Kornwestheim Stadträte wollen das umstrittene Bauprojekt

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Ausschnitt aus der lokalklimatischen Untersuchung Foto: Peter Meuer

Kornwestheim - Die Zeichen verdichten sich, dass das Immobilienunternehmen Pflugfelder sein umstrittenes Bauprojekt zwischen Mühlhäuser Straße und Wiesengrund in nicht allzuferner Zukunft umsetzen darf. Zwar haben die Stadträte im Ausschuss für Umwelt und Technik am Dienstagabend den Bebauungsplanentwurf für das Areal nicht in jener Version abgesegnet, die die Stadtverwaltung als Vorlage auf die Tische brachte. Doch quer durch die Fraktionen signalisierten die Kommunalpolitiker Zustimmung, bald das detaillierte Baurecht angehen zu wollen. Grund für eine weitere Verzögerung war am Ende ein Antrag der Grünen-Stadträtin Edda Bühler, dem eine Mehrheit zustimmte. Demnach soll die Verwaltung Bebauungsplanentwurf und Bauvorschriften noch einmal so überarbeiten, dass begrünte Flachdächer im rückwärtigen Teil des Gebiets und damit für sechs der neun vorgesehenen Mehrfamilienhäuser möglich werden, was so im alten Ortskern, zu dem das Areal gezählt wird, nicht vorgesehen ist. Entschieden werden soll über den überarbeiteten Entwurf vermutlich Anfang des kommenden Jahres.

Die grünen Dächer sollen Regen aufsaugen, Überschwemmungen verhindern, dem Gebiet Kühlung bringen. Aus Sicht der Bürgerinitiative Rothackerhof-/Sprecherareal, die das Bauvorhaben verhindern will, war die Entwicklung während der Sitzung dennoch alles andere als positiv. Viele der Projektgegner waren in den Ausschuss gekommen. Dr. Christian Geißler vom Tübinger Büro für Technischen Umweltschutz Dröscher stellte zunächst seine mehrfach überarbeitete lokalklimatische Untersuchung vor. Seine Grafiken und Analysen sollten die Vorbehalte der Projektgegner entkräften, die befürchten, dass sich das Klima auf dem Areal verschlechtert und die Häuser zudem eine für die gesamte Stadt wichtige Frischluftschneise zubauen. Dass die Luft sich andere Wege suche, betonte Geißler und auch, dass der Wegfall eines zunächst vorgesehenen zehnten Gebäudes die klimatische Situation verbessere. Auf den gesamtstädtischen Bereich hat der Bau der Häuser seiner Ansicht nach „keine wesentlichen Auswirkungen“.

Und die Frischluftschneise? „Sie ist kein Thema. So, wie wir sie definieren, ist sich nicht vorhanden“, sagte der Experte. Zwar sei sie im Flächennutzungsplan dargestellt – auf diesen weist die Birsa immer wieder hin –, der aber gehe von einer idealtypischen Landschaft aus, die so gar nicht vorhanden sei.

Für diese Einordnung musste sich der Wissenschaftler vor der Tür des Ratssaals dann einiges von Seiten der Bürgerinitiative anhören, deren Vertreter während der eigentlichen Sitzung kein Rederecht hatten. Eine Untersuchung der Entwicklung von Frischluft und Klima in der Gesamtstadt, die gebe es nach wie vor nicht, die Untersuchung sei im Sinne des Investors, so die Kritik.

„Wohin wollen wir die Stadt eigentlich entwickeln?“, stellte der Freie Wähler Pascal Fuchs am Ende noch als Frage in den Raum. Dass dieses grundsätzliche Thema bereits in Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan diskutiert worden sei, antwortete die Oberbürgermeisterin Ursula Keck. Grundsätzlich, so hatten die Stadträte damals beschlossen, will man im Innenstadtbereich eben nachverdichten.

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