Kornwestheim Türsteher verliert Nerven und schlägt zu

Von
Wegen gefährlicher Körperverletzung mussten sich nun zwei Sicherheitskräfte vor dem Amtsgericht Ludwigsburg verantworten. Foto: dpa

Kornwestheim - Es sollte eine fröhliche Geburtstagssause werden. In einer Diskothek in der Solitudeallee wollte ein 24-Jähriger mit seiner Clique ausgelassen ­feiern. Doch der Abend endete für ihn mit Schlägen. Wegen gefährlicher Körperverletzung mussten sich nun zwei Sicherheitskräfte vor dem Amtsgericht Ludwigsburg verantworten.

Angeklagt war ein 23-Jähriger aus Korntal-Münchingen, der an jenem Tag im vergangener März in dem Nachtclub Dienst hatte. Ihm wurde vorgeworfen, als Sicherheitsmitarbeiter nach einer verbalen Auseinandersetzung auf den 24-Jährigen mehrfach eingeschlagen und unter anderem den Hinterkopf des Opfers mit voller Wucht getroffen zu haben. Dabei trug er laut Anklage mit Quarz gefüllte Handschuhe, die schwere Verletzungen verursachen können. Ein älterer Kollege soll dem Türsteher zu Hilfe geeilt sein und das Opfer festgehalten haben, damit der 23-Jährige erneut kräftig zuschlagen konnte. Deshalb saß nun auch der 50-Jährige auf der Anklagebank.

Der Hauptangeklagte zeigte sich im Prozess reumütig und gab zu, in jener Nacht die Nerven verloren zu haben. „Der Vorfall tut mir sehr leid“, eröffnete der 23-Jährige sein Geständnis. Er erinnere sich noch gut, dass er das Opfer mehrmals ­gebeten habe, den Club zu verlassen. Doch der 24-Jährige sei in jener Nacht stark ­alkoholisiert gewesen, habe sich geweigert zu gehen und ihn stattdessen beleidigt. Dann sei er mit der Situation überfordert gewesen und die Sache sei eskaliert. „Es war eine Sekundenentscheidung, dass ich falsch reagiert habe“, räumte der 23-Jährige sichtlich zerknirscht ein. Eigentlich sei es nicht seine Art, andere zu schlagen. Wie sein Anwalt betonte, ist zwar unstrittig, dass der 23-Jährige handgreiflich geworden ist. Quarzhandschuhe seien in jener Nacht aber nicht involviert gewesen. ­Lediglich normale schwarze Handschuhe habe der Angeklagte getragen.

Die Aussagen konnte der Mitangeklagte bestätigen. Er betonte, dass das Opfer aggressiv aufgetreten sei und sich uneinsichtig gezeigt habe. Der zweite Türsteher bestritt jedoch, dass er den 24-Jährigen festgehalten habe. „Wir haben ihm nur nach draußen geholfen“, sagte er. Auf dem Weg zum Ausgang der Diskothek sei es zu einem Gerangel gekommen, weil zwischenzeitlich die Freunde des Opfers hinzugeeilt seien. Weitere Fausthiebe habe der Gast aber nicht einstecken müssen.

Vor Gericht konnte sich der 24-Jährige nur noch an die Ereignisse bis zum ersten Schlag erinnern, der ihn am Hinterkopf traf. Viele Nachfragen der Richterin ­konnte er wegen Gedächtnislücken nicht beantworten. Er räumte ein, dass er im angetrunkenen Zustand durchaus den ­Sicherheitsmann verbal provoziert haben könnte. „Wenn es von mir einen Auslöser gab, dann tut es mir auch leid“, sagte er.

In einem ärztlichen Attest ist die Rede von Prellungen, Schürfungen und Hämatomen. Zudem fügte ihm die Sicherheitskraft ein blaues Auge zu. Wie oft der 23-Jährige tatsächlich zugeschlagen hat, ließ sich vor Gericht nicht mehr eindeutig ­klären. Drei Videosequenzen, die im Sitzungssaal mehrfach abgespielt wurden, zeigen, wie der Hauptangeklagte das Opfer nach der verbalen Auseinandersetzung schubste und schlug. Im Handgemenge, das im weiteren Verlauf per Video fest­gehalten wurde, sind neuerliche Schläge jedoch nicht zu erkennen.

Gegen die Auflage einer Geldstrafe von insgesamt 1000 Euro wurde das Verfahren gegen den Hauptangeklagten schließlich eingestellt. Der 23-Jährige muss die Summe an die Sozialberatung in Ludwigsburg überweisen. Auf eine vom Täter freiwillig angebotene Wiedergutmachung in Höhe von 300 Euro verzichtete der Geschädigte. Das Verfahren gegen den älteren Türsteher wurde ohne Auflage eingestellt. Beide Männer waren nicht einschlägig vor­bestraft und haben den Nebenjob in der Diskothek mittlerweile aufgegeben.

Artikel bewerten
6
loading
 
 

Sonderthemen