Kornwestheim Schwimmen lernen schwer gemacht

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Regulärer Schwimmkursbetrieb: bislang nicht absehbar. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Kornwestheim - Die Lage ist kompliziert, wie überall im Land“, sagt Frank Dautel. Der 41-Jährige ist Leiter der Ausbildung bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) im Bezirk Ludwigsburg. Er beobachtet die Situation genau, die sich derzeit in den Schwimmbädern des Landkreises bietet – und die mit der Corona-Pandemie eine unwillkommene Dynamik erhalten hat: Während der Pandemie ist es für Kinder schwierig bis aussichtslos geworden, unter professioneller Anleitung Schwimmen zu lernen.

Richtig „schwimmen können“, das stuft Adam Bühler ohnehin erst beim Bronzenen Schwimmabzeichen ein. Der Vorsitzende der DLRG Kornwestheim hat für seine Stadt Zahlen gesammelt. „In einem normalen Jahr beginnen wir acht neue Anfängerschwimmkurse“, sagt Bühler. „Normal“, das heißt ohne die Einschränkungen, die eine weltweite Pandemie nun mal so mit sich bringt: zeitweise geschlossene Schwimmbäder und später beschränkte Teilnehmerzahlen und teilweise gesperrte Wasserflächen. 2020 starteten in Kornwestheim dann lediglich vier Anfängerkurse, von denen nur zwei in diesem Jahr fortgeführt wurden. Neue Kurse dieses Jahr: bislang kein einziger. Die Hoffnung liegt auf der Zeit nach den Ferien.

Regulärer Kursbetrieb ist unabsehbar

Ein regulärer Kursbetrieb wie vor der Pandemie sei bisher unabsehbar. Im Laufe eines Jahres – eines „normalen“ Jahres – kümmern sich um die 60 ehrenamtliche DLRG-Ausbilderinnen und -Ausbilder um durchschnittlich 275 Schwimmkinder. 2019 nahm die DLRG allein 68 Seepferdchen-Abzeichen ab. 2020 waren es: null. Auch das Deutsche Jugend-Schwimmabzeichen konnte so gut wie niemand machen.

Zahlen, wie man sie auch bei der DLRG-Ortsgruppe Oberes Bottwartal kennt. Zwar laufen die Seepferdchen-Kurse im Freibad in Oberstenfeld so langsam wieder an. An Zahlen wie etwa im Jahr 2018 – 27 Seepferdchen, 36 bronzene, 31 silberne und drei goldene Jugendschwimmabzeichen – ist nicht zu denken. „Langsam soll es wieder losgehen“, sagt Klaus Unsöld, Vorsitzender der Ortsgruppe.

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Anfängerschwimmkurse gibt es dort auch im Angebot des TGV Beilstein. In Kornwestheim sind sie mitunter auch Sache der Kindersportschule (Kiss) in Zusammenarbeit mit der Schwimmabteilung des SVK. Auch diese Angebote ruhen derzeit. Hans-Joachim Tröscher, Abteilungsleiter der Schwimmer, spricht die limitierte Teilnehmerzahl an. „Es hat aber auch mit Wasserflächen und mit Menschen zu tun“, sagt er.

Was meint er damit? Zum einen fehlten häufig die fachkundigen Betreuer, zum anderen gebe es schlicht zu wenig Platz. Beispiel SVK: „Wir hatten schon vor der Pandemie lange Wartelisten, teils mehr als ein Jahr“, so Tröscher. Corona habe diesen Mangel schließlich noch offensichtlicher gemacht. „Es gibt mit Sicherheit zwei Jahrgänge, die Schwimmen lernen wollten, die wir aber nicht bedienen können.“

Ausgebuchte Kurse

Auch Adam Bühler weiß von über Jahrzehnte ausgebuchten Schwimmkursen an Montagabenden im Alfred-Kercher-Bad zu berichten. Wartelisten von rund einem Jahr sind auch dem Kornwestheimer DLRG-Chef nicht fremd. Sollte der Kursbetrieb nach den Ferien wieder anlaufen, ist Bühler jedoch zuversichtlich. „Wir haben den Luxus, dass wir viel Jugendarbeit machen. Und viele bleiben da dann auch als Betreuer dabei, machen ihre Schwimmabzeichen und ihre Rettungsschwimmerausbildung.“ Den Re-Start mit vollen Becken könnte die DLRG also wohl stemmen.

Frank Dautel von der Bezirks-DLRG weiß zudem von einigen Ortsgruppen, die ihre Kapazitäten etwa aus der Rettungsschwimmer-Ausbildung in die Anfängerkurse stecken wollen. „Viele Gemeinden haben außerdem zusätzliche Badkapazität geschaffen, um dem Nichtschwimmerboom entgegenzuwirken“, sagt er.

Aber sind denn bereits Folgen der fehlenden Schwimm-Ausbildung zutage getreten? „Aus persönlicher Warte würde ich sagen: Nein, eine Zunahme der Badeunfälle habe ich bisher nicht registriert in diesem Sommer“, sagt Hans-Joachim Tröscher. Dass es bundesweit in Zukunft einen Trend in diese Richtung geben könnte, glaube er allerdings sehr wohl. Das sieht übrigens auch die württembergische DLRG so.

Kornwestheim -

Ausbildungsoffensive bei der DLRG

Aktion
 Die DLRG-Landesverbände Baden und Württemberg haben gemeinsam die Ausbildungsoffensive Anfängerschwimmen ins Leben gerufen. „Mit zusätzlichen Anfängerschwimmkursen werden wir alles daransetzen, der hohen Zahl an Nichtschwimmern entgegenzuwirken“, schreibt die DLRG im Internet. Bereits 2017 habe eine Umfrage ergeben, dass 59 Prozent der Kinder am Ende ihrer Grundschulzeit keine sicheren Schwimmer seien.

Leitfaden
 Anhand eines Leitfadens können sich die DLRG-Ortsgruppen informieren, wie und wo sie sich Unterstützung für Anfängerschwimmkurse holen können (zu Personal, Örtlichkeiten, Förderung und vielem mehr).

Internet
Weitere Informationen sowie Dokumente zum Download gibt es im Internet auf der Seite des württemberger Landesverbandes, zu finden unter https://wuerttemberg.dlrg.de.

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