Kornwestheim Stadt will bei der Schusterbahn mitreden

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Die Schusterbahn soll eine neue Taktung bekommen und künftig nicht mehr in Kornwestheim halten. Foto: z

Kornwestheim - Bis zum Jahresende will der Verband Region Stuttgart ein Fahrplankonzept erarbeiten, wie die Schusterbahn später einmal verkehren kann. Oberbürgermeisterin Ursula Keck und der Erste Bürgermeister Daniel Güthler machten jetzt in einem Gespräch mit Regionaldirektorin Dr. Nicola Schelling deutlich, dass die Stadt Kornwestheim in die Überlegungen zur Streckenverlängerung der Schusterbahn enger einbezogen werden will. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die Schusterbahn am Personenbahnhof in Kornwestheim vorbeifahre, warnte die Stadtspitze.

Aber genau das ist derzeit im Gespräch. Fahren bisher nur drei Zugpaare jeweils am Morgen und am Abend, so soll die Schusterbahn künftig im Halbstundentakt verkehren. Endhaltestellen könnten im Norden Markgröningen oder Bietigheim-Bissingen sein, im Süden Esslingen oder gar Plochingen. Aber: Es gäbe keinen Halt mehr am Bahnhof in Kornwestheim. Die Schusterbahn würde über den Rangierbahnhof an Kornwestheim vorbeifahren und lediglich an einem neuen Bahnhof W & W halten, sofern der überhaupt verwirklicht wird. Um einen Halt am Pbf in Kornwestheim zu ermöglichen, müsste ein sogenanntes Überbrückungsbauwerk errichtet werden. Die Kosten dafür belaufen sich – je nach Ausgestaltung – auf 30 bis 60 Millionen Euro, ein Vielfaches von dem, was für den Ausbau der Schusterbahn veranschlagt worden ist. Da war von neun Millionen Euro die Rede.

Gleichwohl: Die Schusterbahn, die derzeit täglich von rund 500 Fahrgästen genutzt wird, muss in Kornwestheim halten, betonten Keck und Güthler. Keck verwies auf die vielen Arbeitsplätze in der Stadt und die Pendler, die jeden Tag nach Kornwestheim kommen. „Die damit verbundene Verschlechterung des ÖPNV-Angebotes ist für die Stadt Kornwestheim mit ihren 34 000 Einwohnern, die heutigen Nutzer der Schusterbahn, nicht akzeptabel“, so der Erste Bürgermeister Daniel Güthler.

Schelling machte keine großen Hoffnungen auf einen Halt am Pbf Kornwestheim. „Wir haben im Verkehrsausschuss den Auftrag erhalten, mit der DB Netz AG eine Betriebsprogrammstudie durchzuführen“, erklärte sie. Diese sehe vor, dass die S-Bahn im Halbstundentakt und ohne Halt von Bietigheim bis nach Ludwigsburg sowie von Untertürkheim bis Esslingen unterwegs sein müsse. Angedacht sei zwar ein Halt an einem neuen Bahnhof W & W, nicht aber am Kornwestheimer Bahnhof.

Die Stadt Kornwestheim werde alles dafür tun, in Kornwestheim eine zweite Haltestelle anzubieten, betonen Keck und Güthler laut einer Pressemitteilung der Stadt. „Wir erwarten, dass in die Untersuchung zur Streckenverlängerung der Schusterbahn die Anbindung an den Personenbahnhof in Kornwestheim unbedingt einfließt“, betonte Güthler bei dem Treffen mit Schelling. Grundsätzlich begrüße die Stadt Kornwestheim aber den Impuls zur Taktverdichtung sowie die Streckenverlängerung.

Das tut auch der Bezirksbeirat Stuttgart-Münster, der sich gleichfalls mit dem Ausbau der Schusterbahn befasst hat. Der Bahnhof in Münster soll für eine häufiger fahrende Bahn ausgebaut werden. Erforderlich wären ein zweiter Bahnsteig und ein Überholgleis für Güterzüge. Die Bezirksbeiräte sind davon überzeugt, dass die Schusterbahn viele neue Fahrgäste anziehen würde. „Mit der direkten Anbindung von Münster an das umfangreiche S-Bahn-Schienennetz werden weitere Nutzer folgen“, heißt es in einem Antrag der Bezirksbeiräte an die Stadt Stuttgart.

In einer ähnlichen Position wie Kornwestheim befindet sich Obertürkheim. Die „neue“ Schusterbahn soll zwar durch den Stuttgarter Stadtteil rollen, aber dort nicht am Bahnhof halten, weil laut den Plänen die Züge von Untertürkheim bis Esslingen oder Plochingen ohne Stopp verkehren sollen. Obertürkheim, so betonte SPD-Bezirksbeirat Michael Jantzer in einer Sitzung, sei „ein ganz entscheidender Umsteigeknoten auf verschiedene, wichtige Buslinien“ und verwies beispielhaft auf jene zum Flughafen. Die Lokalpolitiker in Obertürkheim sind sich der technischen Schwierigkeiten aber bewusst. Unter anderem müssten ein heute brachliegender Bahnsteig erhöht und die Gleise reaktiviert werden.

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