Kornwestheim Tödlicher Unfall: Haft für 34-Jährigen

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Wegen fahrlässiger Tötung war ein Mann aus Kornwestheim angeklagt. Foto: dpa

Kornwestheim - Der Unfall mit Todesfolge ereignete sich auf der Straße zwischen Möglingen und Stuttgart-Stammheim. Er habe beim Durchfahren der Kurve nur ein helles Licht gesehen, teilte der Angeklagte in einer Erklärung mit, die seine Verteidigerin am Montagvormittag im Verhandlungssaal des Amtsgerichts Ludwigsburg verlas. Dann habe er noch einen Notruf abgesetzt, die nächste Erinnerung habe er erst wieder gehabt, als er im Krankenhaus aufgewacht sei.

In welchem Zustand er an jenem Abend unterwegs war, das gab der Kornwestheimer hingegen detailliert zu Protokoll. Er wollte Drogen kaufen, hatte vor Fahrtantritt bereits eine erheblich Menge Amphetamine zu sich genommen. Dass er zu der Tatzeit nicht in Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war, kümmerte ihn nicht weiter. Wie sich der Unfall in der Nacht auf den 27. Juni um 0.10 Uhr ereignete, ließ sich zweifelsfrei aus den Erkenntnissen der am Ort des Geschehens anwesenden Polizisten und des Unfall-Gutachters rekonstruieren. Der Angeklagte zog mit seinem Passat in einer lang gezogenen Kurve nach links auf die Gegenfahrbahn und kollidierte frontal mit einem Motorrad. Der 34 Jahre alte Fahrer der Yamaha erlitt dabei schwerste Verletzungen und starb noch an der Unfallstelle.

Der gelernte Kfz-Lackierer blieb bis auf leichte Prellungen unverletzt, war laut einer als Zeugin geladenen Polizistin nach dem Zusammenstoß „apathisch und nicht ansprechbar“ gewesen. Eine Blutuntersuchung zwei Stunden nach dem Unfall ergab, dass die Amphetamin-Menge im Blut des 34-Jährigen mehr als viermal so hoch war wie der Grenzwert von 25 Nanogramm pro Milliliter. Aus der Notaufnahme wurde er in die psychiatrische Abteilung des Klinikums Ludwigsburg verlegt, da er sich laut Untersuchungsprotokoll in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befand.

Ob die konsumierten Drogen die Ursache für den Fahrfehler gewesen sei, das lasse sich nicht zweifelsfrei belegen, betonte die medizinische Sachverständige gestern Vormittag im Amtsgericht. Bei Dauerkonsumenten wie dem Angeklagten, der nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren fast täglich die aufputschende Droge genommen hat, sei eine Beeinträchtigung wahrscheinlich, aber nicht eindeutig nachweisbar. Dieser Argumentation folgte auch die Richterin in ihrem Urteilsspruch: Zwar sei der Fahrfehler nicht zwingend auf die Wirkung der Drogen zurückzuführen, „aber die Tat wurde wegen der Betäubungsmittelabhängigkeit begangen“, begründete sie in ihrem Urteil.

Da der Angeklagte geständig war und sich um eine psychiatrische Therapie wie Entzugsmaßnahmen bemüht hatte, blieb das Gericht in seinem Urteil von einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für die fahrlässige Tötung und das vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis zwei Jahre gefordert. Zudem wird sein ungültiger Führerschein einbehalten und eine Sperrfrist für einen Wiedererwerb von zwei Jahren und sechs Monaten festgelegt. Die besonderen Umstände, die die von der Verteidigung geforderte Bewährung rechtfertigen könnten, seien nicht gegeben, so das Gericht in der Urteilsbegründung.

In der Vergangenheit war der Angeklagte mehrfach wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, die ihm 2016 wegen Fahrens unter Drogeneinfluss entzogen worden war, verurteilt worden. Ins Gefängnis muss der Kornwestheimer nach dem Urteil vom gestrigen Tag aber nicht zwingend. Begebe er sich in psychiatrische Behandlung und mache einen Entzug, könne die Freiheitsstrafe zurückgestellt werden, ergänzte die Richterin.

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