Kornwestheim Staub legt sich auf die alten Schätze

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Ach, das waren noch Zeiten: Klaus Allgöwer empfängt eine junge Besuchergruppe im Museum und bringt ihnen die Welt Philipp Matthäus Hahns näher. Foto: Archiv/Birgit Kiefer

Kornwestheim - Was würde Philipp Matthäus Hahn (1739–1790) in diesen Tagen, in denen Abstand geboten und das öffentliche Leben zum Stillstand gekommen ist, wohl tun? Vermutlich das, was er ohnehin am liebsten getan hat: Er würde die Tage nutzen, um an Uhren und Rechenmaschinen zu schrauben und zu sinnieren, wie man die Zeit besser anzeigen und Gewichte genauer messen könnte. Seine Werkstatt, untergebracht im Pfarrhaus an der Pfarrstraße, würde weiterhin von ihm eifrig genutzt. Das Vermächtnis des Mechanikerpfarrers in Ehren halten und an ihn erinnern will der Freundeskreis Philipp Matthäus Hahn, der sich im Jahr 2008 gegründet hat. Aber das ist in diesen Tagen leichter gesagt als getan.

Das Museum, das der Verein im Jahr 2012 justament in den Räumlichkeiten eingerichtet hat, in der auch Philipp Matthäus Hahns Werkstatt war, ist coronabedingt seit einem Jahr geschlossen. „Die Anforderungen der Hygienevorschriften könnten wir gar nicht erfüllen“, sagt der Freundeskreis-Vorsitzende, Klaus Allgöwer. Sich in den kleinen Räumen aus dem Weg zu gehen, das ist schlechterdings kaum möglich. Es gibt auch nur einen Zugang. Und so hat der Freundeskreis seit dem Frühjahr darauf verzichtet, seine Schätze der Öffentlichkeit zu zeigen. „Das Museum verstaubt“, sagt Allgöwer ein wenig resigniert.

Auch hinter den Kulissen tut sich coronabedingt nur wenig. Vereinstreffen wären ohnehin nicht erlaubt, sich zu Digitalkonferenzen zu verabreden, das wollen die Mitglieder, die auf ein Durchschnittsalter von rund 75 Jahren kommen, dann doch nicht. Und so sind die Vereinsaktivitäten zum Erliegen gekommen. „Wir müssen akzeptieren, dass es derzeit nicht geht“, sagt Allgöwer.

Was aber nicht heißen soll, dass der Freundeskreis darüber nachdenkt, seine Aktivitäten einzustellen. Allgöwer arbeitet derzeit an einer neuen Broschüre über das außergewöhnliche Museum an außergewöhnlichem Ort, die mit neuem Layout auf die Hahn’schen Raritäten in der Pfarrstraße aufmerksam machen soll. Und sobald es die Vorschriften erlauben, will der Freundeskreis auch wieder seine Sammlung der Öffentlichkeit präsentieren. Aber natürlich nicht, ohne dass zuvor abgestaubt worden ist. . .

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