Kornwestheim Oft gibt es keine Puffer im System

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Leerer Unterrichtsraum Foto: dpa

Kornwestheim - Erst vor Kurzem haben Elternvertreter angekündigt, gegen den Unterrichtsausfall an baden-württembergischen Gymnasien zu klagen. Mancherorts habe dieser ein unzumutbares Maß angenommen, meinen sie. Wie sieht es in den Kornwestheimer Schuleinrichtungen aus? Ist Unterrichtsausfall hier ebenfalls ein Problem? Wir haben bei den Schulen angefragt.

Als Strukturproblem sieht Christoph Mühlthaler, Schulleiter des Ernst-Sigle-Gymnasiums (ESG), den Unterrichtsausfall an seiner Schulform. „Es gibt keine Lehrerreserve, kein Springersystem. Wenn ein Fachlehrer krank wird, hat man im Prinzip keinen Ersatz zur Verfügung“, sagt er. Dennoch kann Mühlthaler derzeit nicht klagen. Den Unterrichtsausfall habe man am ESG in den vergangenen Jahren gut in den Griff bekommen. Zudem wurde dort ein Bereitschaftssystem ausgebaut. Zwar könne es immer mal sein, dass einzelne Klassen stärker von Unterrichtsausfall betroffen seien. „Insgesamt klappt das System aber sehr gut.“

Dass eine Krankheitswelle schwer abzufedern ist, räumt auch Boris Rupnow ein, Rektor der Theodor-Heuss-Realschule. Als große Schule mit mehr als 50 Kollegen sei die Versorgung mit Lehrerstunden bisher relativ gut, sagt er. Größere Puffer seien im System aber nicht vorgesehen. Wenn jemand länger ausfalle oder viele plötzlich nicht unterrichten können, sei es manchmal schon schwierig. Dann nehme die Belastung für die übrigen Lehrer zu und auch Unterrichtsausfall lasse sich nicht immer vermeiden. „Wir versuchen, das Ganze mit Vertretungen aufzufangen. Aber Randstunden können auch schon mal entfallen“, erklärt Rupnow.

Als verbindliche Ganztagsschule sei es nicht einfach, Unterricht ausfallen zu lassen, sagt Gerhard Link, Leiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule. In diesem Jahr hat es dort nach seinen Angaben noch keinen Unterrichtsausfall gegeben. Die Schule sei aktuell gut mit Lehrerstunden versorgt. Per se sei es jedoch schwierig, einen Ersatz für Kollegen zu organisieren, die wegen einer Krankheit oder einer Schwangerschaft länger nicht zur Verfügung stehen. Bisher sei es jedoch ganz gut gelungen, „mit hausinternen Mitteln“ die Lücken zu stopfen.

An Grundschulen in der Stadt sollte die Lage eindeutig sein: Dort darf Unterricht nicht ausfallen, denn die Lehrer dürfen die Kinder nicht einfach nach Hause schicken. „Wir müssen es irgendwie regeln, wenn jemand aus dem Kollegium krank wird oder aus sonstigen Gründen nicht unterrichten kann“, sagt Ute Maucher, Rektorin der Schillerschule. Allerdings kommt die Grundschule bisher sehr gut zurecht, wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin sich plötzlich vom Dienst abmelden muss. „Wir können auf ehemalige Kollegen zurückgreifen und sind in der glücklichen Lage, dass wir so Lehrer auf Abruf haben“, erklärt Maucher. Bei Engpässen sei es auch oftmals so, dass Kollegen mit geringerem Stundenpensum einspringen können. „Und zur Not werden Klassen aufgeteilt.“ Da die Lehrer an der Grundschule alle Fächer unterrichten können, sei eine Vertretung kein Problem. Nur wenn es nicht anders gehe, falle Unterricht tatsächlich aus, und dann seien nur Randstunden betroffen, betont Maucher.

Die genaue Höhe des Unterrichtsausfalls lässt sich nur schwer beziffern. Das Land ist allerdings dabei, regelmäßig Erhebungen durchzuführen, um Strategien gegen den Ausfall zu entwickeln, teilte das Kultusministerium kürzlich mit.

Dass es in Kornwestheim insgesamt recht gut aussieht, kann das Staatliche Schulamt Ludwigsburg bestätigen. In der Stadt sei die Unterrichtsversorgung „derzeit relativ“ stabil. „Kurzfristige Ausfälle gleichen die Schulen selbst aus, ohne das Schulamt in jedem Fall in Kenntnis zu setzen“, heißt es auf Nachfrage.

Insgesamt zeigten sich für den Landkreis Ludwigsburg aber aufgrund des angespannten Lehrerarbeitsmarktes an unterschiedlichen Standorten – vor allem in der Sekundarstufe I – Engpässe.

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