Kornwestheim Streit um das Kind eskaliert

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Eine Verurteilung gab’s nicht Foto: Uli Deck/dpa/Uli Deck

Kornwestheim - Straffrei ist ein 22-jähriger Mann aus Kornwestheim in einer Verhandlung vor dem Ludwigsburger Amtsgericht geblieben. Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, seine Partnerin im Streit verletzt zu haben. Die 23-Jährige hatte ihn unmittelbar nach einer heftigen Diskussion um das gemeinsame Kind bei der Polizei angezeigt. Das Gericht goss aber kein weiteres Öl ins Feuer und stellte das Verfahren gegen die Zahlung von 600  Euro ein.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hatte dem 22-Jährigen zur Last gelegt, seiner Partnerin am 16. Januar dieses Jahres gegen 14.05 Uhr in einem Markgröninger Mehrfamilienhaus mindestens ein Mal mit der Hand an die Kopfseite geschlagen zu haben. Der Maler und Lackierer, der eigentlich aus Kamerun stammt, erklärte hierzu, die Gewalt sei zuerst von der Frau ausgegangen, bevor sie „Maßnahmen im Sinne des Gewaltschutzgesetzes“ gegen ihn erwirkt habe. Zur Tatzeit, erzählte der 22-Jährige weiter, habe seine Mutter einen Unfall in Kamerun gehabt und er ihr dringend Geld schicken müssen. Außer um Finanzen habe er mit der 23-Jährigen um das Kind gestritten, aber nicht er habe die Frau geschlagen, sondern sie ihn.

Beim Eintreffen der Polizei auf die Tränendrüse gedrückt?

Auf den Schlag hin habe er dann die Frau weggeschubst, so der 22-Jährige. Diese habe sogleich die Polizei alarmiert und pünktlich bei deren Eintreffen dann auf die Tränendrüse gedrückt. Auch im Sorgerechtsstreit am Familiengericht, wie der Angeklagte fortfuhr, zeige sich seine Ex-Partnerin nur wenig kooperativ. Sie habe zu ihm gesagt: „Du bist Asylant und hast vor Gericht gegen mich keine Chance.“ Rückendeckung bekomme die Frau dabei von seinen Schwiegereltern, die schlecht über ihn reden würden.

„Es gab immer wieder Streit vor dem Kind, auch bei meinen Eltern“, erklärte im Anschluss die 23-Jährige, die derzeit in Elternzeit ist, vor Gericht als Belastungszeugin. Am besagten Tag sei es ums Einkaufen gegangen, was sie nicht habe erledigen können, ohne dass er ihr dabei Vorschriften machte. Die Zeugin führte aus, sie habe so lange mit dem 22-Jährigen gestritten, bis ihr Kind im Schneeanzug das Schwitzen begonnen habe. Der Mann habe ihr das Kind aber weiterhin einfach nicht mitgeben wollen.

Die Ex-Partnerin hat sehr wohl noch Interesse an einer Bestrafung

Daraufhin habe sie die Polizei geholt. Die Haushaltsführung beschrieb die Frau so, dass ihr der Angeklagte jeweils zur Mitte und zum Ende eines Monats Geld habe geben sollen. Bei Geldmangel habe sie sich Beträge von ihren Eltern geliehen. Zum Zeitpunkt der Verhandlung vor dem Amtsgericht hatte der Angeklagte das bald einjährige Kind seit Februar dieses Jahres nicht mehr sehen dürfen. Die Mutter gab darüber hinaus an, sie wollte zunächst über einen entsprechenden Test prüfen lassen, ob er denn überhaupt der Vater des Kindes sei. Wenn er es wäre, müsse sie ihm Umgang mit dem Kind gewähren. Auf die Frage von Richterin Lisa Atzori, ob sie überhaupt noch Interesse an einer Bestrafung des Kindsvaters habe, antwortete die Markgröningerin: „Ich finde, dass er bestraft werden muss.“

Da der Kornwestheimer inzwischen aber ohnehin bei Frau und Kind ausgezogen ist und nur noch seine Sachen holen lassen muss, hielten es sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Gericht für angebracht, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, anstatt den Kornwestheimer zu verurteilen. Dieser fragte bis zum Ende des Gerichtsprozesses immer wieder: „Wann kann ich meine Tochter wiedersehen?“

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