die Anwohner am Montagabend auch noch auf ein weiteres Ärgernis hin – eine neu installierte Fahrradampel an der Aldinger Straße. Eigentlich eine gute Idee, so die Nachbarn, aber in diesem Falle überflüssig, weil zwei Meter neben dem Fahrrad- der Fußgängerüberweg ist, der zur gleichen Zeit Grün hat. Die SPD hat für die erste Fraktionssitzung nach der Sommerpause Mitte September eine Delegation aus dem Haldenrain eingeladen, um noch einmal – dann in aller Ruhe – über die Verkehrsführung zu beraten.

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