Kornwestheim Stadtbahn soll bis Kornwestheim fahren

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Michael Schalling, Daniel Joppien, Thomas Ulmer und Silke Holzbog (von links) fahren mit der Schusterbahn nach Untertürkheim. Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Die Sonne strahlt auf die Regionalbahn und die vier Kandidaten der Grünen für den Gemeinderat strahlen mit ihr um die Wette. „RB 11“ steht nüchtern auf dem roten Gefährt, das da an den Kornwestheimer Gleisen darauf wartet, dass Silke Holzbog (49), Michael Schalling (46), Daniel Joppien (28) und Thomas Ulmer (57) einsteigen. Heimeliger klingt die Bezeichnung „Schusterbahn“, der Name stammt noch aus jenen Zeiten, als Salamander-Arbeiter zwischen Kornwestheim und Untertürkheim hin und her pendelten.

Auch heute pendeln Personenzüge regelmäßig über die zwölf Kilometer lange Strecke. Die Grünen haben unsere Zeitung für die Kommunalwahlserie „90 Minuten“ eingeladen, sie auf einer Hin- und Rückfahrt zu begleiten und unterwegs im S-Bahn-Abteil über politische Ideen und ihr Wahlprogramm für Kornwestheim zu plaudern. Das passt gut: Die Schusterbahn ist nicht nur eine emotionale Angelegenheit – sie steht auch sinnbildlich für ein Leib- und Magenthema der Grünen: Konzepte für den öffentlichen Personen-Nahverkehr.

Und so beginnt Thomas Ulmer, aktuell Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gemeinderat, zu berichten, während der Zug sich leise rauschend in Bewegung setzt.

Generell sei der Ausbau der Gleisverbindungen notwendig. Und: „Wir müssen alte Bahnlinien reaktiven“, betont Ulmer, „wenn wir die Menschen zum Umsteigen bewegen wollen“. Viele Bahnlinien seien in den 60er und 70er Jahren stillgelegt worden – der Grüne Verkehrsminister Winfried Hermann will darauf wieder Züge fahren lassen, wie er vor wenigen Wochen verkündete. Hier sind die Kornwestheimer Grünen ganz auf seiner Linie.

Die örtlichen Kandidaten haben aber noch eine weitere, sehr lokale Idee im Gepäck, gleichsam eine Vision. Der Ludwigsburger Stadtbahn-Kompromiss ist gefunden – wieso also nicht noch eine Verlängerung der Stadtbahn von Pattonville nach Kornwestheim bauen? „Das ist eine neue Forderung, die wir uns überlegt haben“, sagt Ulmer, der als Polizeibeamter arbeitet. Pattonville ließe sich so schnell und einfach anbinden. Ein möglicher Trassenverlauf sei von Pattonville kommend am Friedhof vorbei über die Ludwigsburger Straße und in Richtung Kornwestheimer Bahnhof.

Auch wenn die Grünen sich für das Thema ÖPNV natürlich besonders erwärmen können – sie haben für die Stadt Kornwestheim noch einige Konzepte mehr im Gepäck. Da ist zum Beispiel die Sache mit dem bezahlbaren Wohnraum. Hier schaltet sich Daniel Joppien verstärkt ins Gespräch ein. Der Jugend- und Heimerzieher, der auch als Kreistagskandidat antritt, betont: „Das ist ein schwieriges Thema.“ Er spricht vom Spannungsfeld zwischen dem Schutz von Flächen und dem notwendigen Wohnungsneubau. Es brauche neue Konzepte, Dachstühle müssten ausgebaut, Leerstände angegangen werden, genau geschaut werden, wo Neubauten möglich sind – auch mit Blick auf den Klimawandel, sagt Joppien und spricht auch über Fassadenbegrünung.

Mittlerweile ist der Zug in Untertürkheim angekommen und fährt wenige Minuten später wieder zurück gen Kornwestheim. Auf der Rückfahrt wird es thematisch etwas breiter. Die Grünen sehen sich als fortschrittliche Partei, die auch moderne Varianten der Bürgerbeteiligung in den Fokus rückt. Die Kornwestheimer Kandidaten machen da keine Ausnahme. Michael Schalling, von Beruf Studiomusiker und jemand, der auch einmal um die Ecke denkt, wirbt für eine Bürgerapp fürs Handy in Kornwestheim – eine Mischung aus Infoportal und sozialem Netzwerk. Auch Umfragen und das Einholen von Meinungsbildern seien über ein solches Format möglich, ergänzt Silke Holzbog, die ebenfalls für den Kreistag kandidiert und sich unter anderem für ein gutes Radwegenetz, mehr Car-Sharing und eine gute Ausstattung von Kindertagesstätten und Schulen einsetzt.

Apropos Schulen: Auch die Grünen wissen, dass die Bildungsstätten wohl das beherrschende Thema des nächsten Kornwestheimer Gemeinderates werden. Joppien und Holzbog skizzieren ihre Vorstellung der künftigen Schulen: Die Gemeinschaftsschule könnte zum entsprechend erweiterten Theodor-Heuss-Realschul-Campus ziehen, die Förderschule dafür in die Räume der Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule, die Bolzschule hätte Platz, dreizügig zu werden. Und ja, für ein Jugendcafé im Innenstadtbereich müsste sich dann auch Platz finden lassen, betont auch Ulmer.

Mittlerweile ist die Schusterbahn wieder in Kornwestheim angekommen. Die 90 Minuten sind noch nicht ganz um, es bleibt noch Zeit für ein alkoholfreies Weizen im Hirschgarten. Und für ein wenig, teils politisch-visionäres, Geplauder. Wieso nicht öffentliche „public Besen“, damit jeder helfen könne, die Stadt sauber zu halten, findet Michael Schalling. Oder allgemein zugängliche Gärten, Obst- und Gemüsefassaden? Ach ja, und Tempo 30. „In der ganzen Stadt“, sagt Thomas Ulmer.

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