Kornwestheim Trumpf im Kampf gegen den Klimawandel

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Für die Bebauung freigegeben: Das Sprecher-Areal an der Mühlhäuser Straße, das die Nachbarn gerne als Freifläche erhalten hätten. Foto: Archiv/Dominik Florian

Kornwestheim - Eine Karte soll eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels in Kornwestheim spielen. „Die Planungshinweiskarte“ nannte sie jüngst der Geograf Björn Büter im Ausschuss für Umwelt und Technik. Die grafische Übersicht mit dem langen Namen wird das Ergebnis des vom Gemeinderat 2019 in Auftrag gegebenen Klimaanpassungskonzepts sein.

Letztlich soll auf ihr zu sehen sein, wie wichtig die jeweiligen Freiflächen in Kornwestheim für das Stadtklima sind und wie prekär die bioklimatische Situation in den verschiedenen Siedlungsbereichen der Stadt ist. „Nicht nur das Klima ändert sich, sondern auch die Stadt“, unterstrich der Geograf den Zusammenhang. Entsprechend soll die neue Planungshinweiskarte ein Werkzeug sein, um bei anstehenden Bauprojekten die Wirkung auf das Stadtklima aufzuzeigen. Oder kurz gesagt: Wo kann was gebaut werden und welche Fläche sollten lieber frei bleiben, damit es nicht noch wärmer in der Stadt wird.

Erste Zwischenergebnisse

Die Karte präsentieren konnte Björn Büter den Stadträten aber noch nicht. Dafür stellte er die Zwischenergebnisse der Konzepts vor und gewährte einen Ausblick auf das, was noch folgen wird. In seiner Präsentation zeigte Büter, wie das Stadtklima in Kornwestheim derzeit ist und wie es sich im Zuge des Klimawandels ändern wird. „Anhand eines Computermodells haben wir die Werte für die Stadt gemessen“, sagte Büter. Messungen der Temperaturen oder Winde vor Ort habe sein Unternehmen aber nicht vorgenommen. „Das hätte nur stichprobenartig stattfinden können, die Modellrechnung ist da genauer“, erklärte er.

So trug das Unternehmen unter anderem Temperatur, Windgeschwindigkeit und Kaltluftvolumenstrom im Stadtgebiet zusammen – aktuell und mit Blick auf die kommenden Jahre bei fortschreitendem Klimawandel. „Es wird immer wärmer“, fasste Büter knapp zusammen. Aus den Werten entstanden im zweiten Schritt Karten, worauf Parameter wie die Temperatur und der Strom der Kaltluft im Siedlungsbereichen von Kornwestheim zu sehen sind und wie sich diese bei verschiedenen Verläufen des Klimawandels bis im Jahr 2030 verändern werden. Anhand der Klimaanalysekarte könne in der Nachtsituation gezeigt werden, welche Siedlungsbereiche besonders von der nächtlichen Überwärmung betroffen sind und wo eine bodennahe Durchlüftung stattfindet.

Wo Wärmeinseln entstehen

Ein gutes Beispiel dazu machte Susann Boll Simmler aus. „Warum ist bei einem der freistehendenden Gebäudekomplexe wie im Gewerbegebiet West eine solche Wärmeansammlung?“, fragte die Grünen-Stadträtin. Wegen der starken Flächenversiegelung mit den Bauwerken, erklärte Büter, entstünden dort Wärmeinseln. Diese gingen auch an den Bürgern nicht spurlos vorbei. „Das Stadtklima hat Einfluss auf das Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Morbidität der Bürger“, betonte Büter.

Damit das Stadtklima noch besser ersichtlich ist, folgt auf die Klimaanalysekarten nun die Planungshinweiskarte. „Nach der Ermittlung der Werte ist jetzt deren Bewertung an der Reihe“, sagte Büter zu der Karte, die neben der Bewertung der Siedlungen und Freiflächen auch mit Empfehlungen und Planungshinweisen versehen ist. Um diese umzusetzen, werde es dann Workshops geben, erklärte der Geograf. Um die Messungen und Bewertungen letztlich auch in Maßnahmen zu realisieren, werden – wie die Stadt Kornwestheim mitteilt – Zielvorgaben für „klimaökologische Freiflächen- und Siedlungsstruktur“ formuliert. Diese münden in einem Maßnahmenkatalog, der genau auf die baulichen Gegebenheiten in der Stadt abgestimmt sei.

Die Zeit drängt

Ganz ohne Zeitdruck ist die Verwaltung dabei nicht: Die Finanzierung des Konzepts, das im Rahmen des Projekts Klimopass läuft, wird zu großen Teilen aus Fördertöpfen des Landes Baden-Württemberg gedeckt. Zwei Drittel der Gesamtkosten von rund 100 000 Euro werden dadurch übernommen, 35 000 Euro trägt die Stadt. Und zum Ende dieses Jahres endet der Förderzeitraum, sodass das Konzept bis dahin stehen soll.

Und auch die Gemeinderäte brennen darauf, auf das neue Werkzeug in ihrer klimapolitischen Arbeit bald zurückzugreifen. „Wir werden ein interessantes Instrument haben für die städtebaulichen Maßnahmen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzender Hans Bartholomä, der von seinen Kollegen im Ausschuss viel Zustimmung erhielt. Den Blick nach vorne wandte SPD-Stadtrat Hans-Michael Gritz. „Es ist jetzt wichtig, wie wir damit umgehen und es auch konkret und schnell in die nächsten Schritte miteinbeziehen.“

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