Kornwestheim Tuchfühlung ist im Sport wieder erlaubt

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Spiel der Cougars Foto: Archiv/Peter Mann

Kornwestheim - In der Corona-Krise kehrt ein Stück Normalität zurück. Von Mittwoch an dürfen Einzelsportler und Mannschaften wieder mit vollem Körpereinsatz- und -kontakt agieren. Gruppen von bis zu 20 Personen müssen bei ihren Übungseinheiten dann nicht mehr den im Alltag vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten. Das hat das Kultusministerium des Landes Baden-Württemberg jüngst bekannt gegeben. Zweikämpfe und direkter Kontakt sind wieder erlaubt. Die Vereine in Kornwestheim begrüßen die Lockerung, an manchen Stellen zögert man allerdings noch.

Körperkontakt ist im American Football so wichtig wie in kaum einer anderen Sportart – könnte man meinen. „Wir haben schon vor der Corona-Pandemie in neues Equipment investiert“, sagt Andreas Geibel, Abteilungsleiter der Kornwestheim Cougars. So habe man auch während der Kontaktbeschränkungen gut trainieren können. Die Berglöwen hatten sich zum Beispiel einige Autoreifen zugelegt, mit denen sie Übungen aufziehen konnten. „Körperkontakt ist im Football nicht alles“, betont Geibel. Am Mittwochabend kommen die Cougars zum Training zusammen. „Es dürfen 20 Leute auf dem Feld stehen“, so Geibel. Zwei 20er-Gruppen trainieren also bei den Cougars – dass diese sich nicht durchmischen dürfen, hat Geibel bei der Koordination natürlich auf dem Schirm. „Wir sind in intensivem Austausch mit Verband, Hauptverein und der Kommune“, fügt er an und lobt: „Die Pandemie hat bei uns bewirkt, dass wir fokussierter arbeiten. Alle haben bisher mitgezogen, Cheerleader und Spieler, groß und klein.“

Auch die Schachfreunde Kornwestheim freuen sich darüber, dass sie sich bald wieder Auge in Auge am Schachbrett gegenüber sitzen dürfen. Treffen wollen sie sich aber erst nach den Sommerferien, also im September. „Bis dahin vermeiden wir den direkten Kontakt“, gibt der Vereinsvorsitzende Armin Winkler zu Protokoll. Zwar sei der Abstand nicht unbedingt das Problem, wohl aber der Platz generell: Im kleinen Saal des Hauses der Musik kommen beim Jugendtraining schnell 30 Leute zusammen. Und noch etwas lässt die Schachfreunde zögern. „Wir sitzen oft über Stunden zusammen in einem Raum, den man nicht lüften kann.“ So übt sein Verein vorerst weiter über verschiedene Online-Kanäle.

Die Basketballer der Skizunft Kornwestheim überlassen es ihren Spielern selbst, ob sie vom 1. Juli an am Training mit vollem Kontakt teilnehmen möchten. „Jeder entscheidet selbst, ob er mitmachen möchte“, sagt Abteilungsleiter Mustafa Mesanovic, „und man merkt, dass viele noch zögerlich sind.“ Zuvor hatte es Trainingsgruppen gegeben, die Spieler mussten auch mal pausieren. „Das lief aber ganz gut“, betont Mesanovic.

„Das Training in den vergangenen Wochen war gut für den Zusammenhalt, aber mit Fußball hatte das wenig zu tun“, sagt Marc Bachhuber, Trainer der ersten Mannschaft des SV Pattonville. Bei den lockeren Einheiten, die die Pattonviller in Kleingruppen durchgeführt hatten, sei die Trainingsbeteiligung gut gewesen, aber die Intensität und der Wettkampfcharakter habe gefehlt, sagt Bachhuber. Entsprechend groß ist Erleichterung beim SVP-Coach, dass die Mannschaft nun wieder gemeinsam auf dem Platz stehen darf und Zweikämpfe erlaubt sind. Auch mit Blick auf die kommende Spielzeit: „Das macht auch einen baldigen Saisonstart wahrscheinlicher“, hebt Bachhuber hervor, „so haben wir ein Ziel vor Augen und können dann auch richtig in die Vorbereitung einsteigen.“

„Es hat niemand den Spaß am Handball verloren“, blickt SVK-Handballabteilungsleiter Andreas Postl auf die Coronapause und den stark eingeschränkten Trainingsbetrieb zurück. Nun freue sich aber jeder, dass ordentliches Training wieder weitgehend möglich sei. „Das ist einfach schön“, sagt Postl. Sechs Aktiventeams tummeln sich beim SVK, und sie alle müssen sich nun nicht mehr auf schnödes Passen und Aufs-Tor-Werfen beschränken. „Es haben alle komplett diszipliniert mitgezogen“, lobt Postl, mahnt aber auch: „Wir müssen weiterhin wachsam sein und erfüllen weiterhin alle Vorgaben von Land und Stadt.“ Zudem begleite der Deutsche Handballbund (DHB) die Rückkehr zum Normalbetrieb mit einem achtstufigen „Return-to-Play“-Konzept. Die Aufhebung der Kontaktbeschränkungen im Training hält Postl für einen weiteren Schritt in Richtung Wettkampfbetrieb und geordneter Vorbereitung. Wann die jeweiligen Spielzeiten allerdings wirklich starten, steht noch in den Sternen. „Für unser Drittligateam gehe ich momentan von Ende September aus“, so der Abteilungsleiter, der sich vorsichtshalber schon einmal klar gegen etwaige Geisterspiele zum Start der Spielzeit ausspricht. „Die Zuschauereinnahmen machen bei uns schon einen gewissen Prozentsatz des Etats aus.“

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