Kornwestheim Sogar der beste Freund belastet den Angeklagten

Von
Vor dem Landgericht muss sich der 32-Jährige verantworten. Foto: dpa/Marijan Murat

Kornwestheim - Wegen schwerer Vergewaltigung seiner Frau steht er vor Gericht. Nun will der Angeklagte, ein 32-jähriger Kornwestheimer, sein Schweigen brechen. Das hat seine Verteidigerin am Ende des dritten Verhandlungstages vor dem Stuttgarter Landgericht angekündigt. Nach der bisherigen Beweisaufnahme unter Vorsitz von Richterin Monika Lamberti sieht es für den Mann nicht gut aus: Sogar sein ehemals bester Freund ist als Belastungszeuge aufgetreten. Am kommenden Montag soll ein Psychiater sein Gutachten über den Kornwestheimer erstatten, der seine Noch-Frau mit einer Stichsäge zum Sex gezwungen und ein stundenlanges Folterquiz mit ihr gespielt haben soll.

Der mittlerweile in Vaihingen/Enz lebende Beschuldigte stellt mit seiner Rechtsanwältin die Glaubwürdigkeit und das Aussageverhalten der 40-jährigen Frau infrage, die den Angeklagten angezeigt und mit schweren Tatvorwürfen konfrontiert hat. Sie beschuldigt ihn zweier schweren Vergewaltigungen im Januar und Februar vergangenen Jahres in der gemeinsamen Wohnung. Dort lebten damals nicht nur das Paar, sondern auch mehrere Kinder.

Nachbarn rufen die Polizei

Bei der ersten Vergewaltigung soll der Mann den Geschlechtsverkehr erzwungen haben, indem er seine Frau mit einer Säge bedrohte. Vor der zweiten Vergewaltigung musste sich die Frau laut Anklage nackt auf einen Hocker setzen und eine Art Folter-Quiz mit dem Angeklagten machen. Immer wenn sie eine Frage falsch beantwortete, schüttete er kaltes Wasser über sie. Nach dieser stundenlangen Mal­t­rä­tie­rung soll er sie vor der zweiten Vergewaltigung ins Schlafzimmer gezogen und gezwungen haben, sich vor ihm selbst zu befriedigen.

Eine Nachbarin berichtete als Zeugin, das mutmaßliche Opfer habe im Mai vergangenen Jahres gegen ihre Wohnungstür geschlagen. Durch den Türspion habe sie gesehen, wie der Angeklagte die liegende Frau an den Haaren die Treppe hochzog. „Die Frau hat um Hilfe gerufen“, sagte die Zeugin, deren Familie die Polizei gerufen hatte. Als die Beamten eintrafen, gab das Opfer an, auf der Toilette mit einer aufgezogenen Spritze bedroht worden zu sein. „Ein Stich und du bist tot“, habe der Angeklagte gesagt. Dessen bester Freund ergänzte im Zeugenstand, ihm habe der Angeklagte erzählt, in der Spritze sei nur Nagellack gewesen. Eigentlich habe er Insulin besorgen wollen, denn das lasse Nicht-Diabetiker „elendiglich verrecken“. Die Spritze wurde bei der Durchsuchung auf dem Balkon gefunden.

Angeklagter soll gewalttätig sein

Ausgesagt hat auch die Mutter der 40-Jährigen. Sie bezeichnete ihren Noch-Schwiegersohn als „Lügner, Schauspieler und Blender“. Ihre Tochter, so die Rentnerin, habe sie oft mitten in der Nacht angerufen und um Hilfe gebeten. Als sie einmal in Kornwestheim zu Besuch gewesen sei, habe der Angeklagte den Couchtisch zerschlagen und gemeint: „Sei froh, dass ich nur den Tisch geschlagen habe und nicht deine Tochter.“ Sie habe auch Verletzungen an ihrer Tochter gesehen, als diese einmal aus der Dusche gekommen sei, fuhr die Mutter fort. „Ins Gesicht hat er sie nie geschlagen, nur in den Bauch und in die Rippen.“ Immer mit der Drohung, er werde ihr die Kinder wegnehmen. Die Mutter gab an, ihre Tochter sei dem Angeklagten hörig gewesen. Diese bestätigte, psychisch abhängig von ihrem Noch-Mann gewesen zu sein.

Der ehemals beste Freund des Beschuldigten hat den 32-Jährigen nach einem Selbstmordversuch in Kornwestheim in der Psychiatrie besucht. Dort habe er erfahren, dass der Angeklagte seiner Noch-Frau einen Peilsender ins Auto eingebaut habe, um ihr nachzustellen. „Ich fürchte, dass er sich bei seiner nächsten Partnerin wirklich das Leben nimmt“, sagte der ehemalige Schulfreund. Eine Kornwestheimerin, die den Beschuldigten schon lange kennt, äußerte sich ähnlich.

Artikel bewerten
0
loading
 
 

Sonderthemen