Kornwestheim Senioren um Schmuck und Geld gebracht

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Zwei Betrüger, die auch in Kornwestheim aktiv waren, wurden jetzt verurteilt. Foto: dpa

Kornwestheim - Als Mitglieder einer Bande mit Hintermännern in der Türkei mussten sich ein 22-jähriger Mann aus Mülheim an der Ruhr und ein 24-Jähriger aus dem benachbarten Oberhausen vor dem Ludwigsburger Jugendschöffengericht wegen gemeinschaftlichen, gewerbsmäßigen Betrugs in drei Fällen verantworten. Auch eine Seniorin aus Kornwestheim war unter den Opfern und wurde von einem falschen Polizisten angerufen. Sie büßte Schmuck im Wert von rund 10 000 Euro ein. Der 22-Jährige, zu den Tatzeiten im juristischen Sinne noch Heranwachsender, wurde auch wegen Nötigung und Bedrohung belangt. Er bedrängte im November 2017 mit seinem Pkw auf der A 52 Richtung Düsseldorf mit etwa Tempo 140 eine Autofahrerin und richtete im Vorbeifahren eine Gaspistole auf ihr Gesicht. Die Frau wusste nicht, dass es sich um keine echte Pistole handelte.

Wegen dieses Verkehrsdeliktes führerscheinlos und mit einer dreijährigen Sperre für die Fahrerlaubnis belegt, suchte sich der Mühlheimer Fahrer für Betrugstaten. Er wollte schnelles Geld machen und war übers Internet auf die bundesweit agierende Betrügerbande aufmerksam geworden, deren Mitglieder sich als falsche Polizeibeamte ausgeben, um speziell Ältere um ihren Schmuck und um ihr Geld zu prellen. Der 24-Jährige chauffierte den 22-Jährigen gegen einen Teil der Beute.

Zuerst bekam eine ältere Dame in Augsburg einen Anruf aus einem Callcenter in der Türkei. Die Anruferin gab sich als Polizistin aus und behauptete, nach einem Einbruch in Augsburg sei ein Notizbuch, das in Verbindung mit der Seniorin stünde, gefunden worden. Tags drauf rief ein weiterer falscher Beamter an, fragte nach den Vermögenswerten der Frau und forderte sie auf, Krügerrandmünzen und Schmuck im Wert von etwa 34 000 Euro in einer Tüte vor ihrer Haustüre abzustellen. Ein Gutachter müsse prüfen, ob es sich um Plagiate handele. Die Angeklagten sammelten die Beute schließlich ein.

In Zürich meldete sich bei einem älteren Mann am 20. Februar vergangenen Jahres ein angeblicher Stadtpolizist, der behauptete, bei der Verhaftung zweier Rumänen seien Bankdaten des Mannes gefunden worden. Er solle deshalb 80 000 Schweizer Franken von der Bank abheben. Der Senior legte 40 000 Franken an einer Kirche ab – leichte Beute für die Angeklagten.

Beim dritten Versuch, Kasse zu machen, flogen die Männer am 28. Februar 2018 auf. Zunächst meldete sich bei einer Kornwestheimer Seniorin ein Anrufer „von der Sicherheitsabteilung der Polizei“ mit der Nachricht, es habe in der Straße der Seniorin einen Einbruch gegeben. Bei dem Täter sei ein Zettel mit ihrem Namen gefunden worden. Die Polizei müsse deshalb dringend ihren Goldschmuck fotografieren. Gegen 20 Uhr erschien der 22-jährige Mülheimer, nahm den Schmuck mit und sagte, er würde diesen wieder bringen. Die beiden wurden auf der Autobahn aber von der richtigen Polizei erwischt und festgenommen. Den Tipp hatten die Ludwigsburger Beamten von den Kollegen in München bekommen, die von dem Vorhaben Wind bekommen hatten. Kurz nach der Festnahme der zwei Täter meldete sich auch die Seniorin aus Kornwestheim bei der Polizei.

Verurteilt wurden die jungen Männer jetzt zu zwei Jahren sowie einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung. Richter Ulf Hiestermann bezeichnete die Taten bei der Urteilsbegründung als „besonders perfide und verwerflich“, weil es sich um schutzbedürftige Opfer handele, die sich im Staatsgebilde jetzt nicht mehr sicher fühlten und persönliche Gegenstände verloren hätten. Mit den Urteilen des Jugendschöffengerichts kamen sie wieder auf freien Fuß, allerdings nicht ohne Auflagen. Beide Betrüger müssen Schadenswiedergutmachung bezahlen.

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