Kornwestheim „Solange die Hilfe eben benötigt wird“

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Mit Maske und vollem Korb: Annika Halbweiss ist eine Helferin des Einkaufsservice des DRK Kornwestheim und einmal wöchentlich im Einsatz. Foto: Dominik Florian

Kornwestheim - Der Appell war deutlich, den die Bundesregierung Mitte März formuliert hatte: Menschen, die Risikogruppen angehören, sollen das Haus möglichst nicht verlassen, nicht Einkaufen, nicht zur Apotheke gehen. Familie und Freunde sollen das erledigen.

Einige ältere Menschen und Vorerkrankte in Kornwestheim haben diese Unterstützung aber schlichtweg nicht. Das entstandene Vakuum haben Vereine und Einrichtungen vor Ort schnell gefüllt – und sie tun dies noch. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), die Handballabteilung des SV Kornwestheim, Vertreter der St.-Martinus-Gemeinde und Malteser haben Hilfsdienste eingerichtet.

„Wir haben einen Aufruf an Freiwillige gestartet“, sagt Patric Traber, Verantwortlicher des Einkaufsservices des DRK Kornwestheim. Insgesamt haben sich 13 Helferinnen und Helfer gemeldet, die sich seit dem 23. März um Erledigungen kümmern. „Wenn sich jemand meldet, schreibe ich das in unsere Whatsapp-Gruppe und wer Zeit hat, erledigt die Aufgabe“, erklärt Traber, „da geht es um Einkäufe, Rezepte abholen oder darum, Medikamente aus der Apotheke besorgen.“

Eine der Freiwilligen ist Annika Halbweiss. Sie erledigt die Einkäufe für eine ältere Frau und gibt einen Einblick, wie ein Einsatz für den Einkaufsservice des DRK abläuft. Routiniert zieht sich die 18-Jährige ihre Schutzmaske auf und wirft einen Blick in ihr Notizbüchlein. Der Einkauf fällt an diesem Tag übersichtlich aus. „Wir haben uns mittlerweile sehr gut aufeinander eingestellt, sodass ich den Wocheneinkauf auf einmal erledigen kann“, sagt sie. Als das DRK in Kornwestheim nach Helfern gesucht hat, war die FSJlerin sofort dabei. „Das DRK ist sowieso Träger meines FSJ und seitdem ich hier im Home-Office bin, wollte ich einfach vor Ort helfen“, sagt die Kornwestheimerin.

Mittlerweile bewegt sich die junge Frau sehr routiniert durch den Supermarkt in der Johannesstraße. Sie gehe in das gleiche Geschäft, in dem auch die ältere Dame immer eingekauft habe, erklärt Annika. „Dadurch kann ich das kaufen, was sie zuvor auch hatte und sie muss sich nicht umstellen“, sagt sie. Ganz ohne Anlaufschwierigkeiten verlief ihre Hilfe aber nicht. Bei einigen Produkten war die Auswahl so groß, dass die beiden zu einigen Tricks griffen. „Sie beschreibt mir einfach, wie die Packung aussieht“, sagt die 18-Jährige. Kniffelig wird es für die junge Frau, wenn Fleischgerichte auf der Liste stehen, die sie sich vorab telefonisch durchgeben lässt. „Ich bin Vegetarierin, da musste ich einige Male rätseln“, sagt sie.

Im Schnelldurchlauf sind dann auch zwei Packungen Kartoffelbrot, Rapsöl, Jodsalz, Waschmittel und die Fernsehzeitung gefunden. „Da fehlt doch was“, denkt Annika laut vor sich hin. „Die Milch, sie möchte immer Milch, die steht nicht drauf“, sagt sie und greift zum Telefon. Nach einem kurzen Gespräch die Bestätigung: noch zwei Liter in den Korb.

Dann runzelt die Annika die Stirn „Hühnerfrikassee und Königsberger Klopse, da muss ich suchen“, sagt sie und nimmt Kurs auf die Regale mit Fertiggerichten: nichts. Im Gefrierschrank entdeckt sie dann das Hühnerfrikassee. Aber die Klopse – Fehlanzeige. Die seien wohl aus, sagt ein Mitarbeiter. „Das ist kein Problem, dann eben beim nächste Mal“, sagt die junge Frau und schlendert zur Kasse. Nachdem sie die Einkäufe wieder im Korb verstaut hat, macht sie sich auf den Weg, um die Lebensmittel abzuliefern. „Das läuft dann mit einer Übergabe über den Balkon“, sagt Annika, „und dann wird noch gequatscht.“

Insgesamt 39-mal waren die Helfer des DRK bisher aktiv und werden das auch weiterhin tun. „Solange die Hilfe eben benötigt wird“, verspricht Patric Traber. „Wir haben uns gut eingespielt, es funktioniert ziemlich reibungslos.“

Für die Handballhilfe des SV Kornwestheim zieht Tanja Bahmann ein vorläufiges Fazit. „Wir haben noch immer jede Woche mindestens fünf bis sechs Anfragen“, sagt die Spielerin des Landesligateams. Allerdings gehe die Nachfrage ein wenig zurück. Was auch daran liegen könnte, dass sich – um im Sportjargon zu bleiben – viele „erfolgreiche Paarungen“ gefunden haben, die direkt miteinander kommunizieren. „Das funktioniert echt gut“, freut sich Tanja Bahmann.

Auch Aufgaben, an die vorher niemand gedacht hätte, übernehmen die SVKler in der Zwischenzeit. „Essen von Tochter zu Mama bringen oder umgekehrt, Getränke ausladen und anderes“, so Bahmann. Insgesamt sind 45 Sportler bei der Handballhilfe eingebunden, allesamt Spielerinnen und Spieler aus den beiden Frauen- sowie den vier Männerteams. Sie machen allesamt mit, bis wieder ein regulärer Trainingsbetrieb erlaubt ist – allerdings ist die Saison ohnehin abgebrochen worden. „Wir machen es, so lange es die Zeit zulässt und wir die Helfer haben“, sagt Tanja Bahmann.

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