Kornwestheim So komplex ist der Neubau der B-27-Brücke

Von
Eine Spur ist bereits gesperrt. Foto: Katharina Sauter

Kornwestheim - In den kommenden zweineinhalb Jahren wird der Neubau der Gumpenbachbrücke den Kornwestheimer Nordosten prägen. Was Anwohner und Autofahrer erwartet, stellten nun Planer des Regierungspräsidiums (RP) und der Kornwestheimer Baubürgermeister Daniel Güthler in einer Informationsveranstaltung vor. Etliche Bürger waren dafür am Montag ins K gekommen. Es gab Lob für die offene Informationspolitik der Behörden, aber auch kritische Nachfragen.

Wozu der Neubau?
Die rund 100 Meter lange Gumpenbachbrücke führt als Abschnitt der B 27 über das Tal südlich der Aldinger Straße. Etwa 50 000 Autos fahren täglich darüber. Die Brücke wurde 1954 gebaut. „Es gibt viele Korrosionsschäden“, sagt Tim Weirich, Sachgebietsleiter im Baureferat West des RP. Es sei nicht sinnvoll, die Brücke zu sanieren. Stattdessen wird sie für die stolze Summe von knapp 27 Millionen Euro – die der Bund trägt – neu gebaut.

Was ist Teil der Baumaßnahme?
Die Gumpenbachbrücke besteht eigentlich aus zwei Bauwerken, einem östlichen und einem westlichen. Beide werden von Grund auf neu aufgebaut. Als Teil der Baumaßnahme wird das Regierungspräsidium auch noch weitere Schwachstellen des Knotenpunkts ausmerzen: Die Anschlussstelle Kornwestheim Nord soll Ein- und Ausfädelstreifen erhalten, außerdem sollen teilweise höhere und modernere Lärmschutzwände aufgestellt werden, um die nahen Kornwestheimer Wohngebiete besser zu schützen. Neuer Asphalt wird im Bereich der Gumpenbachbrücke ebenfalls aufgebracht.

Wie ist der Stand?
Die Arbeiten haben bereits begonnen. Für das östliche Brückenbauwerk werden Bohrarbeiten vorbereitet und demnächst ausgeführt. Bis Mitte März ist deswegen der rechte Fahrstreifen der B 27 in Richtung Ludwigsburg gesperrt. Zur Vorbereitung werden Arbeitsebenen für die Bohrmaschinen hergestellt, anschließend Löcher für Pfeiler und Widerlager gebohrt.

Dürfen Autos weiterhin auf der B 27 fahren?
Das Regierungspräsidium organisiert die Arbeiten so, dass der Verkehr zu jeder Zeit weiter auf der Bundesstraße fahren darf. Deswegen wird zunächst das östliche und dann erst das westliche Bauwerk erneuert, sodass immer ein Brückenstück zur Verfügung steht, um die Fahrzeuge darüber zu leiten – wenn es auch natürlich nicht ohne Fahrbahnverengungen, Überholverbote und Geschwindigkeitsbegrenzungen geht. Güthler betonte die Vorteile für die Stadt. Bei einer Vollsperrung der Gumpenbachbrücke über viele Monate müsste Kornwestheim nämlich eine Menge Umleitungs- und Ausweichverkehr ertragen.

Wie geht es nun weiter?
Mehrere Bauphasen haben die Planer vom RP vorgestellt. Phase eins läuft zurzeit, sie beinhaltet auch noch die Herstellung des – zunächst ein Stück verschobenen – östlichen Bauwerks und einer provisorischen Ausfahrt an der Anschlussstelle Nord/West. Danach wird der Verkehr komplett auf die neue und die alte „Ostbrücke“ verlagert und das westliche Bauwerk abgerissen, außerdem weitere Verbauten und Widerlager hergestellt (Phase zwei). Sodann wird die westliche Brücke gebaut, der Verkehr wird teils darauf verlagert, die alte östliche Brücke abgebrochen und in der Folge auch ihre Widerlager (Phase drei). Sodann folgt mit Phase vier der Clou der Planung: Der Verkehr wird komplett auf den westlichen Brückenteil verlagert. Die östliche Brücke, die bislang noch ein Stück wegstand, wird nun an ihre endgültige Stelle geschoben. Dank dieser Technik ist es möglich, die östliche Brücke neu zu bauen und gleichzeitig die alte Ostbrücke weiter befahren zu lassen – und so den Verkehr während der gesamten Bauzeit weiterfließen zu lassen.

Was ist die "Beweissicherung"?
Das Ingenieurbüro Philipps aus Murr a.d. Murr wird Gebäude in der Nähe des Baufeldes – das zwischen der Überquerung der Zeppelinstraße und der Überführung Aldinger Straße liegt – beweissichern. Das heißt, dass der Zustand der Gebäude geprüft, außerdem Messstationen aufgestellt werden. So soll überwacht werden, ob die Erschütterungen während der Bohrarbeiten zu stark werden. Nach Abschluss der Arbeiten kann zudem überprüft werden, ob neue Schäden an Gebäuden entstanden sind. Die Beweissicherung führte zu einigen Nachfragen aus dem Publikum. Ob sie denn schon überall neben dem Baufeld stattgefunden habe? Und: Ob die „Grenzen“, bis zu denen beweisgesichert wird, so Sinn ergäben, wie sie gezogen wurden? Die Planer betonten, dass zunächst östlich der Brücke geprüft werde, dann erst westlich und boten an, bei Nachfragen direkt auf sie zuzukommen.

Was beschäftigt die Anwohner noch?
Viele Besucher der Infoveranstaltung bewegte außerdem die Sperrung der Straße Unterer Klingelbrunnen im Bereich der Brücke, die heute eingerichtet werden soll. Die Straße wird damit zur Sackgasse, Anwohner müssen durch den Haldenrain fahren und von dort auf die viel befahrene Aldinger Straße einbiegen, wo eine Ampel sie erwartet. Dass diese Nadelöhr-Situation schon bei der letzten Sperrung im Herbst nicht gut funktioniert habe, betonten mehrere Anwohner. Weitere Klagen gab es über wegfallende Parkplätze, wild – etwa am Brückle – parkende und wendende Baufahrzeuge und Dreck auf den Straßen, die von den beginnenden Arbeiten stammen. Daniel Güthler betonte, man habe viel getan, um die Situation so gut zu lösen wie möglich und beobachte sie weiter. „Ganz ohne Einschränkungen geht es natürlich nicht“, sagte er und lud die Anwohner ein, sich bei Problemen an die Stadt und das Regierungspräsidium zu wenden.

Artikel bewerten
6
loading
 
 

Sonderthemen