Kornwestheim Telefonbetrüger mit perfider Masche

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Telefonbetrüger rufen vor allem ältere Menschen an. Foto: picture alliance/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Kornwestheim - Am Donnerstagnachmittag klingelte das Telefon bei einer Kornwestheimer Rentnerin. Am anderen Ende der Leitung: Ein Mann, der sich als Polizist ausgab. Ihr Sohn habe einen schweren Unfall verursacht, behauptete der Pseudo-Beamte in tadellosem Deutsch mit leichtem schwäbischen Einschlag. Er habe einer Frau auf einem Fahrrad die Vorfahrt genommen, diese sei gestorben. „Mir fuhr der Schreck in alle Glieder“, berichtet die Seniorin, die der Anruf erreichte. Doch damit nicht genug: Ein zweiter Mann schaltete sich in das Gespräch ein, er gab an, von der Staatsanwaltschaft zu sein und den Sohn festzuhalten. Die Rentnerin solle sofort 25 000 Euro Kaution zahlen. „Das wirkte alles sehr realistisch“, sagt sie. Zum Glück sei ihr Ehemann da gewesen und habe mitgehört. Der Mann nahm das Telefon zu Hand, ließ die Betrüger auflaufen, stellte Gegenfragen – die vermeintlichen Beamten legten daraufhin auf.

Zur Zeit häufen sich die Anrufe wieder

„Gerade verzeichnen wir wieder einige solcher Betrugsanrufe in der Region und im Kreis Ludwigsburg“, sagt Polizeisprecher Stefan Hermann vom Ludwigsburger Präsidium. Die Maschen wechseln immer wieder, berichtet er – und: Sie werden immer perfider, spielen mit den Emotionen vor allem älterer Menschen. Die Anrufer sind gewieft und gut organisiert, es sind Banden, die gewöhnlich aus dem Ausland operieren und dort regelrechte Callcenter betreiben, mit rhetorisch geschulten Mitarbeitern. Sie durchforsten Telefonbücher nach Namen, die auf ältere Generationen hinweisen, rufen unter falscher Nummer an und gehen gezielt mit durchchoreografierten Geschichten auf die Jagd, die am Ende immer ein Ziel verfolgt: Die Menschen in eine Situation zu bringen, in der sie aufgrund einer Mischung aus starken Gefühlen und Druck bereit sind, schnell größere Summen Geld locker zu machen.

Auch der Enkeltrick ist wohlbekannt

„Wie es den Leuten dabei geht, das ist den Betrügern egal“, sagt Hermann. Bekannt sei der namensgebende Enkeltrick, wie die Schockanrufe auch benannt werden, auch als Bänker oder Polizisten geben sich die Betrüger aus. Die Behauptung eines Unfalls mit Todesfolge sei gerade eine beliebte Masche.

Stefan Hermann betont: „Die Polizei wird in einem solchen Fall niemals anrufen und schon gar nicht am Telefon Geld verlangen, wir kommen persönlich vorbei zu einem Gespräch.“ Er rät dazu, niemals persönliche Daten herauszugeben. Falls möglich solle die Nummer aufgeschrieben, ein Name und eine Rückrufnummer verlangt werden. „Oft legen die Betrüger dann schon auf.“ Und weiter: „Die echte Polizei anrufen, wir stehen für Rückfragen bereit, helfen, beraten.“ Bei den wirklichen Beamten rief dann auch das Kornwestheimer Ehepaar an. Der Polizist unter der 110 half den beiden, klärte auf – und beruhigte die verunsicherte Frau.

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