Kornwestheim Sex zwischen Verlobten endet vor Gericht

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26-Jähriger war wegen Vergewaltigung und Körperverletzung angeklagt. Foto: dpa

Kornwestheim - Er soll seine damalige Verlobte im Schlafzimmer ihrer Wohnung in Kornwestheim zuerst vergewaltigt, ihren Arm schmerzvoll verdreht und die Frau dann auch noch in den Bauch geschlagen haben. Keineswegs nach einer Lappalie klang das, was die Staatsanwaltschaft einem 26-jährigen Mann vorgeworfen hat. Wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung musste er sich vor dem Amtsgericht Ludwigsburg verantworten. Doch während des Prozesses verstrickten sich sowohl der Angeklagte als auch das vermeintliche Opfer, eine 38-jährige Frau, in heftige Widersprüche.

Was hat sich wirklich an jenem Samstagnachmittag im April 2018 zugetragen? Diese Frage ließ sich während der rund dreistündigen Hauptverhandlung nicht klären. Laut Anklage soll der 26-Jährige seine damalige Partnerin in deren Wohnung zum Analverkehr gezwungen haben, obwohl diese zuvor geäußert hatte, keinen Sex zu wollen. Nach dem Geschlechtsakt sei es zu einer Konfrontation gekommen, wobei die Frau ihn aufgefordert habe, die Wohnung zu verlassen. Daraufhin habe er seine damalige Verlobte geschlagen.

Unterschiedliche Versionen

Der Angeklagte schilderte vor Gericht nun jedoch eine andere Version. Demnach sei es zum einvernehmlichen Vaginalverkehr gekommen. Im Anschluss sei eine verbale Auseinandersetzung zwischen den beiden entstanden, weil der 26-Jährige die folgenden Stunden nicht bei ihr verbringen wollte. Sie habe ihn am Gehen hindern wollen, sagte der Mann nun. Handgreiflich sei er keineswegs geworden.

Die Vorsitzende Richterin hielt dem Angeklagten vor, gegenüber der Polizei eine andere Geschichte erzählt zu haben. Dort hatte der 26-Jährige unter anderem ausgesagt, es sei zum Oralsex gekommen, aber er sei nicht in die Frau eingedrungen.

Viele offene Fragen blieben auch, als das vermeintliche Opfer als Zeugin gehört wurde. Sie behauptete während der Hauptverhandlung, der Ex-Verlobte habe ihren Arm auf den Rücken gedreht, sie aufs Bett geschubst und sei gegen ihren Willen von hinten in sie eingedrungen. „Ich hatte Schmerzen“, sagte die 38-Jährige vor Gericht. Danach habe sich der Mann geweigert, den Schlüssel zu ihrer Wohnung auszuhändigen. Seither sei sie „seelisch krank“ und habe zeitweise unter Schlafproblemen gelitten. Weil sie Angst vor dem in Stuttgart wohnhaften Angeklagten habe, sei sie sogar von Kornwestheim in die Oberpfalz gezogen.

Von dem Schlag in den Bauch schilderte die Frau vor Gericht zunächst nichts. Auch bei einigen Details zum Ablauf der vermeintlichen Vergewaltigung wich ihre jetzige Darstellung von ihrer Aussage bei der Polizei ab. Die Vorsitzende Richterin zitierte aus dem Protokoll der Kripo Ludwigsburg. „Das ist ein anderes Geschehen als das, was Sie uns heute schildern“, fasste sie zusammen.

Zudem tat sich die 38-Jährige sichtlich schwer, Nachfragen zu beantworten, zum Beispiel zu den Verletzungen. „Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Ich wollte das alles vergessen“, antwortete sie mehrfach. Und: „Ich bin irgendwie durcheinander im Moment.“ Minuten später sagte sie: „Jetzt erinnere ich mich wieder.“

Paar war schon vorher zerstritten

Beide räumten ein, dass es um die Beziehung schon vor jenem besagten Tag nicht gut gestanden hatte. Immer wieder sei es zu lautstarken Streitereien gekommen, erklärten beide, unabhängig voneinander, vor Gericht.

Am Ende blieb dem Schöffengericht nichts anderes übrig, als den Angeklagten in beiden Punkten freizusprechen. Damit wurde den Forderungen der Staatsanwältin und des Verteidigers entsprochen. „Wir haben heute viele Varianten gehört, die sehr unterschiedlich waren“, sagte die Vorsitzende Richterin. Ein konkreter Sachverhalt sei nicht festzustellen gewesen. Es blieben Zweifel an der Schuld des Angeklagten. „Daher gilt der Grundsatz: In dubio pro reo.“

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