Kornwestheim Staubwirbel und Leuchtturmprojekte

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Ein Leuchtturm – Sinnbild für wegweisende Vorzeigeprojekte. Foto: dpa

Kornwestheim - Nein, aufgeheizt oder gar mit unfairen Ausfällen garniert waren die Wochen vor der Gemeinderatswahl in Kornwestheim nicht. Und ohnehin sind demokratische Wahlkämpfe ja von Unabwägbarkeiten und Unsicherheiten geprägt – wenn man nicht gerade über Wahlen im ländlichen Raum im Bayern der 70er Jahre spricht.

Und doch: Gewisse Üblichkeiten in typischen schwäbischen Kommunen (die klassischen Volksparteien und die Freien Wähler dominieren klar, die Menschen wählen vor Ort Menschen, die sie kennen) sind schon seit einiger Zeit ins Rutschen geraten. Das wirkte sich auch in Kornwestheim auf den Wahlkampf aus. Nicht aufgeheizt, nicht unfair, aber doch etwas nervöser und robuster als etwa 2014 mag die Stimmung daher erschienen sein.

Da ist zunächst einmal die Sache mit den bundesweiten Trends. Gründet die AfD einen Stadtverband? Stellt die Partei eine Liste auf? Diese Fragen geisterten etwa noch im Frühjahr durch die Kommune. Nimmt man die Ergebnisse von Kreistags- und Europawahl als Maßstab, hätte die AfD wohl aus dem Stand zwei, drei Stadträte gestellt, wäre es soweit gekommen. Der SPD schwante darüber hinaus generell im Vorfeld nicht nur Gutes. Dass die Menschen heute eben auch bei Kommunalwahlen gerne mal ihr Kreuzchen vorrangig bei Partei statt Person machen, das orakelte etwa der erfahrene Kommunalpolitiker und SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Michael Gritz bereits im Voraus. Das schwache Abschneiden der Sozialdemokraten, auch die Verluste bei der CDU und vor allem die Gewinne der Grünen in Kornwestheim zeugen hiervon.

Einen engagierten und mit Optimismus gewürzten Wahlkampf führten am Ende – vielleicht auch gerade wegen der unsicheren Ausgangslage – fast alle Kornwestheimer Parteien. Regelmäßig waren Infostände aufgebaut, es gab vielseitige Veranstaltungen für die Wähler, Kinobesuche und Gemeinderatsspeeddating etwa bei den Grünen. Es war in weiten Teilen ein personalisierter Wahlkampf. Auf etlichen Plakaten waren nicht nur Logos und Allgemeinplätze zu lesen, stattdessen lächelten Kandidaten-Gesichter die Bürger an. Eigentlich alle Fraktionen versuchten, die Zeichen der Zeit erkennend, die Vielschichtigkeit ihrer Kandidaten, und vor allem der jüngeren, stärker hervorzuheben. Schon früh stark wahrnehmbar in der Stadt war die CDU.

Etwas unter ging nur der Wahlkampf der Linkspartei. Die Linken verloren zwar am Ende ihren Sitz nicht, doch spürbar fehlte es Annegret Jeziorski und ihrer Mannschaft zwischenzeitlich an Manpower. So präsent wie die politische Konkurrenz war die Linkspartei nicht in den vergangenen Wochen.

Ebenfalls bemerkenswert: Mehrere Parteien versuchten, neue kommunalpolitische Einzelthemen zu setzen, die in den Bereich Leuchtturmprojekt fallen. Die CDU warb beispielsweise für einen Kreisverkehr an der Kreuzung Johannesstraße/Stuttgarter Straße. Die Grünen zeichneten die Vision einer Stadtbahnverlängerung von Pattonville nach Kornwestheim. Und dann waren da natürlich noch die Liberalen mit der Kantstraße – eine waschechte Kornwestheimer Wahlkampf-Besonderheit. Die runderneuerte und verjüngte FDP wirbelte ordentlich Staub mit dem Vorschlag auf, das Jugendzentrum kurzerhand in die alte Stadtbücherei zu verlegen, auch wenn ein Gemeinderatsbeschluss festlegte, dass dort die Stadtgeschichtliche Sammlung unterkommen soll. Robust, etwas schrill und nicht ohne ihren Batzen Kritik abzubekommen traten die Liberalen auf. Auch markige Worte wählten sie zuweilen. Als „unheilige Allianz“ bezeichneten sie etwa die Parteien, die eine von der Initiative Kant 10 mit Hilfe der FDP zum Thema Juz organisierte Podiumsdiskussion absagten.

Aus liberaler Sicht war die Strategie erfolgreich: Drei statt einen Stadtrat schickt die FDP künftig in den Gemeinderat. Und was lässt sich gesamtdemokratisch sagen? Tja, der neue Gemeinderat muss sich noch bewähren, die Wahlkampfthemen wollen diskutiert und in Beschlüsse umgesetzt werden. Aber klar ist: Mehr Wähler als 2014 legitimieren das Gremium. Die Wahlbeteiligung, sie hat um rund zehn Prozent zugelegt.

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