Kornwestheim Stadt sagt den Weihnachtsmarkt ab

Von Peter Meuer und Anne Rheingans
Gemütlich, aber auch recht eng geht es in den Abendstunden auf dem Weihnachtsmarkt im Alten Dorf zu. Bei den örtlichen Gegebenheiten sei es schwierig, die Abstandsregeln einzuhalten und zu kontrollieren, sagt Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - Der Kornwestheimer Weihnachtsmarkt im Alten Dorf fällt in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Das bestätigte die Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Zeitung. Der Ältestenrat habe dazu getagt und sich besprochen, teilte Oberbürgermeisterin Ursula Keck mit. „Meine Empfehlung war, da die Infektionszahlen nach oben gehen, auf den Markt zu verzichten“, so die OB. Es sei auch nicht schwer gewesen, hierzu im Gremium einen Konsens herzustellen. Keck beschreibt die Probleme, die bei der Veranstaltung zum Tragen gekommen wären und die auch von den Bürgermeistern im Städtetag kürzlich diskutiert worden seien. „Wir hätten die verschiedenen Areale auf dem Markt abgrenzen, die Abstandsregeln kontrollieren müssen.“ Auch sei es derzeit geboten, auf den Alkoholausschank zu verzichten. „Und zum Weihnachtsmarkt gehört der gemeinsame Glühwein ja eigentlich dazu“, sagt Keck.

Eine Kornwestheimer Besonderheit: Der Platz im Alten Dorf rund um die Martinskirche ist beengt. Das macht einerseits die spezielle Atmosphäre aus, andererseits ist es aber auch schwieriger, „Areale“ abzustecken und Raum zu schaffen, als zum Beispiel in Ludwigsburg – wo sich der Markt zudem über mehrere Wochen zieht und sich nicht wie in Kornwestheim auf ein Wochenende beschränkt. Traditionell sind die Buden am zweiten Adventswochenende in Kornwestheim geöffnet. Das wäre in diesem Jahr am 5. und 6. Dezember gewesen.

Nicht nur für die Besucherinnen und Besucher ist die Absage des Marktes bedauerlich, sondern auch für die Kornwestheimer Vereine, die sich an der Veranstaltung rege beteiligt haben und über den Verkauf von Leckereien und Handwerk ihre Kasse gefüllt haben. Sie zeigen bei einer Umfrage unserer Zeitung Verständnis für die Entscheidung der Stadt, sind aber auch traurig darüber, dass ihnen eine weitere Einnahmequelle wegbricht. „Es ist nicht so, dass für uns nur der Weihnachtsmarkt ausfällt, sondern auch andere Feste wie die Kornwestheimer Tage nicht stattfanden. Unsere Einnahmen in diesem Jahr sind gleich null“, gibt Siegfried Rupp, Schriftführer beim Männergesangverein Kornwestheim, zu bedenken. Der MGV hat in den Vorjahren bei dem Markttreiben Glühwein und Würste verkauft. Ein Jahr ohne die Einnahmen aus solchen Festen könne der Verein auffangen. Danach werde es finanziell kritisch. „Wir machen jetzt das Beste draus und hoffen, dass 2021 für uns wieder normal läuft“, sagt Siegfried Rupp.

Auch für die Fasnetzunft ist es sehr schwer, die finanziellen Einbußen aufzufangen. „Schlimmer als die Absage des Weihnachtsmarktes ist, dass auch alle anderen Veranstaltungen in diesem Jahr ausfallen. Für uns Vereine sind die Feste maßgebend, um die laufenden Kosten zu decken“, sagt Oberzunftmeisterin Marion Schneebeli. Sie rechnet damit, dass auch die meisten Fasnetveranstaltungen wegen der Pandemie nicht stattfinden werden können. In diesem Jahr können die Verluste noch verkraftet werden – auch weil viele geplante Ausgaben gestrichen wurden, wie Schneebeli erklärt. „Wenn es nächstes Jahr so weitergeht, wird es echt schwierig“, sagt sie. Neben dem finanziellen Aspekt bedauert die Oberzunftmeisterin auch, dass für die Narren eine Gelegenheit entfalle, für ihren Verein Werbung zu machen. Der Essensstand der Zunft, der einen festen Platz im Alten Dorf hatte, sei immer gut besucht und ein beliebter Anlaufpunkt gewesen.

In eine ähnliche Richtung denkt Michael Meyle, der Erste Vorsitzende der Städtischen Orchester. „Für uns ist der Weihnachtsmarkt wichtig für die Außendarstellung“, erklärt er. Zwar haben die Musiker im Alten Dorf in den Vorjahren Kulinarisches wie Waffeln, Gebäck und Glühwein sowie kunsthandwerkliche Gegenstände angeboten. Der Verkauf mache allerdings nur etwa ein Fünfzehntel der jährlichen Einnahmen aus. Wesentlich bedeutsamer sind in Bezug auf die Absage nach Ansicht von Meyle die Auftritte der Städtischen Orchester beim Markt. Durch den Ausfall weiterer Veranstaltungen wie des Musik- und Gartenfestes und der Kornwestheimer Tage brachen mehrere Gelegenheiten weg, sich vor Publikum zu präsentieren. Bis zum Jahresende wollen die Städtischen Orchester deshalb musikalische Impulse mit einem kleinen Programm im Freien setzen, zum Beispiel in der Vorweihnachtszeit, kündigt Meyle an.

Immerhin: Der Kunsthandwerkermarkt Kornwestheim wird stattfinden. Hierfür hat die Stadt eine kreative Lösung gefunden. Sie verlegt den Markt, und zwar auf das Wochenende, 28. und 29. November, einfach in die Ravensburger Kinderwelt im Wette-Center.