Kornwestheim „Pioniere“ beenden steinigen Weg

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Die ersten Realschulabsolventen der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Klein, fein und etwas improvisiert. So fiel die Premiere der Zeugnisvergabe der ersten Realschulabschlussklasse auf dem Schulhof der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule (PMHG) aus. „Ursprünglich hatten wir das Abschlussfest in einem Festsaal geplant. Aber eigentlich ist das hier auch ein wirklich guter Platz für eine wirklich außergewöhnliche Klasse“, sagte Schulleiter Gerhard Link am Montagnachmittag.

Denn außergewöhnlich war nicht nur die Freiluftabschlussfeier: In Dreiergrüppchen hatte jeder der 20 Absolventen mit je zwei Feiergästen auf Stühlen Platz genommen, der nächste Klassenkamerad saß einige Meter entfernt. So fächerte sich die kleine Gästeschar weitflächig über den Schulhof. „Ihr wart als erste Klasse die Pioniere der Gemeinschaftsschule, manchmal vielleicht auch ein bisschen Versuchskaninchen“, sagte Gerhard Link, „aber für uns wart ihr auch wichtige Lernpartner, dank eurem Feedback konnten wir unser Schulkonzept weiterentwickeln und verbessern.“

Eine besondere Herausforderung war für die 10a das letzte ihrer sechs Schuljahre an der PMHG. Im vergangenen Herbst verabschiedete sich ihre Klassenlehrerin in die Babypause, mit neuer Lehrkraft lagen mit den coronabedingten Schulschließungen die nächsten Stolpersteine im Weg. „Mit dem Lehrerwechsel und den Folgen der Corona-Pandemie wurde es euch wirklich nicht leicht gemacht, aber ihr habt auch das gemeistert“, sagte Irene Schallhorn, die die 10a als Klassenlehrerin übernommen hatte.

Die frischgebackenen Absolventen nahmen den erschwerten Weg zur Mittleren Reife locker: „Ich kann es gar nicht glauben, die sechs Jahre sind so schnell vorbei gegangen“, blickte Denis Schuster, der mit der Schulband die Feier musikalisch begleitete, zurück. „Mit Corona waren die vergangenen Monate schon ziemlich stressig, aber wir haben es geschafft“, sagte der 16-Jährige. Seine Klassenkameradin und Bandkollegin Chayenne Kind war vor allem stolz: „Es fühlt sich schon besonders an, als erste Klasse hier den Realschulabschluss zu machen“, sagte die 15-Jährige. Die Corona-Zeit sei gar nicht so schlimm gewesen, fügte sie hinzu. „Wir waren mit dem Stoff ja so gut wie durch, das ging schon.“ Den besten Notendurchschnitt von 1,4 erreichte Nils Kühn.

Ein Sonderlob bekamen die Jugendlichen von Oberbürgermeisterin Ursula Keck, die gemeinsam mit Stadtrat Dr. Roland Bertet der Feier beiwohnte. Die Abschlussklasse sei ein Spiegelbild für Kornwestheim. „Ihr habt eine Vielfalt an Talenten und diese Vielfalt sehe ich auch, wenn ich mich in der Stadt umschaue.“ Zudem gestand Ursula Keck den Schülerinnen und Schülern, dass sie „ eine perfekte Gemeinschaftsschülerin“ gewesen wäre. „Ich bin wie ihr breit aufgestellt“, sagte die OB.

Ob vielleicht mal ein neues Stadtoberhaupt aus dem Kreis der Absolventen kommt, bleibt abzuwarten. Zumindest den nächsten Schritt haben einige schon geplant. „Ich beginne eine Ausbildung zur Erzieherin. Einen Platz an der Schule habe ich auch“, verrät Chayenne Kirsch. Und Denis Schuster: „Ich habe den Schnitt geschafft und mache jetzt mein Abitur.“

Dass die Berufswege seiner Pioniere in verschiedene Richtungen gehen, sieht Gerhard Link als Bestätigung des Schulkonzepts: „Die Klasse hat einen ordentlichen Abschluss gemacht, ein Drittel mit Belobigungen oder Preisen. Und sie haben alle eine solide Basis für die Zukunft“

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