Kornwestheim Phantomköpfe ziehen ins Kreidler-Gebiet

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Mauerten den Grundstein ein: (von links) Orochemie-Geschäftsführer Rüdiger Eppler, Projektmanagerin Kathrin Späth, die Vorstandsmitglied. Foto: Werner Waldner

Kornwestheim - Grobes Handwerkszeug war am Vormittag gefragt, solches, mit dem man beim Zahnarztbesuch nur ungern in Kontakt kommen würde: Mit Hämmer und Kellen legten Vertreter der Firma Orochemie und der Erste Bürgermeister Dietmar Allgaier den Grundstein für ein neues Gebäude, in das das Unternehmen aus dem Kreidler-Gebiet rund fünf Millionen Euro investiert. Dort sollen Zahnarzthelferinnen dann lernen, mit filigranem Handwerkszeug umzugehen. Üben können sie unter anderem an zwölf Arbeitsplätzen mit Phantomköpfen, die in dem Schulungszentrum eingerichtet werden. Es soll, so formuliert es Orochemie, „Plattform zur Präsentation neuester wissenschaftlicher Erkenntnis im Bereich der Zahnerhaltung für weltweite Meinungsbildner“ werden. Den Neubau mit 3200 Quadratmeter Nutzfläche will Orochemie aber auch für das Kommissionierungslager, Büros, Caféteria und einen Konferenzbereich nutzen.

Das Tochterunternehmen der Bietigheimer Dürr Dental SE, die einen weiteren Standort in Gechingen bei Calw hat, sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt. In 125 Länder liefere die Firma ihre Produkte, das sorge für ein gutes Fundament, sagte der Dürr-Dental-Vorstandsvorsitzende Martin Dürrstein, der sich schon jetzt mit dem geschäftlichen Verlauf des Jahres 2019 zufrieden zeigte. Das Unternehmen erreiche mittlerweile sogar Initiativbewerbungen von Beschäftigten aus der Automobilindustrie. Das beweise, dass ein Familienunternehmen aus der Medizintechnik ein begehrter Arbeitgeber sei, so Dürrstein. Orochemie entwickelt und produziert mit 110 Beschäftigten am Standort Kornwestheim Medizinprodukte und Arzneimittel schwerpunktmäßig für Zahnarztpraxen. Aber auch andere Branchen greifen auf die Waren des Kornwestheimer Betriebes zurück.

Christian Pflug, Geschäftsführer der Orochemie, ließ bei der Grundsteinlegung die Geschichte des Unternehmens Revue passieren, die auf eine Erfindung der Gebrüder Dürr zurückzuführen ist – der Wasserkühlung bei zahnärztlichen Instrumenten. Die dafür zusätzlich erforderlichen Desinfektions- und Reinigungsmittel hatten schließlich die Gründung der Orochemie zur Folge. Die Substanzen mischten die Firmeneigentümer zunächst in der heimischen Badewanne zusammen, später in Garagen in Großbottwar und Ludwigsburg, bevor das Unternehmen 1977 zur Enzstraße nach Kornwestheim zog. Vor 22 Jahren bezogen sie das Firmengebäude im Kreidler-Gebiet und waren damit eines der ersten Unternehmen in diesem großen Areal am südlichen Stadtrand. Vor neun Jahren wurde der Standort um ein Hochregallager erweitert. Das Logistik- und Schulungszentrum sei nunmehr der dritte Bauabschnitt an der Max-Planck-Straße, so der Vorstandsvorsitzende Dürrstein.

Es sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit, dass ein Unternehmen expandiere, lobte Kornwestheims Erster Bürgermeister Dietmar Allgaier den unternehmerischen Mut. Er zeigte sich froh, dass die Stadt Kornwestheim dem Betrieb auch ein Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft zum Standort anbieten konnte. Dank eines Flächentausches mit der Stadt Stuttgart ist das Gewerbegebiet am südlichen Stadtrand in den vergangenen Jahren gewachsen. Gleichwohl: Unternehmensflächen werden rar, wie Allgaier in seiner kurzen Begrüßung betonte.

Geschäftsführer Pflug hofft, dass das neue Gebäude Ende des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden kann.

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