Kornwestheim So dicht besiedelt wie das Stotzgebiet

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Hier wird angebaut: Am nördlichen Rand entsteht eine neue Wohnsiedlung. Foto: Archiv/Werner Kuhnle

Kornwestheim - Das erschien auch den Befürwortern einer Wohnbebauung am nördlichen Rand von Kornwestheim zu viel: Dort sollte pro Hektar nach ersten Überlegungen Wohnraum für 180 Menschen entstehen. In einer Klausurtagung des Gemeinderats ist diese Zahl nun auf 140 reduziert werden. Sie wird Grundlage für einen Architektenwettbewerb sein, den die Stadt – ein Ja des Gemeinderats in seiner nächsten Sitzung am 24. Juni vorausgesetzt – im Sommer ausloben wird. Der Sieger, der sich über 16 000 Euro freuen darf, wird am 3. Februar des kommenden Jahres gekürt.

140 Menschen pro Hektar – das ist vergleichbar mit dem Stotzgebiet, wo laut einer Berechnung der Stadt 143 Personen registriert sind. Dort wechseln sich Reihenhäuser mit viergeschossigen Mehrfamilienhäusern ab. Zum Vergleich: Im Wohngebiet Ost (die Reihenhäuser im Bereich zwischen Theodor-Heuss-Straße, Goerdelerstraße und dem Verbindungsweg dazwischen) leben 71 Menschen. Noch großzügiger lebt es sich im Kirchle in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Quartier: 52 Personen teilen sich dort einen Hektar.

Die Architekten sollen den Ausschreibungsunterlagen zufolge ein Wohngebiet mit „innovativen Lösungen aufzeigen, die ein möglichst breites Spektrum an Bau- und Wohnformen für diese Fläche ermöglichen“. 2,3 Hektar Platz stehen ihnen dafür zur Verfügung, etwas weniger als anfangs vorgesehen, weil die Stadt drei Grundstücke am Rande des Areals nicht hatte erwerben können.

Architekten dürfen sich austoben

Mehrgenerationenwohnen, Baugemeinschaften, Seniorenwohnungen – die Architekten dürfen sich bis zu einem gewissen Maße austoben. „Auf Grundrisstypen, die eine gewisse Vielfalt zulassen und generell flexibel bleiben, wird Wert gelegt“, heißt es in den Unterlagen. Im Mittelpunkt des neuen Quartiers soll der Mietwohnungsbau stehen. Ein Drittel der Wohnungen soll mit öffentlicher Förderung errichtet werden und damit an Menschen gehen, die nicht ganz so viel verdienen. Bei den Gebäudehöhen sind die Wettbewerbsteilnehmer frei. Aber natürlich sollen sich die Neubauten „in die Umgebung einfügen“. Die Stadt gibt den Architekten vor, Häuser mit Flachdächern oder flachgeneigten Dächern zu entwerfen – entweder, um sie zu begrünen, Solaranlagen zu installieren oder um sie den Bewohnern als Gemeinschaftsfläche zur Verfügung zu stellen.

Unterbringen sollten die Wettbewerbsteilnehmer in dem neuen Quartier nicht nur über 300 Personen, sondern auch einen Kindergarten, der allerdings, wie die Kita Ost II in Pattonville, in ein Wohngebäude integriert werden soll, und natürlich attraktive Freiflächen.

Und die Autos der Anwohner? Die, so steht es in den Auslobungsunterlagen, sollen in einer großen oder mehreren kleinen Tiefgaragen abgestellt und nicht den einzelnen Häusern zugeordnet werden. Die Stadt strebt ein „stark verkehrsberuhigtes Quartier“ an. Autoverkehr ist eigentlich nicht vorgesehen – sieht man einmal von Anlieferungen, Pflegediensten, der Müllabfuhr oder Rettungseinsätzen ab. Pro Wohnungen sollen die Architekten einen Stellplatz für Pkw unter der Erde und zwei Stellplätze für Fahrräder einplanen. Besucher dürfen ihre Fahrzeuge am Straßenrand abstellen. Aber: Der Platz ist rar. Je 15 Wohnungen gibt es nur eine Abstellmöglichkeit am Straßenrand. Und die dürfen auch in der Dürer- oder Zügel­straße liegen.

Was sind die Vorgaben?

Das neue Quartier soll über diese beiden Straßen erschlossen werden. Ursprünglichen Überlegungen, eine Straße von der Ludwigsburger Straße abzweigen zu lassen, hatte das Landratsamt einen Riegel vorgeschoben. Die Erschließung des neuen Wohngebiets sei kein Grund, die Allee an der Ludwigsburger Straße, die als Naturdenkmal eingestuft ist, anzutasten. Im neuen Wohngebiet soll es attraktive Fuß- und Radverbindungen geben, fordert die Stadt von den Planern ein.

Weitere Vorgaben an die Wettbewerbsteilnehmer: hohe energetische Standards, eine möglichst geringe Versiegelung und – wenn möglich – ein offenes Gewässer, über das das Regenwasser abgeführt wird. Außerdem: Ein Grundstück mit einer Größe von 2500 Quadratmetern ist aufgrund früherer Absprachen schon einem Bauträger versprochen. Dort müssen die Architekten 33 Wohnungen mit einer Wohnfläche von insgesamt 3000 Quadratmetern unterbringen.

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