Kornwestheim Stadtwerke-Fusion: Vertrauen gewachsen

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Der Blick ins Wasserreservoir unterm Jakob-Sigle-Platz: Auch das ist ins Eigentum der Stadtwerke übergegangen. Foto: Mathes

Kornwestheim - Nein, eine Liebesheirat war’s nicht. „Das ist keine Fusion. Wir werden geschluckt“, schimpfte Stadtrat Claus Langbein (Grüne) vor zehn Jahren. Auch aus den Worten des SPD-Fraktionsvorsitzenden Siegbert Hörer sprach nicht unbedingt hemmungslose Hingabe: „Wir haben einen Partner gefunden, der uns Luft zum Atmen lässt.“ Die Ehe hält. Ach, nicht nur das: Das Vertrauen ist gewachsen und Stimmen, dass es ein Fehler war, die Verbindung einzugehen, sind in Kornwestheim nicht mehr zu hören.

Was wäre eigentlich passiert, hätten die kleinen Stadtwerke Kornwestheim ihren eigenen Weg fortgesetzt? SWLB-Geschäftsführer Bodo Skaletz, vor zehn Jahren schon in Amt und Würden, kann sich vorstellen, dass es sie weiterhin geben würde – allerdings hätten sie viele Leistungen, die sie alleine nicht erbringen können, bei den Branchenriesen einkaufen müssen. Und ob eigenständige Stadtwerke Kornwestheim jährlich eine Konzessionsabgabe von 1,7 Millionen Euro an die Stadt zahlen würden? Vermutlich nicht.

Kornwestheim habe von der Fusion profitiert, davon ist Skaletz überzeugt und verweist auf die Zahlen. 47 Millionen Euro habe das Unternehmen auf Kornwestheimer Gemarkung investiert – mehr als ein Fünftel der Summe, die die SWLB insgesamt in Sanierungen, Neubauten und Zukunftsprojekte gesteckt hätten. Der Anteil liegt damit deutlich über den 14,2 Prozent, die der Stadt Kornwestheim an den Überschüssen, die von den Stadtwerken erwirtschaftet werden, zustehen. Am Unternehmen selbst hält die Stadt Kornwestheim einen Anteil von 25,1 Prozent und hat damit eine Sperrminorität.

Die Mitgift, die Kornwestheim in die Ehe einbrachte, war seinerzeit allenfalls mittelprächtig. Die Infrastruktur war in die Jahre gekommen, weil das Geld fehlte, war manches nicht erneuert worden, was einer Sanierung bedurft hätte. „Aber wir wussten, auf was wir uns einlassen“, sagt Bodo Skaletz, schon damals Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsburg. Knapp 50 Beschäftigte wechselten vom Kornwestheimer Rathaus in die Stadtwerke-Zentrale an der Gänsfußallee.

Zum Fusionsgeburtstag hat sich Skaletz zusammenstellen lassen, was die Stadtwerke in den vergangenen zehn Jahren in Kornwestheim getan haben: Verlegt worden sind unter anderem 13,3 Kilometer Straßenbeleuchtungskabel, 15,6 Kilometer Fernwärmeleitungen, 33,7 Kilometer Gasleitungen, 29,6 Kilometer Mittel- und Niederspannungsleitungen. 450 000 Euro haben die Stadtwerke ins Alfred-Kercher-Bad investiert, eine Biogasanlage in der Tal- und ein Blockheizkraftwerk in der Eastleighstraße sind eingeweiht worden. Die Tiefgarage unterm Holzgrundplatz ist gebaut, das Cityparkhaus ist ebenso saniert worden wie die Wasserversorgung am Rathaus. Letzteres, erinnert sich Skaletz, sei durchaus eine Herausforderung gewesen.

Seit dem 1. Juli steht Bodo Skaletz mit dem 43-jährigen Christian Schneider, der von den Stadtwerken Pforzheim kam, ein zweiter Geschäftsführer zur Seite. Sie haben die Zukunftsprojekte eingestielt – die Solarthermieanlage auf dem Römerhügel zum Beispiel, die im Jahr 2020 in Betrieb gehen wird. Derzeit sei man dabei, die Aufträge zu vergeben, berichtet Skaletz. Fürs Alfred-Kercher-Bad steht in absehbarer Zeit eine Generalsanierung an. Die Konzeption dafür ist in Arbeit. Auch im Breitbandausbau engagieren sich die Stadtwerke intensiv.

Die Partner Ludwigsburg und Kornwestheim haben – was das gemeinsame Agieren bei den Stadtwerken betrifft – Gefallen aneinander gefunden.

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