Kornwestheim Szenen wie in einer Zombieapokalypse

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Sehr leer ist es seit mehreren Wochen in der Innenstadt von Barcelona, wo Dennis Gleiss immer wieder unterwegs war und Fotos gemacht hat. Foto: Dennis Gleiss

Kornwestheim - Dort, wo viele Deutsche gerne Urlaub machen, will sich Dennis Gleiss eine eigene Existenz aufbauen. Das Studium hat den 27-Jährigen, der in Kornwestheim aufgewachsen ist und sein Abitur am Ernst-Sigle-Gymnasium gemacht hat, nach Barcelona verschlagen. Mitten in der spanischen Metropole versucht er nun, auch während der Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie über die Runden zu kommen. Was er in den vergangenen Wochen erlebt hat, erzählt er im Interview.

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Herr Gleiss, wie kommt es, dass Sie in Spanien sind?

Ich bin vor eineinhalb Jahren hierher gezogen, um mein Masterstudium im Bereich Regie und Film zu machen. Damit bin ich vor etwa eineinhalb Monaten fertig geworden. Vorher habe ich in Pforzheim studiert und dort auch mit dem Bachelor abgeschlossen. Danach habe ich erst mal gearbeitet und mich an der Filmakademie in Ludwigsburg beworben. Dort kam ich aber nicht an. Deshalb war ich stattdessen an einer der renommiertesten Unis in Spanien. Vor vier Jahren war ich übrigens schon einmal hier, über das Austauschprogramm Erasmus und nur für ein Semester. Damals hat sich Spanien eher zufällig ergeben.

Und jetzt wollen Sie dort bleiben?

Ja, ich bin gerade auf Jobsuche. Nach dem Studium wollte ich zentraler wohnen und bin deshalb erst vor Kurzem in die Innenstadt von Barcelona gezogen. Wir wohnen hier nun zu dritt in einer WG.

Wie sehen Ihre beruflichen Pläne denn aus?

Eigentlich wollte ich mich jetzt gerade mit ehemaligen Kommilitonen selbstständig machen. Wir haben vor, eine kleine Firma zu gründen, die Musikvideos und Werbespots produziert. Dazu sind wir aber bisher wegen der aktuellen Situation nicht gekommen.

Wie verbringen Sie dann Ihre Zeit gerade?

Am Anfang hatte ich ein wenig Panik, wie ich das Geld für die Miete zahlen kann. Ich kenne viele Leute aus der Film- und Fernsehszene, die genau dieses Problem haben. Ich habe übergangsweise Fotos gemacht und sie an Medien verkauft. Ich habe einen Presseausweis und konnte trotz der Ausgangssperre das Haus verlassen. Mittlerweile habe ich auch noch einen anderen Job gefunden. Ich arbeite derzeit im Kundenservice. Außerdem versuche ich momentan, Projekte vorzubereiten. Ich mache zum Beispiel Musik für Filme. Mir wird also nicht so schnell langweilig (lacht). Mir fehlen nur die sozialen Kontakte.

Wie erleben Sie die Stadt bei den Fotostreifzügen?

Man hat zwar nicht das Gefühl, dass die Stadt komplett leer ist, aber das, dass man sie fast für sich allein hat. Hier und da sieht man immer noch andere Leute. Einkaufen ist nach wie vor erlaubt. Aber wenn man will, könnte man Fotos machen, die aussehen wie eine Zombieapokalypse (lacht). Und am Strand ist es extrem leer.

Haben Sie nicht überlegt, zurück nach Deutschland zu fliegen?

Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber anfangs keine Gedanken gemacht. Ich dachte zuerst, dass es schon nicht so schlimm werden wird. Von der Ausgangssperre wurde ich überrascht. Dann hatte ich zwar kurz die Sorge, ob ich es hier finanziell schaffe. Aber in Deutschland hätte ich derzeit auch keine größeren Chancen auf Aufträge. Da kann ich genauso gut hierbleiben.

Das klingt recht entspannt.

Ja, ich bin auch relativ entspannt, obwohl es hier in Spanien eine größere Panikmache gibt als in Deutschland. Das ist zumindest mein Eindruck. Ich verfolge, was in meiner alten Heimat los ist.

Hatten Sie vor, demnächst noch einmal nach Kornwestheim zu kommen?

Mein Vater hatte vor Kurzem Geburtstag. Das wäre sonst ein Grund gewesen, meine Familie zu besuchen. Aber das ging ja nicht. Also haben wir nur ausführlich telefoniert. Mal sehen, wann sich die nächste Gelegenheit ergibt.

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