Kornwestheim Schuldunfähig: 41-Jähriger wird freigesprochen

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Im Prozess um einen 41-jährigen Kornwestheimer ist am Landgericht nun ein Urteil gefallen. Foto: dpa/David-Wolfgang Ebener

Kornwestheim - Das Landgericht Stuttgart hat den Beschuldigten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung und der Freiheitsberaubung freigesprochen. Die Richter waren zwar überzeugt davon, dass der Kornwestheimer eine 48-jährige Frau angegriffen und verletzt hatte, während der Tat sei er aber nicht schuldfähig gewesen. Der 41-Jährige leide an einer paranoid halluzinatorischen Schizophrenie, habe während des Angriffs unter dem Einfluss einer akut aktiven Psychose gestanden und sei dadurch nicht steuerungsfähig gewesen, sagte der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. „Eine verminderte Schuldfähigkeit lag auf jeden Fall vor und eine Schuldunfähigkeit ist nicht auszuschließen. Deshalb ist der Angeklagte freizusprechen.“

Auf freien Fuß kommt der beschäftigungslose Mann aber nicht. Seit seiner Festnahme nach der Tat am 16. Dezember vergangenen Jahres war der Angeklagte bereits in der Psychiatrie untergebracht. Dort wird er nach Anordnung des Gerichts weiter psychotherapeutisch und medikamentös behandelt.

Daran, dass der Kornwestheimer die Tat begangen hatte, hatten weder Staatsanwalt, der Verteidiger des Angeklagten noch der Vertreter des 48 Jahre alten Opfers einen Zweifel. In seinem Plädoyer ließ der Staatsanwalt das Geschehen aus dem vergangenen Jahr noch einmal Revue passieren. So habe der 41-Jährige die Haushaltshilfe in der Wohnung seiner Ex-Freundin grundlos angegriffen, in der Folge getreten, geschlagen, gebissen und gewürgt.

Zudem habe er die Frau an den Haaren durch das Treppenhaus des Wohnhauses aus dem ersten Stock ins Erdgeschoss geschleift. Dabei erlitt die 48-Jährige Prellungen, Bisswunden und eine Platzwunde. Seit der Attacke kann sie aus psychischen Gründen nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. „Die Aussagen der Geschädigten und der weiteren Zeugen sind absolut glaubhaft. Zudem belegen die vor Ort gemachten Videos den Tathergang“, sagte der Staatsanwalt.

Der Anwalt der 48-Jährigen, die als Nebenklägerin auftrat, schloss sich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft an, forderte aber eine Erweiterung der Anklage. „Der Angeklagte hat meine Mandantin über längere Zeit ohne Grund auf den Boden gedrückt und dadurch festgehalten“, sagte der Rechtsanwalt. „Daher liegt dort der Tatbestand der Freiheitsberaubung vor.“ Mit seinem Urteilsspruch bestätigte das Gericht diese Einschätzung, es änderte aber nichts daran, dass der 41-Jährige nicht ins Gefängnis muss.

Der Angeklagte entschuldigte sich in einer Erklärung bei seinem Opfer für die Tat. Der Richter würdigte das Verhalten des Beschuldigen und sein Auftreten während der Verhandlung, verwies aber auch auf die Gefahr, die wegen seiner Krankheit von ihm ausgehe. „Ohne eine langfristige Behandlung ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie erneut eine gefährliche Körperverletzung begehen“, sagte er, stellte dem 41-Jährigen im Laufe der Behandlung aber Lockerungen, einen Umzug in eine Wohngruppe und eine spätere Bewährung in Aussicht.

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